Kuderna, Michael: Rudi Dutschke und der Bombenkoffer
Artikel-Nr.: 978-3-8498-2080-0- Beschreibung
- Herstellerinformationen
- Daten
- Inhalt
- Autoreninfo
- Lese-/Hörprobe
- Aus der Kritik
- Werbeflyer
Studentenrevolte 1968: Rudi Dutschke, der charismatische Anführer des SDS, reist in Begleitung des Exil-Iraners Bahman Nirumand mit einer Bombe im Fluggepäck von Berlin nach Frankfurt. Von dort geht es mit dem Bombenkoffer weiter ins Saarland, wo Dutschke am Ende seiner Mission vom Liedermacher Franz Josef Degenhardt an einem Anschlag auf einen dortigen Rundfunkmast des US-amerikanischen Militärrundfunks (AFN) gehindert wird. Diese abenteuerliche Geschichte geistert seit Jahrzehnten durch die Presse sowie die Geschichtsschreibung zur 68er-Revolte und dient dabei immer wieder als Beleg für Dutschkes angebliche Gewaltbereitschaft.
Der Clou: Niemand hat je untersucht, ob die Geschichte sich auch wirklich so zugetragen haben kann. Michael Kuderna ist dem jetzt in akribischen Recherchen nachgegangen und legt – ebenso überzeugend wie unterhaltsam erzählt – stichhaltige Argumente dafür vor, dass es sich bei der vielzitierten Story wohl um einen Fake handelt. Er liefert damit zudem ein prägnantes Beispiel für die Gefahren unkritischer Rezeption und fehlender Quellenkritik – für die Medien wie für die historische Forschung.
Hersteller
Aisthesis VerlagOberntorwall 21
33602 Bielefeld (DE)
info@aisthesis.de
+49 521 172604
Michael Kuderna
Rudi Dutschke und der Bombenkoffer
Fake News aus der 68er-Revolte?
2025
ISBN 978-3-8498-2080-0
200 Seiten
kartoniert
- Vorbemerkungen
- 1. Einleitung
- 2. Die Bombenstory: Hochkomik mit beträchtlicher Reich- und Tragweite
- Die Ur- und einzige Quelle: Dutschkes Freund Bahman Nirumand
- Eine vagabundierende Bombe und ein gescheiterter Anschlag
- Der nicht existierende AFN-Sendemast im Saarland
- Dichtung oder Wahrheit – ist das überhaupt relevant?
- Das publizistische Echo
- Ein Dauerbrenner von Gewicht
- 3. Der Fakten-Check
- 3.1 Eine Vietnam-Demonstration mit Folgen
- Anti-Kriegs-Protest von Dutschke-Festnahme überschattet
- „Ordnungsfaktor“ Rudi Dutschke
- FBI beurteilt Dutschke milder als deutsche Gerichte
- Ein angeblicher Hilferuf der Behörden an Dutschke beschäftigt sogar den Landtag
- Die Frankfurter SPD zofft sich
- 3.2 Dutschkes gescheiterter Weg durch die Gerichts-Instanzen
- Ouvertüre: Beschwerde und Strafanzeige
- Die Auseinandersetzung verlagert sich zu den Verwaltungsgerichten
- 1. Instanz: Ein Nebenkriegsschauplatz sorgt für eine faustdicke Überraschung
- 2. Instanz: Der Verwaltungsgerichtshof kassiert das Frankfurter Urteil
- 3. Instanz: Das Vorgehen der Polizei wird „eingesegnet“
- Letzter Vorhang: Verfassungsbeschwerde läuft ins Leere
- Bilanz: Dutschkes juristischer Hürdenlauf blieb erfolglos
- Nachspiel: „Es ist mir ein Rätsel“ – warum geht es eigentlich?
- 3.3 Wer hat Dutschke weshalb und wohin begleitet?
- Der große Unbekannte oder Nirumands Identitätsklau
- Si tacuisses: Widersprüche, wohin man schaut
- Väterchen Franz unter „frankophilen Käselutschern“
- Der Liedermacher und der revolutionär gesinnte Aktivist
- Und der Koffer – wieder in Berlin?
- Ein Revolutionär reist niemals privat
- War der Aufbau illegaler Kader der Reisegrund?
- Ein militanter Begleiter
- „Wo Herr Dutschke eigentlich hinwollte, weiß ich nicht“
- 14 Tage zuvor: Dynamitstangen im Kinderwagen
- Und wieder: Verschiedene Versionen kreuzen sich
- 3.4 Dutschke: Heiliger, Getriebener, verhinderter Terrorist – oder von allem etwas?
