Achelpöhler, Fritz: König – Kirche – Ravensberg
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1876-0Die Zeit nach Napoleon gilt gemeinhin als eine Epoche der „Restauration“. Doch die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. verfolgte autoritäre Politik traf auch in Ravensberg auf den Widerspruch demokratisch gesinnter Menschen. Der Widerspruch wurde unter polizeilicher Verfolgung zum Widerstand, überliefert u.a. in Prozessakten. Diese dokumentieren demokratische Überzeugungen und Vorschläge, Spott über Monarchen, kämpferische Lyrik und nicht zuletzt, wie sich diese Widersprüche im staatlichen Machtapparat und in der evangelischen Kirche selbst widerspiegelten. Damit leistet das Buch einen Beitrag zu unserer Demokratiegeschichte und zeigt, wie auch in Ravensberg eine demokratische politische Öffentlichkeit entstand, die 1848 und 1918 wirkmächtig wurde und bis heute zu unserem politischen Fundament gehört.
Fritz Achelpöhler
König – Kirche – Ravensberg
Die Errichtung der autoritären Monarchie Friedrich Wilhelms III. im preußischen Staat und in der evangelischen Kirche
Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Band 103
2023
ISBN 978-3-8498-1876-0
272 Seiten, Abb.
kartoniert
- Vorwort
- Einleitung
- 1. 300 Jahre Reformation – Missmut des Innenministers über Protestanten 30.06.1817
- 2. Theodor Anton Heinrich Schmalz über geheime politische Vereine
- 2.1 Joseph Görres im „Rheinischen Merkur“
- 2.2 Friedrich Schleiermacher, 22.10.1815 in der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin
- 2.3 Niebuhr und Genossen – die Wiederkehr der Jakobinerfurcht nach einer Eingabe
- 3. Preußens neue Westgebiete: Rheinland und Westfalen
- 4. „Republikanische Verfassung“ oder „landesherrliches Kirchenregiment?“
- 4.1 Kirchliche Verfassung betreffend – mit Bezug auf die Grafschaft Ravensberg 1815
- 4.2 Die Anordnung der Kreissynoden am 24.01.1817
- 4.3 Die Ravensberger Synodalversammlung in Bielefeld am 11./12.11.1817
- 4.4 Die Aufgliederung der Ravensberger Synode 1818
- 4.5 Westfälische Provinzialsynode in Lippstadt 1.-12.09.1819
- 4.6 Agende und Synodalverfassung: Union der protestantischen Kirchen als autoritäre Übernahme
- 4.7 Die „Freimüthige Erklärung“ der Gemeinde Hörste
- 5. Sieben Oberpräsidenten und der Revolutionsverdacht des Monarchen
- 5.1 Die erste Verhaftungswelle am 14.07.1819
- 5.2 Schmalz im Verhör: Faktenkontrolle
- 5.3 Ausnahmerecht
- 5.4 Die 2. Verhaftungswelle nach einem Auflauf in Halle am 16.12.1823
- 5.5 Demokratische Entwicklung oder Hochverrat?
- 5.6 Eine deutsche Verfassung, zusammengestellt aus Gerichtsakten
- 5.7 Das Echo der Verhaftung des Bielefelder Lehrers Dr. Heinrich Clemen
- 5.8 „Demagogen“ statt Demokraten: Die Steckbriefsprache der politischen Polizei und die Stigmatisierung des Demokratischen
- 6. Ernst Wilhelm Hengstenberg: Neupietismus gegen Demokratie und Rechtsstaat
- 6.1 Hengstenberg in Ravensberg
- 6.2 Manipulation einer Entscheidung des Monarchen im Zivilkabinett zur Besetzung einer Ravensberger Pfarrstelle
- 7. Die Selbständigkeit der Evangelischen Kirche Ravensbergs gemäß Kirchenordnung im autoritären Staat – Presbyterium und Kreissynode als Institutionen seit 1835
- 7.1 Scherrs Verzicht auf die Wiederwahl als Superintendent
- 7.2 Eigenständige Positionen der Kreissynode Bielefeld
- 7.2.1 Zur konfessionellen Vielfalt im Kölner Kirchenstreit 1838
- 7.2.2 Toleranz, das Verhältnis zu den Juden und der Pauperismus 1844
- 8. Außerhalb der Kreissynode – mitten aus der Stadt: Scherr, Ueber Kleinkinderschulen 1839
- 9. Kontroverse im Staatsministerium (1834-1839) um Verschärfung der staatlichen Kontrolle
