Demanou, René: Das kulturelle Gedächtnis der Kolonialvergangenheit im globalen Kontext
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1519-6Obwohl der Kolonialismus offiziell beendet wurde, prägt sein Erbe insofern weiterhin unser Alltagsleben, als es gegenwärtige globalisierte Verhältnisse in und zwischen den Kulturräumen in manchen Hinsichten beeinflusst und strukturiert. Untersucht wird in diesem Buch, wie literarische Texte die Vielfalt der Diskurse reflektieren und problematisieren, mit denen die Kolonialvergangenheit wahrgenommen und verhandelt wird. Dabei wird die Beschäftigung mit der literarischen Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit über den Postkolonialismus hinaus um weitere Analyseparadigmen wie den Afropolitanismus und die Multidirektionalität des Gedächtnisses erweitert, um ein neues Konzept in der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung einzuführen: das rhizomatische Gedächtnis.
René Demanou
Das kulturelle Gedächtnis der Kolonialvergangenheit im globalen Kontext
Betrachtungen zur deutschen und afrikanischen frankophonen Gegenwartsliteratur
Postkoloniale Studien in der Germanistik Band 11
2020
ISBN 978-3-8498-1519-6
276 Seiten
kartoniert
- 1. Einleitung
- 1.1. Gegenstand und Problemstellung
- 1.2. Forschungsüberblick und Zielsetzung
- 1.3. Forschungsfragen und Arbeitshypothesen
- 1.4. Theoretische und methodologische Konzeption
- 1.5. Forschungsgrundlage
- 1.5.1. Der Untersuchungsraum
- 1.5.2. Thematische und gattungsspezifische Gründe
- 1.6. Aufbau der Arbeit
- 2. Kolonialvergangenheit, Postkolonialismus, Afropolitanismus und danach: aktuelle theoretische Betrachtungen über die Kolonialvergangenheit
- 2.1. Die Kolonialvergangenheit: ein Definitionsversuch
- 2.2. Über ein kulturelles Gedächtnis der Kolonialvergangenheit
- 2.2.1. Jan und Aleida Assmanns Begriff des kulturellen Gedächtnisses
- 2.2.2. Begriffe des kulturellen Gedächtnisses nach der transkulturellen Wende in der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung
- 2.2.3. Fazit
- 2.3. Der Postkolonialismus und die Kolonialvergangenheit
- 2.3.1. Zur Aktualität und Relevanz des Postkolonialismus
- 2.3.2. Postkoloniale Elemente des kulturellen Gedächtnisses der Kolonialvergangenheit
- 2.4. Der Afropolitanismus und die koloniale Frage
- 2.4.1. Zur Relevanz des Afropolitanismus für das kulturelle Gedächtnis der Kolonialvergangenheit
- 2.4.2 Afropolitanische Elemente des kulturellen Gedächtnisses der Kolonialvergangenheit
- 2.5. Über den Postkolonialismus und Afropolitanismus hinaus: die multidirektionale Dimension des kulturellen Gedächtnisses der Kolonialvergangenheit
- 2.5.1. Zum Inhalt des multidirektionalen Gedächtnisses
- 2.5.2. Zur Relevanz des multidirektionalen Gedächtnisses für das kulturelle Gedächtnis der Kolonialvergangenheit
- 2.6. Zur literarischen Inszenierung des kulturellen Gedächtnisses der Kolonialvergangenheit
- 2.6.1. Die Literatur als Medium des kulturellen Gedächtnisses
- 2.6.2. Literarische Verfahren zur Darstellung des kulturellen Gedächtnisses der Kolonialvergangenheit
- 3. Zur postkolonialen Relektüre der Kolonialvergangenheit: Alex Capus’ Eine Frage der Zeit, Patrice Nganangs Mont Plaisant und Bernhard Jaumanns Der lange Schatten
- 3.1. Alex Capus’ Eine Frage der Zeit oder die postkoloniale Metapher des Untergangs des deutschen Kolonialreichs
- 3.1.1. Zur Problematik der Kolonialvergangenheit bei Capus und zum Forschungsstand
- 3.1.2. Historische Zusammenhänge
- 3.1.3. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Capus’ Eine Frage der Zeit
