Klotz, Volker: Venus Maria
Artikel-Nr.: 978-3-89528-247-8
Verwandlung von Frau zu Statue, von Statue zu Frau: ein faszinierendes Sujet, das in seiner Vielfalt und langen Lebensdauer bisher kaum beachtet wurde. Volker Klotz hat es aufgestöbert und durch etliche Jahrhunderte verfolgt, besonders einläßlich seit der Romantik. Und zwar durch mehrere Literaturen: lateinische, deutschsprachige, französische, spanische, portugiesische und mexikanische. Verwandlung von Frau zu Statue, von Statue zu Frau: ein solcher Vorfall scheint von vornherein wie geschaffen für novellistisches Erzählen. Als unerhörte Begebenheit, das lag nur nah, mußte er sich früher oder später der einschlägigen literarischen Gattung geradezu aufdrängen. Wie sich die Novellistik dieses Sujets bemächtigt, und was sie von Fall zu Fall daraus macht, mutet allerdings merkwürdig an. Merkwürdig spät geschieht es; dann freilich um so jäher, explosiver und nachhaltiger, als sei es bislang gewaltsam unterdrückt worden. Aber auch merkwürdig zugespitzt geschieht es, wenn man bedenkt, daß all die Autoren - von Eichendorff bis Fuentes die Spannweite des Sujets einengen zu einem fragwürdig quasi-religiösen Wundergeschehen. Und wenn man vollends bedenkt, daß sie dabei die Hauptrolle dieses Geschehens fast ausnahmslos entweder mit Venus oder mit Maria besetzen. Die Verwandlung erfolgt also alternativ, an der antiken Liebesgöttin oder durch sie oder an der katholischen Gottesmutter oder durch sie. Einzig Fuentes besetzt die Statuenrolle mit einem männlichen Gott, mit Chac Mool, dem Regengott der Maya.
| Daten |
Volker Klotz Venus Maria Auflebende Frauenstatuen in der Novellistik 2., unveränderte Auflage 2010 262 Seiten kartoniert ISBN 978-3-89528-247-8 |
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| Autoreninfo |
Volker Klotz, Professor für Literaturwissenschaft, Theaterkritiker, Dramaturg, lebt in Stuttgart und Wien. Autor zahlreicher Standardwerke zu Dramatik und Romanliteratur, Kunstmärchen und Operette; bei Aisthesis sind erschienen: Radikaldramatik. Szenische Vor-Avantgarde: Von Holberg zu Nestroy, von Kleist zu Grabbe (1996) und Mephistos Himmelfahrt. Parodistische Operette nach ‚Lä-Haut!‘ von Maurice Yvain« (1999), Verskunst. Was ist, was kann ein lyrisches Gedicht? (2011) |
| Aus der Kritik |
Klotz [...] arbeitet eng am jeweiligen Text und bringt überzeugende Mikroanalysen hervor. Die Stärken den Buchs liegen außerdem in den Beobachtungen zur Erzählstruktur [...]. Klotz erreicht es [...] durch seinen lebendigen Stil, daß man sich für die von ihm vorgestellten Texte interessiert, selbst eine Novelle wie „Der Gehenkte“ von Eca de Queiróz [...] möchte man anschließend gerne lesen. |