- Exkurs: Staatliche Überwachung und pädagogisches Profil: Die Bielefelder höhere Mädchenschule, gegründet 1828, in den Jahren 1838-1860
- 10. Die 3. Verfolgungswelle – Das Kammergericht als Sondergericht für alle politischen Straftaten. Hermann Lüning im Lesekränzchen und in der „Gesellschaft der Volksfreunde“
- 10.1 Die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ im ersten Quartal 1834
- 10.2 Greifswalder Burschenschaft als Studentenrepublik
- 10.3 Gesinnung im Verhör 25.12.1837 bis 19.02.1838 Hausvogtei Berlin, in Haft bis 15.08.1840 auf der Festung Silberberg
- 11. Hermann Lünings Rückkehr in die Freiheit
- 11.1 Hegel, Jean Paul und „revolutionäre[] communistische[] Lektüre“
- 11.2 Hermann Lünings Rückkehr in polizeilichen Verdacht
- 11.3 Hermann Lünings freies Wort in der politischen Bewegung Westfalens der 1840er Jahre
- 11.4 Hermann Lüning – Naturfreund und Sozialreporter. Die Lage der Weber und Spinner im Ravensbergischen
- 12. Otto Lüning: „Das Westphälische Dampfboot“, der Kommunismus und die Emanzipation der Frau
- 12.1 „Das Wort Kommunist bietet Gelegenheit zu einem wohlfeilen Witze“
- 12.2 Emanzipation – „eine Kategorie wie der politische Freiheitstraum“
- 13. Otto Lünings „Schmähgedicht“ über den deutschen Bund und „Majestätsverbrechen“
- 14. Beginn der gerichtlichen Untersuchung in Rheda
- 15. Nächtlicher Tumult, Wirtshausgespräche und Hochverratsverdacht
- 16. Urteil des OLG Paderborn in 1. Instanz am 26.11.1845: Politischer Prozess – politischer Tendenzprozess – die Staatsverwaltung als Partei
- 17. Otto Lünings Gedicht über den deutschen Bund im Urteil des OLG Paderborn der 2. Instanz am 05.07.1846. Wirkungen eines Freispruchs
- 17.1 Plädoyer des Rechtsanwalts: Otto Lüning im „Tendenzprozess“
- 17.2 Historisch-kritisches Referat und die Freiheit des Dichters
- 17.3. Die Freiheit des Dichters nach den Regeln der Poetik und der Vorsatz einer strafbaren Handlung
- 18. Wirkungen der beiden Urteile über Otto Lüning hinaus
- 18.1 Urteilskritik des Innenministers
- 18.2 Kritik der Urteilsgründe durch den Justizminister
- 19. Die Erwiderung der Richter aus Paderborn
- 19.1 „Erkenntnisse einer schönen Seele“ oder „Majestätsbeleidigung“?
- 19.2 „Politische Erörterungen“ des Gerichts – Justiz und Politik
- 19.3 Verspottung der Anordnungen im Staate und der deutschen Bundesverfassung durch das Gedicht
- 19.4 Schmähung des Deutschen Bundes – Polizeiliche Logik oder Prinzipien des Rechtsstaats?
- 19.5 Auswertung der Berichte aus Paderborn durch den Justizminister
- 20. Das Kammergericht zur Ministerkritik und zur Richterantwort
- 21. Interner und öffentlicher Abschluss der Diskussion um die Urteilsgründe
- 22. Otto Lüning und seine Richter: Freispruch vom Revolutionsverdacht durch „Revolution“ der Richter? .....
- 23. Epilog
- 24. Karten
- 24.1 Die im Buch genannten ostwestfälischen Orte im Regierungsbezirk Minden 1848
- 24.2 Der Deutsche Bund 1815-1866 mit einem Hinweis auf die Grafschaft Ravensberg
- Anmerkungen
- Quellen und Literatur
- Siglen
- Archivalien
- Quellen und Literatur
- Verzeichnis der Namen
Fritz Achelpöhler, geboren 1937 in Herford, nach Abitur am Ratsgymnasium Minden 1956 bis 1962 Studium der Geschichte und Philologie in Freiburg i. Br. und Göttingen, Studium der Sozialwissenschaften in Bielefeld 1971 bis 1973. Von 1964 bis 2001 Gymnasiallehrer in Bielefeld, 1988-2001 als Leiter des Gymnasiums am Waldhof. Lange Jahre ehrenamtlich in der Evangelischen Kirche und kommunalpolitisch tätig. Veröffentlichungen: Beiträge zu schul- und kirchengeschichtlichen Themen; letzte Buchveröffentlichung: Mädchen. Schule. Zeitgeschichte. Eine Zeitreise mit Bielefelder Schülerinnen in die Jahre 1828 bis 1996, Bielefeld: Aisthesis Verlag 2014.