- 3.1.4. Elemente der postkolonialen Relektüre der Kolonialvergangenheit in Capus’ Eine Frage der Zeit: Textualisierungsverfahren und diskursive Tragweite
- 3.1.4.1. Zur paratextuellen Gestaltung des Romans oder die Metapher für das kommende Scheitern der imperialen Ambitionen der Deutschen
- 3.1.4.2. Zur Symbolik des Schauplatzes und der erzählten Zeit oder die doppelte Metaphorik des kolonialen Scheiterns
- 3.1.4.3. Zur Figurenauswahl als Mittel der Kritik am kolonialen System und Denken
- 3.1.4.4. Zwischen Kolonialismuskritik und postkolonialer ideologiekritischer Relektüre: Zu den inszenierten Gedächtnismotivkomplexen
- 3.1.4.5. Zum Erzählerdiskurs als Dekonstruktion kolonialer Vorstellungen
- 3.1.5. Kontextualisierung und Eigenständigkeit von Capus’ Eine Frage der Zeit
- 3.2. Patrice Nganangs Mont Plaisant oder das postkoloniale Manifest für eine neue Geschichtsschreibung der Kolonialvergangenheit
- 3.2.1. Mont Plaisant im Gesamtkontext Nganangs Werk und Forschungsstand
- 3.2.2. Historische Zusammenhänge
- 3.2.3. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Nganangs Mont Plaisant
- 3.2.4. Elemente der postkolonialen Relektüre der Kolonialvergangenheit in Nganangs Mont Plaisant: Darstellungsverfahren und diskursive Tragweite
- 3.2.4.1. Zur paratextuellen Gestaltung des Romans als Beitrag zu einer postkolonialen Geschichtsschreibung
- 3.2.4.2. Postkoloniale Aspekte des Handlungsortes und der erzählten Zeit
- 3.2.4.3. Zur Figurenkonstellation oder jenseits der kolonialen Archive
- 3.2.4.4. Jenseits des Radikalismus oder zur Symbolik der inszenierten Gedächtnismotivkomplexe
- 3.2.4.5. Zum Erzählerdiskurs als postkoloniales ‚remaping und rewriting‘ der Kolonialvergangenheit
- 3.2.5. Kontextualisierung und Eigenständigkeit Nganangs Mont Plaisant
- 3.3. Zur postkolonialen Erinnerungspoetik in Jaumanns Der lange Schatten
- 3.3.1. Zur Problematik der Vergangenheitsbearbeitung in Jaumanns Werk und zum Forschungsstand
- 3.3.2. Historische und soziale Kontexte
- 3.3.3. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Bernhard Jaumanns Der lange Schatten
- 3.3.4. Zur postkolonialen Erinnerungspoetik: Darstellungsverfahren und diskursive Tragweite
- 3.3.4.1. Zum Titel und Handlungshintergrund oder worin der lange Schatten besteht
- 3.3.4.2. Zur Figurenauswahl und -konstellation zwischen individueller Schuld, Erpressung und politischem Kalkül
- 3.3.4.3. Zu den inszenierten Motivkomplexen als Reparations- und Wiedergutmachungsstrategien
- 3.3.5. Kontextualisierung und Eigenständigkeit Jaumanns Der lange Schatten
- 4. Zu den afropolitanischen und multidirektionalen Relektüren der Kolonialvergangenheit: Werewere Likings La mémoire amputée, Léonora Mianos Crépuscule du tourment und Buchs Kain und Abel in Afrika
- 4.1. Werewere Likings La mémoire amputée oder die Ästhetik der Gedächtniswiederaneignung
- 4.1.1. Zur Problematik des Gedächtnisses in Werewere Likings Schreiben und zum Forschungsstand
- 4.1.2. Historische Zusammenhänge
- 4.1.3. Soziale Zusammenhänge
- 4.1.4. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Werewere Likings La mémoire amputée
- 4.1.5. Elemente der afropolitanischen Auseinandersetzung mit der Kolonialvergangenheit: Verfahren der Textualisierung und diskursive Tragweite
- 4.1.5.1. Zum deskriptiven Verfahren: Die paratextuelle Gestaltung und der Romanhintergrund oder warum das Gedächtnis amputiert ist
- 4.1.5.2. Zum reflektierenden Verfahren: Die Symbolik der inszenierten Gedächtnismotivkomplexe oder wer bzw. was für die Amputation des Gedächtnisses verantwortlich ist
