[E-Book] Paul, Ingwer: Lehrkunst
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1411-3Obwohl neueste Studien die zentrale Rolle der Lehrkraft für den Unterrichtserfolg belegen, wird in der Lehrerausbildung nach wie vor auf eine curriculare Verankerung der Lehrkunst verzichtet. Deren Entwicklung ist eine fächerübergreifende Aufgabe, das Fach Deutsch jedoch ist in besonderer Weise gefordert, die theoretischen und institutionellen Voraussetzungen für die Ausbildung sprachlicher und kommunikativer Kompetenzen zu schaffen. Ausgehend von der Frage nach dem Wissen und Können der Teilnehmer wird an der Schnittstelle von Transferlinguistik und Professionstheorie ein Verfahren entwickelt, mit dem einschlägige Reflexionsprozesse empirisch rekonstruiert und praktisch simuliert werden können. Die Rekonstruktion konkreter Unterrichtssequenzen soll dabei für kritische Punkte in der Reflexionsbiografie angehender Lehrkünstler sensibilisieren. Besonderes Augenmerk gilt der Unterscheidung von Lehre und Gespräch sowie der Qualität professionsbezogener Reflexion angesichts der ubiquitären Verwendung entsprechender Konzepte.
Ingwer Paul
Lehrkunst
Wie aus Gesprächsteilnehmern Lehrer werden
2019 [als Print-Ausgabe: 2018: ISBN 978-3-8498-1300-0]
ISBN 978-3-8498-1411-3
262 Seiten
E-Book (PDF-Datei), 7,5 MB
- Vorwort
- 1. Gegenstand und disziplinäre Einordnung
- 1.1 Auf der Suche nach einem systematischen Ort für die Lehrkunst
- 1.2 Schwierigkeiten im institutionellen Umgang mit der Lehrkunst
- 1.3 Disziplinäre Einordnung der Lehrkunst
- 1.3.1 Lehrkunst als fachspezifische Aufgabe
- 1.3.2 Lehrkunst als Gegenstand einer kulturwissenschaftlich begründeten Transferlinguistik
- 1.3.3 Interdisziplinäre Anforderungen an die Ausbildung zum Lehrkünstler
- 1.4 Arbeitsdefinition von „Lehrkunst“
- 1.5 Zum weiteren Vorgehen
- 2. Wissen und Können
- 2.1 Die Modellierung sprachlichen Wissens und Könnens
- 2.1.1 Kompetenztheoretische Überlegungen zum Wissen und Können
- 2.1.2 Knowing that und knowing how
- 2.1.3 Die Sprachkompetenz als „technisches Wissen“ (Coseriu)
- 2.1.4 Die Sprachkompetenz als implizites Wissen (Polanyi)
- 2.2 Die Modellierung des Wissens über Sprache
- 2.2.1 Die Konzeptualisierung des Sprachbewusstseins zwischen Sprachgefühl und Wissen über Sprache
- 2.2.2 Der „Sprachsinn“ des gebildeten Laien als Prototyp eines erfahrungsinduzierten Sprachbewusstseins (Gauger und Oesterreicher)
- 2.2.3 Konkurrierende Formen des Wissens über Sprache (Dieckmann)
- 2.3 Die Schnittstelle von Wissen und Können: Isomorphie von Transferlinguistik und Professionstheorie
- 3. Sprachdidaktische Modelle des Kompetenzerwerbs
- 3.1 Stilistik und Grammatik (Pfleiderer)
- 3.2 Grammatikunterricht als Wissenschaftspropädeutik (Eisenberg/Menzel)
- 3.3 Erfahrungsinduzierte und erfahrungsdistanzierte Reflexion als komplementäre Formen des Kompetenzerwerbs
- 4. Die Sonderrolle des Deutschunterrichts
- 4.1 Die Sprache als Medium, Gegenstand und Methode des Deutschunterrichts
- 4.1.1 Die Sprache als Medium und Gegenstand des Deutschunterrichts
- 4.1.2 Curriculare Anforderungen
- 4.1.3 Sprache als Methode des Deutschunterrichts
- 4.2 Lernziel Kommunikation und kommunikative Deutschdidaktik
- 4.3 Plädoyer für eine kulturwissenschaftlich fundierte Sprachdidaktik
- 5. Das Kommunikationswissen der Teilnehmer
