Braunbeck, Helga G.: Figurationen von Kunst, Musik, Film und Tanz
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1237-9Die vorliegende Studie untersucht mithilfe von aktuellen Theorien zur Intermedialität, wie die deutsch schreibende Prager Autorin Libuše Moníková unterschiedlichste Medien referenziert und simuliert. Im Kontext der Kulturgeschichte Mitteleuropas wird nachgewiesen, dass Verweise auf bildende Künstler und Kunstwerke sowie schöpferische Prinzipien und die Bedingungen für Kunst in der kommunistischen Tschechoslowakei zu Gestaltungsprinzipien ihrer Romane werden. Bezüge auf die Musik machen deren ethnische, nationale und internationale Herkunft fruchtbar. Filmreferenzen und -simulationen sowie die Kinosituation, ein Drehbuch und der Fernsehfilm der Autorin werden diskutiert, und die literarische performance von Tanzformen wie Volkstanz und Literaturballett wird analysiert. Die Studie schließt mit der Einordnung der spezifischen Intermedialität Moníkovás in die Postmoderne.
Helga G. Braunbeck
Figurationen von Kunst, Musik, Film und Tanz
Intermedialität bei Libuše Moníková
2018
ISBN 978-3-8498-1237-9
375 Seiten
kartoniert
- Danksagung
- Libuše Moníková: Zwerge und Riesen
- 1. Auf den Schultern von Riesen: Theorien zur Intermedialität
- 1.1. Von Zwergen und Riesen
- 1.2. Intertextualität und Intermedialität
- 1.3. Figur und Allegorie
- 1.4. Figuration, Konfiguration, Transfiguration
- 1.5. Körper – Tod – Bild – Text
- 1.6. Bildhaftigkeit und Ekphrasis
- 1.7. Musik und Tanz im Text
- 1.8. Die bisherigen „Kolonien professioneller Ausdeuter“ (kurzer Forschungsüberblick) und die Entstehungsgeschichte dieser Ausdeutung
- 1.9. Intermediale Erzählweisen im Werk Libuše Moníkovás (Kapitelübersicht)
- 2. Ein tschechoslowakischer Michelangelo in Böhmen am Meer: Bilder, Statuen, Kunst, Comics, Leben und Tod
- 2.1. Entgrenzungen: Politik, Kunst, Literatur
- 2.2. Kunst im Schatten der Politik der Normalisierung
- 2.3. Figuration, Abstraktion, Neue Figuration – und die realen Vorbilder für die fiktiven Künstlerfiguren
- 2.4. Palachs Totenmaske, Fragen der Repräsentation und die Aufhebung der Geschichte in der Allegorie (Eine Schädigung)
- 2.5. Das Ich und die Andere, oder die Kunst des Porträts (Eine Schädigung)
- 2.6. Ein visueller Paratext als Allegorie des kulturwissenschaftlichen Diskurses über die Frage der Repräsentation (Pavane für eine verstorbene Infantin)
- 2.7. Vor-Bilder: Imago und Effigie, Heraldik und Porträt (Pavane für eine verstorbene Infantin)
- 2.8. L. H. O. O. Q. – Schau hin: Kafka, Duchamp, Kolařs und die Transfiguration des Schlosses (Die Fassade, „Das Schloß als Diskurs“)
- 2.9. Sgraffitotechnik, Palimpsest der Geschichte, Allegorie der Historiografie und Kafka in Comic-Manier (Die Fassade)
- 2.10. Auf den Schultern von Vasari und Michelangelo: die internationale Welt der Kunst und die Fassade-Künstler in der böhmischen Provinz (Die Fassade)
- 2.11. Analogie und Plastizität: Statuen und Hohlmenschen, die menschliche Gestalt und die Kunstform der Skulptur (Die Fassade)
- 2.12. Sie zeichnen zurück – Wort und Bild (Treibeis)
- 2.13. Ägypten und Prag: Körper, Tod, Unsterblichkeit (Verklärte Nacht)
- 2.14. Leben im Transit: Zöllner, Grenzgänger, Bilderschmuggler (Der Taumel)
- 3. „Was da erklingt ist Mähren“: literarische Figurationen ethnischer, „nationaler“, und internationaler Musik
- 3.1. Musik, Text, Bild
- 3.2. „Nicht dieses bleierne Pochen“ und dann die beruhigende Stimme aus dem Radio (Eine Schädigung)
- 3.3. Von der internationalen Klassik zum ethnischen Lied und zur Popmusik der sechziger Jahre (Pavane)
- 3.4. „Kde domov můj?“ Wo ist meine Heimat? – Smetana, Janáček, tschechische und russische Volkslieder (Die Fassade)
- 3.5. „… wenn du ihre Lieder singen kannst“ (Treibeis)
- 3.6. Ein literarisches Requiem und die „Musik als Ernstfall“ („Mozart: Szenen aus der Pietät“, „Meine Schallplatten“ und „Begegnungen mit Janáček“)
- 3.7. Musikstadt Prag und Janáčeks Unsterblichkeit (Verklärte Nacht)
- 3.8. Abgesang: Noch ein Künstler und die „Musik seiner vereinsamten Tage“ (Der Taumel)
