Die vorliegende Arbeit diskutiert die Zusammenhänge der Begriffe ‚Subjekt‘, ‚Raum‘ und ‚aisthesis‘ am Beispiel literarischer Raumsynästhesien und beschreibt methodische, theoretische und textanalytische Implikationen.
Teil I leistet eine methodische Fundierung, die einen als Aisthetik des Denkens und des Schreibens konzipierten Essayismus als Erkenntnisoperation wie zugleich als deren Vertextungsverfahren in seiner Relevanz für die Arbeit ausweist und als methodisches Konzept gegen zentrale Parameter der wissenschaftlichen Kommunikation würdigt.
Teil II formuliert eine nicht-dualistische Subjekttheorie als eine Theorie synästhetischen Wahrnehmens und Empfindens von Raum. Räume subjektiven Erlebens werden beschrieben als figürlich strukturierte phänomenale Räume, für die die Verwischung der Grenzen von Wahrnehmung und Vorstellung, von Erkenntnissubjekt und -objekt konstitutiv ist.
Vor diesem Hintergrund nimmt Teil III eine Re-Lektüre dreier Schlüsseltexte der Dekadenzliteratur um 1900 vor: Es sind dies Richard Beer-Hoffmanns Tod Georgs, Thomas Manns Buddenbrooks sowie Rainer Maria Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Leitende Hypothesen sind die einer Subjektivierung resp. Synästhesierung des fiktionalen Raums sowie einer radikalen Problematisierung und Transponierung einer dualistisch-reduktionistischen Begrifflichkeit von ‚Subjektivität‘ in diesen literarischen Entwürfen.
Katja Hachenberg
Literarische Raumsynästhesien um 1900
Methodische und theoretische Aspekte einer Aisthetik der Subjektivität
2005
ISBN 978-3-89528-514-1
266 Seiten
kartoniert
Katja Hachenberg studierte Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie an der Universität Siegen. 2001 bis 2004 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Germanistik/Fachgebiet Literatur und Medien der Universität Kassel. Derzeit ist sie als Referendarin am Studienseminar für Gymnasien in Kassel tätig; darüber hinaus entwickelt sie ein wissenschaftliches Projekt zum Thema ‚Mediale Performanzen‘.