- 5.1 Sprachliche und kommunikative Kompetenz
- 5.2 Idealisierungen der Teilnehmer
- 5.2.1 Notwendige Idealisierungen der Teilnehmer
- 5.2.2 Normative Idealisierungen der Teilnehmer
- 5.3 Rekonstruktive und normative Perspektive auf die kommunikative Kompetenz
- 5.4 Die Historizität und Relativität von Gesprächsidealen
- 6. Das Reflexionspotential der Teilnehmer
- 6.1 Reflexionsmodus und Reflexionsprodukt bedingen sich gegenseitig
- 6.2 Reflexivität: Entwicklung und Funktion des impliziten Wissens
- 6.3 Praktische und diskursive Reflexion
- 6.4 Das Profil praktischer Reflexion
- 6.4.1 Der erste Widerstand: das Rattern der Konversationsmaschine
- 6.4.2 Der zweite Widerstand: die Epoché der natürlichen Einstellung
- 6.4.3 Der dritte Widerstand: „wahre Meinung“ und „gesichertes Wissen“
- 7. Lehre und Gespräch
- 7.1 Lehre und Gespräch
- 7.1.1 Merkmale des Gesprächs
- 7.1.2 Merkmale der Lehre
- 7.1.3 Ausprägungen von Lehre und Gespräch im real existierenden Unterricht
- 7.2 Die normative Modellierung der Lehrkunst
- 7.2.1 Normative Anforderungen an guten Unterricht
- 7.2.2 Kritik an einer normativen Modellierung der Lehrkunst
- 7.3 Eigenschaften der naturwüchsigen Gesprächskompetenz
- 8. Leitbilder der Lehrkunst
- 8.1 Das Leitbild des Reflektierenden Praktikers
- 8.2 Das Leitbild des professionellen Denkstils
- 9. Methodologische Überlegungen
- 9.1 Lehrkunst ist lernbar, nicht lehrbar
- 9.1.1 Vom Können zum Wissen
- 9.1.2 Vom Wissen zum Können
- 9.2 Simulation – Rekonstruktion – Reflexion
- 9.2.1 Simulation
- 9.2.2 Rekonstruktion
- 9.2.3 Reflexion
- 10. Unterricht als reflektierte Interaktion
- 10.1 Sedimentiertes Wissen über Unterricht
- Beispiel 1: Abfragen und Debattieren
- Beispiel 2: „Fürtreffeliche Bildung“ und „Verbeßerte Erziehung“
- Beispiel 3: Die naturwüchsige Lehr-Lern-Situation als pädagogisches Ideal
- Beispiel 4: Der Unterrichtsraum
- Beispiel 5: Die körperliche Präsenz der Schüler
- 10.2 Das Praktische Reflexionspotential
- Beispiel 1: „das machen wir jetzt nochmal“
- Beispiel 2: „ihr kennt ja die lehrer“
- Beispiel 3: „wir könn loslegen“
- Beispiel 4: „aha: (.) es wird leise, (.) wunderba:r“
- 10.3 Vom reflektierten Umgang mit der Konversationsmaschine
- Beispiel 1: „eins zwei:: drei“
- Beispiel 2: „auf LOS gehts LOS wir FA:NGen AN“
- Beispiel 3: „DA is meine hand“
- 10.4 Die reflexive Bearbeitung struktureller Probleme
- Beispiel 1: „da komm=wa später drauf“
- Beispiel 2: „bitte stell dich HINter DEInen STUHL“
- Beispiel 3: „das is ja direkt n klopper“
- 10. 5 Die Notwendigkeit auferlegter Reflexionsauslöser
- Beispiel 1 „man muss sich die eigene Meinung bilden“
- Beispiel 2: „hört sich das gut an“
- Beispiel 3: „du hast Überhaupt nicht zugehört“
- 10. 6 Die Aktualität des sokratischen Dialogs
- 10.6.1 Sokrates als Hebamme
- 10.6.2 Platon/Sokrates als „Reflektierender Praktiker“
- 10.6.3 Sokrates als Marmelzitterrochen
- 10.6.4 Zur Aktualität der sokratischen Methode
- Anmerkungen zu den Transkriptionen
- Literaturverzeichnis
- Sachregister
- Namensregister
Deutschlehrer und Sprachwissenschaftler. Promotion und Habilitation am Fachbereich Germanistik der FU Berlin. Seit 2004 Professor für Mediendidaktik mit germanistisch-linguistischem Schwerpunkt an der Universität Bielefeld. Von 2011-2015 Direktor der Bielefeld School of Education.
Leseprobe: lp-9783849813000.pdf