- 4. Kino-Auge: Die Frau mit der Kamera
- 4.1. Das Buch als Film, oder wie der Film in den Text kam
- 4.2. Andere Rollen am anderen Ort: die heilsame Kraft des Kinos (Eine Schädigung)
- 4.3. Die Umkehr der Adaption: Montage und mise en scène im literarischen Text (Pavane für eine verstorbene Infantin)
- 4.4. Die Liebe geht durchs Kino (Die Fassade)
- 4.5. Filmvorführer entführt Stuntfrau (Treibeis)
- 4.6. Das Auge der Kamera (Verklärte Nacht)
- 4.7. Publikum, Medienpolitik und eine Posse im Kino (Der Taumel)
- 4.8. Der Film als Buch (Grönland-Tagebuch)
- 5. Im Sprung über Prag – Figurationen von Raum und Zeit: Volkstanz, internationale Choreographie und Verlust der Körperkontrolle
- 5.1. Körperschrift, Figur und Performance des Tanzes
- 5.2. Folkloristische Massenauftritte und ein tönender Stepptanz auf der Treppe (Eine Schädigung)
- 5.3. Vom höfischen Schreittanz zum privaten Trampeltanz (Pavane für eine verstorbene Infantin)
- 5.4. Ethnische Tänze, Freudentänze und eine Quadrille der Literatur (Die Fassade)
- 5.5. Tanz – die perfekte Metapher der Transfiguration (Verklärte Nacht)
- 5.6. Die Welt anhalten: Vom Tanzen, vom Fallen und vom Schweben (Der Taumel)
- 6. Moníkovás Intermedialität im Kontext der Postmoderne
- Literaturverzeichnis
Helga G. Braunbeck, Prof. Dr., studierte Germanistik und Anglistik in Tübingen, Oregon und Kalifornien. Sie lehrt German Studies an der North Carolina State University in Raleigh (USA).
Leseprobe: 9783849812379.pdf
Mit ihrer Monographie [...] hat Helga G. Braunbeck [...] einen weiteren wichtigen Beitrag zur Moniková-Forschung vorgelegt, der auf die bisher nur ansatzweise untersuchte intermediale Dimension des literarischen Œuvres dieser bedeutenden Autorin tschechischer Herkunft fokussiert. [...] Insgesamt legt B. mit ihrer Monographie eine umfassende Studie zur Intermedialität in Monikovás Werk vor [...]. Besonders hervorzuheben ist auch der Mehrwert der Nachlass-Recherche [...]. [Braunbeck] liefert mit den erzielten Forschungsergebnissen dieser Publikation wertvolle Anregungen für die weitere Moniková-Forschung sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus kulturwissenschaftlicher Sicht.
Renata Cornejo in „Gegenwartsliteratur“ (Band 18; Jahrbuch 2019)
Das neue Buch von Helga Braunbeck ist ein Meilenstein der Forschung zur Prager Autorin Libusé Moníková, deren Bücher sicher zu den facettenreichsten und anspruchsvollsten im Kanon der deutschsprachigen Literatur zählen. [...] diese durchgängig überzeugende und wegweisende Studie [ist] sehr empfehlenswert. Sie richtet sich vorrangig aber nicht ausschließlich an Literaturwissenschaftler*innen. Trotz des komplexen Inhalts und der fachwissenschaftlichen Prägung sowie zahlreicher Termini technici aus den Literatur-, Medien- sowie Kulturwissenschaften handelt es sich um einen kurzweiligen und angenehm zu lesenden Text. Als besondere Pluspunkte der Studie sind u.a. die äußerst gründliche Recherche, die konsequente Systematik und Kategorisierung, die schöne Buchgestaltung [...] hervorzuheben. Diese Studie bietet dank der zahlreichen Informationen zu intertextuellen und intermedialen Verweisen sowie zu historischen und kulturgeschichtlichen Hintergründen einen Schlüssel, um sich eine weitere Dimension von Moníkovás OEuvre aufzuschließen.
Michaela Trenner-Haberkorn in „Monatshefte“ (Vol. 112, Nr. 1, 2020)
Von den Analysekategorien Werner Wolfs und Irina Rajewskys ausgehend, gelingt es Braunbeck die intermedialen Erzähltechniken Libuše Moníkovás in ihrer Komplexität darzulegen und an konkreten Textbeispielen überzeugend zu veranschaulichen. [...] Die vorgelegten Forschungsergebnisse eröffnen zweifelsohne einen neuen Blick auf M:s Werk, insbesondere aus der Sicht der Postmoderne, in der die Tendenz zur Intermedialität verstärkt eine Rolle spielt, und bieten nicht zuletzt weitere Anregungen für die Erforschung des literarischen Œuvres dieser bedeutenden Autorin tschechischer Provenienz.
Renata Cornejo in „Germanistik“ (2020/61, Heft 1-2)