- Der Abhauer wird zum Anführer
- Die Biografien
- Begriffsverwirrung: Militanz, symbolische Gewalt und andere definitorische Strohhalme
- „Man suggerierte sich spielerisch in den Ernstfall hinein“
- Dutschke will emigrieren, die USA wollen ihn aber nicht reinlassen
- Ein Freund hat mehr Glück
- Eine seltsame Melange: Visumsantrag und AFN-Anschlag?
- Dutschke in Trance – FBI sammelt Infos über den charismatischen Redner
- Selbst die US-Vertretung sieht Reformbedarf
- US-Behörden rätseln: Marxist, Maoist, Leninist, christlicher Sozialist, Anarchist, Castroist? Die Lösung: Idealist!
- 4. Fazit: Ein phantasievolles Gebräu aus wenigen realen und vielen gefakten Versatzstücken
- 5. Die Moral von der Geschichte – zwei Fragen und eine Lehre
- Autosuggestion oder gezielte Desinformation?
- Eine Mauer des Schweigens
- Die Wahrheit ist häufig langweiliger als die Fiktion
- Anhang
- Drei Versionen: Die Bomben-Story nach Nirumand
- Chronologie: Juristische Auseinandersetzung Rudi Dutschke gegen die Stadt Frankfurt
- Abkürzungsverzeichnis
- Quellen- und Literaturverzeichnis
- Bildnachweis
- Personenregister
- Geografisches Register
- Sachregister
Michael Kuderna, Dr. phil., hat in München Politik, Germanistik und Geschichte studiert. Er war jahrzehntelang als Journalist beim Saarländischen Rundfunk tätig, arbeitete für Agenturen und verschiedene Print-Medien und leitete lange Zeit die Landespressekonferenz Saar. Veröffentlichungen zu zeitgeschichtlichen Themen (Kultur, Medien, Politik, Naher und Mittlerer Osten).
www.michael-kuderna.de
Leseprobe: lp-9783849820800.pdf
Ein heißes Eisen packt der Bielefelder Aisthesis Verlag an und veröffentlicht mit „Rudi Dutschke und der Bombenkoffer“ ein Buch, das mit einer packenden Fake-News-Geschichte aus der Zeit der 68er-Revolte aufräumt, die seit Jahren durch die Geschichtsschreibung zur Studentenbewegung geistert und dabei immer wieder als Beleg für Dutschkes angebliche Gewaltbereitschaft herhalten muss. [...] Sehr lesens- und empfehlenswert, nicht nur für Studentenbewegte.
Stefan Brams in „Neue Westfälische“ (3.5.2025)
[...] Kudernas Studie ist auch als Appell zu verstehen, mit größtmöglicher Distanz an historische Ereignisse heranzugehen - auch dann, wenn es sich um scheinbar nebensächliche Details handelt.
Franz Josef Schäfer in „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ (73 / 2025)
Der [...] Band zerpflückt mit einer vorbildlichen, historisch-wissenschaftlichen und journalistischen Recherche eine Legende aus der '68er-Revolte'. [...] Michael Kuderna gelingt es, auf unterhaltsame, spannende und doch ernsthafte Weise sowohl die Methoden und Modelle einer Quellenkritik beispielhaft zu schildern als auch gleichzeitig auf die Gefahren einer unkritischen Rezeption hinzuweisen. [...]
Klaus Ludwig Helf in „OPUS. Das Kulturmagazin der Großregion“ (Juli/August 2025)
[...] Bei der kolportierten Episode handelt es sich um „reine Fiktion“ (S. 152). Warum, ist zu fragen, hat sich niemand genauere Gedanken darüber gemacht? [...] Die „Mauer des Schweigens“ (S.156) jedenfalls hat erst Michael Kuderna durchbrochen, viele Dinge zurechtrückend und ein Produkt der Phantasie endgültig in den Orkus der Geschichte stoßend.
Jens Fleming in „theologie.geschichte 20“ (2025)
Ein Lehrstück dazu, wie Journalismus nicht betrieben werden kann. Und ein Appell, es besser zu machen.
Lutz Lemhöfer in „Publik-Forum“ (19/2025)
Der Autor Michael Kuderna über sein Buch in FORUM. Das Wochenmagazin (17.10.2025): https://www.magazin-forum.de/de/fake-aus-der-analogen-zeit#article
Im Rotary Magazin ist Michael Kudernas „Rudi Dutsche und der Bombenkoffer“ Buch-Empfehlung des Monats (1.11.2025).
Dieses [Buch] hier gibt Einblicke in Denk- und Verhaltensmuster studentischer Aufrührer, nervöser Sicherheitskräfte und in die Psyche von Menschen, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. […] In [diesem Buch] wird eine teil-gescheiterte Recherche sorgsam dokumentiert. […]
Christian Knatz in „Echo-Zeitungen“ (Darmstadt, 14.11.2025)
Werbeflyer: 2080-kuderna-eflyer.pdf