- 4.1.5.3. Zum präskriptiven Verfahren: die erzählte Zeit, die Figurencharakterisierung und der Erzählerdiskurs oder wie das amputierte Gedächtnis rekonstruiert werden kann
- 4.2. Léonora Mianos Crépuscule du tourment oder das Gebot der afropolitanischen Gedächtnisverantwortung
- 4.2.1. Zur Problematik des Gedächtnisses im Gesamtkontext von Mianos Werk
- 4.2.2. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Mianos Crépuscule du tourment
- 4.2.3. Formen und Funktionen der afropolitanischen Relektüre der Kolonialvergangenheit
- 4.2.3.1. Zur paratextuellen Gestaltung und zum Kontext des Romans oder wie die Qual des Gedächtnisses entsteht
- 4.2.3.2. Zu einer afropolitanischen Figurenkonstellation
- 4.2.3.3. Zur erzählten Zeit oder die Hermeneutik des afropolitanischen Verantwortungsdiskurses
- 4.2.3.4. Zur inszenierten Motivkette als Ode an den afropolitanischen Verantwortungsdiskurs
- 4.2.3.5. Zu den afropolitanischen Elementen der Gedächtnisbildung im Erzählerdiskurs
- 4.2.4. Kontextualisierung und Eigenständigkeit Likings La mémoire amputée und Mianos Crépuscule du tourment
- 4.3. Zur multidirektionalen Relektüre der Kolonialvergangenheit: Buchs Kain und Abel in Afrika
- 4.3.1. Buch und die Problematik der Vergangenheitsbearbeitung
- 4.3.2. Forschungsstand
- 4.3.3. Historische und soziale Zusammenhänge
- 4.3.4. Gedächtnistopographien der Kolonialvergangenheit in Buchs Kain und Abel in Afrika
- 4.3.5. Formen und Funktionen der multidirektionalen Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit
- 4.3.5.1. Zum Titel und zur erzählten Zeit oder wie die Dämonen der Kolonialzeit die postkoloniale Gegenwart prägen
- 4.3.5.2. Zur entwickelten Motivkette als Mittel für eine multidirektionale Bearbeitung der Kolonialvergangenheit
- 4.3.5.3. Zum Erzählerdiskurs oder wie die Erinnerungen an den Kolonialismus und den Genozid gemeinsam verhandelt werden können
- 4.3.6. Kontextualisierung und Eigenständigkeit Buchs Kain und Abel in Afrika
- 5. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Über literarische Betrachtungen hinaus: Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven der literarischen Gedächtnisarbeit an der Kolonialvergangenheit
- 5.1. Forschungsergebnisse
- 5.2. Möglichkeiten der literarischen Gedächtnisarbeit an der Kolonialvergangenheit
- 5.3. Eigenständigkeit und Grenzen der literarischen Gedächtnisarbeit an der Kolonialvergangenheit
- 5.4. Methodische Perspektiven der literarischen Gedächtnisarbeit an der Kolonialvergangenheit und Desiderata: Über ein rhizomatisches Gedächtnis
- 6. Literaturverzeichnis
- 6.1. Primärliteratur
- 6.2. Forschungsliteratur
- 6.3. Internetseiten
René Demanou, Jahrgang 1990, Berater und Trainer für interkulturelle und entwicklungspolitische Bildung, Studium der Germanistik und Pädagogik an der Universität Yaoundé I und an der École Normale Supérieure de Yaoundé (Kamerun), Promotion in den Kulturwissenschaften am ›International Graduate Centre for the Study of Culture‹ (GCSC) an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Leseprobe: lp-9783849815196.pdf
[...] Demanou's book makes an important contribution to the study of postcolonial German literature that is commendable both for the scope of literary texts it examines and for the way it bridges multiple theoretical approaches to find new ways to consider the legacies of colonialism. [The book's] deep familiarity with postcolonial fiction and in solid grounding in postcolonial critical thought will prove a valuable resource for students of postcolonial literatures and theory alike.
Daniel P. Reynolds in „Gegenwartsliteratur“ (Bd. 20/2021)
Postkoloniale Studien in der Germanistik Band 11