Leseprobe: lp-9783849818760.pdf
Ein Stück Bielefelder Demokratiehistorie: [...] Herausgekommen ist eine Studie, die hohen wissenschaftlichen Anforderungen genügt. [...] In seinem Buch zeigt [Achelpöhler] auf, wie sich im Ravensberger Land und in Ostwestfalen erste demokratische Strömungen entwickeln konnten. [...]
Michael Schläger in „Neue Westfälische“ (24.10.2023)
Wenn es um Widerstand gegen eine autoritäre Politik und die Durchsetzung demokratischer Strukturen geht, dann hat auch die Grafschaft Ravensberg mit ihrer Metropole Bielefeld ihren Beitrag dazu entrichtet. Detailreich wird dies in einer neuen Publikation von Fritz Achelpöhler deutlich. [...]
Aus „Westfalen-Blatt“ (30.10.2023)
Vorliegendes Werk entfernt sich vom Narrativ preußischer Hofgeschichtsschreibung und ihres kirchenhistorischen Wurmfortsatzes, wonach es sich bei der Epoche zwischen 1815 und Vormärz um eine Zeit der Restauration gehandelt habe und bei der „Erweckung“ um eine segensreich wirkende Frömmigkeitsrichtung. [...] Nach der Lektüre dieser quellenbasierten Darstellung fällt es schwer, Begriffe wie „Restauration“, „Demagogenverfolgung“ oder „Erweckungsbewegung“ ohne Anführungsstriche zu gebrauchen. Sie bietet ein exemplarisches Lehrstück über die Feinde der offenen Gesellschaft, der politischen Teilhabe, der Rechtssicherheit, der Freiheit und der Demokratie [...].
Frank Stückemann in „Das Achtzehnte Jahrhundert“ (Jg. 47, Heft 2, 2023)
Kirchengeschichte muss stets im Kontext der säkularen Geschichte betrachtet werden. Das gilt auch für das 19. Jahrhundert in Deutschland, für die Zeit der sogenannten Restauration. Dass damals jedoch nicht nur alte Verhältnisse aus vor-napoleonischer Zeit wiederhergestellt („restauriert“), sondern neuartige autoritäre Strukturen geschaffen wurden und diese sich auch auf die Kirchen auswirkten, weist Fritz Achelpöhler in seinem Buch „König – Kirche – Ravensberg“ nach. Anhand verschiedener Beispiele schildert der Autor die Folgen der Errichtung der autoritären Monarchie Friedrich Wilhelm III. für den Staat, die Gesellschaft und die Kirche in Preußen. […] Mit seinen umfassenden Quellenforschungen hat Achelpöhler eine wichtige Publikation zur Demokratie- und (regionalen) Kirchengeschichte vorgelegt.
Hei in „Unsere Kirche“ (3.12.2023)
[…] Achelpöhler [ist] eine überaus wertvolle, kenntnisreiche Detailstudie geglückt, die sich intensiver Quellenlektüre verdankt und die sich gut und spannend lesen lässt. [...] Wer sich für die Geschichte Minden-Ravensbergs im Vormärz interessiert, findet in Achelpöhlers Buch eine Unmenge an Informationen und Quellenstücken, er lernt zudem eine Reihe interessanter Persönlichkeiten kennen und kann Anteil nehmen an ihrem menschlich oft anrührenden Schicksal. Dass das Buch mit Verzeichnissen, zwei Karten, vielen Abbildungen im Text und Namensregister handwerklich solide gemacht ist, versteht sich beim Aisthesis Verlag von selbst.
Hermann-Peter Eberlein in „Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte“ (Band 120, 2024)
Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Band 103
Werbeflyer: 1876-achelpoehler-eflyer.pdf
