70 Jahre nach seiner Entstehung ist der erste Roman der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) erschienen. Er heißt «Die Denunziantin» und wird von der Publizistin Kristina Stella und dem Aisthesis-Verlag (Bielefeld) herausgegeben, wie der Verlag am Freitag in Neubrandenburg mitteilte. In der DDR-Zeit durfte der Roman nicht erscheinen. Das Manuskript galt lange als verschollen. Es wurde von Stella im Reimann-Nachlass im Literaturarchiv in Neubrandenburg entdeckt. [...]
FAZ.net (28.10.2022)
Zum vollständigen Beitrag: https://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/verschollener-roman-von-brigitte-reimann-erschienen-18420052.html?GEPC=s5
[...] Das Buch fehlte bisher in den Bibliotheken, in den Regalen der unzähligen Leserinnen und Leser, die die 1973 gestorbene Autorin bis heute für ihre Tagebücher und für „Franziska Linkerhand“ verehren. [...] Es ist ein Ereignis für alle, die immer noch mehr über diese Autorin erfahren wollen. [...]
Cornelia Geissler in „Berliner Zeitung“ (29./30.10.2022)
Hier erfährt man aus zeitgenössischer Perspektive etwas über Jugendliebe und Schulalltag in der frühen DDR und die angespannte gesellschaftliche Atmosphäre vor dem Mauerbau. [...] Brigitte Reimann schlägt sich mit Fragen herum, die später in ihrem Werk wiederkehren und verblüffend heutig erscheinen: Wie geht man mit Meinungen um, die einem nicht passen? Darf man einen Menschen ins Unglück stürzen, weil er politisch anders denkt? Wann schlägt die eigene Überzeugung in Fanatismus um?
Karin Großmann in „Sächsische Zeitung“ (02.11.2020)
Erst jetzt, 70 Jahre später, hat die Publizistin Kristina Stella die Urfassung, „Reimanns Lieblingsfassung“ in einem sorgfältig kommentierten Band herausgegeben. [...] das Buch bietet auch heute noch erkenntnisreiche Einblicke in die Geschichte und den Literaturbetrieb der frühen DDR.
Frank Wilhelm in „Nordkurier“ (28.10.2022)
„Die Denunziantin“ eröffnet die fast verloren geglaubte Chance, noch einmal einen bislang unbekannten und unverstellten literarischen Blick aus Brigitte Reimanns eigener Sicht zu bekommen.
(red) in Hoyerswerdaer Tageblatt (28.10.2022)
Gespräch mit Kristina Stella im „Deutschlandfunk-Büchermarkt“ vom 08.11.2022: https://www.deutschlandfunk.de/brigitte-reimann-die-denunziantin-gespraech-mit-kristina-stella-dlf-a9ed4418-100.html
[...] ein einzigartiges biographisches Zeugnis.
Tilman Spreckelsen in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Beilage Literatur, 26.11.2022)
In diesem Erstlingswerk steckt etwas, das beim Lesen tief bewegt, gerade weil es so irritierend ist. [...] Die politische Forderung nach Prinzipienfestigkeit, Kompromisslosigkeit – wie oft stand sie im Widerspruch zu dem, was das Herz befahl. Wie Ideologie Menschen ins Dilemma bringt, darüber denkt man beim Lesen unwillkürlich auch auf das Heute bezogen nach.
Irmtraud Gutschke in „neues deutschland“ (18.12.2022)
[…] Nun ist jene schmale 230-seitige Geschichte, die der Aufbau-Verlag Berlin ignorierte, der Mitteldeutsche Verlag Halle verschleppte, der Verlag Neues Leben nur stark verändert haben wollte, doch noch erschienen. Mit „Die Denunziantin“ beginnt Brigitte Reimanns allzu kurze Schreibreise […]. In „Die Denunziantin“ ist alles frisch und rein – außer den überkommenen Resten der vergangenen Ordnung. […] Drei Fassungen versuchte Reimann – und stieß immer wieder auf heute kaum verständliche ideologische Klippen in den politischen Kurswechseln der frühen 50-er [Jahre]. […] Zu den Fassungen liefert die Herausgeberin Kristina Stella ein so ausführliches wie aufschlussreiches Nachwort. Dass sie sich bei der Veröffentlichung für die Urfassung entschied, ist sicher ein Glücksgriff.
Norbert Wehrstadt in „Leipziger Volkszeitung“ und „Dresdner Neueste Nachrichten“ (16.12.2022)
[D]ie Entscheidung der Reimann-Spezialistin Kristina Stella [ist] zu begrüßen, das im Neubrandenburger Archiv schlummernde Skript in kommentierter Form nun doch noch herauszubringen. „Die Denunziantin“ vervollständigt nicht nur das Werk der mit 39 Jahren an Krebs verstorbenen Autorin, sondern zeigt zugleich, wie die junge Reimann mit sich gerungen hat.
Frank Quilitzsch in „Thüringer Allgemeine“ (05.01.2023)
Meanwhile, the discovery and rediscovery of Reimann continues. Franziska Linkerhand was recently adapted for the stage. In October Reimann’s unpublished debut novel, Die Denunziantin (The Denunciator), which she started writing at 19 and which was so thoroughly censored that Reimann had given up on it, was published for the first time, having been discovered in the Reimann archive in Neubrandenburg by the editor and Reimann specialist Kristina Stella.
Kate Connolly in „The Guardian“ (04.01.23)
[...] „Die Denunziantin“ liegt nun als Aufsehen erregende Publikation vor [...] der Roman [ist] ohne Übertreibung eine Sensation, vor allem für das wenig ausgeprägte oder kaum vorhandene Verständnis der Nachkriegsverhältnisse in der Stalinzeit und für die frühe Zeit der DDR. Als Sensation taugt er heute noch.
Rüdiger Bernhardt in „Unsere Zeit“ (6. Januar 2023]
[Zum Roman:] Es ist eine der Stärken des Romans, dass Brigitte Reimann am geschilderten Konflikt ein Thema bearbeitet, das sich in diesem nicht erschöpft. Vielmehr diskutiert der Roman, wie eine antifaschistische Position einer im „Dritten Reich“ aufgewachsenen Jugend vermittelt werden kann, [...].
[Zum Anhang:] Auch wenn der detaillierte Vergleich einzelner Szenen eher Material für Spezialforschungen bietet, so stellt die Rekonstruktion der wechselvollen Entstehungs- und Editionsgeschichte eine durchaus für sich stehende Studie dar über die Arbeitsweise Brigitte Reimanns, die literarischen Normen der 1950er Jahre und die Strategien der Verlage - durch das Nachwort wird das Ungewöhnliche des Romans in seiner Zeit umso deutlicher.
Jan Kostka in „Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat“ (Ausgabe Nr. 50/2023)
[…] Der Roman ist heute gerade für junge Leserinnen und Leser ein zeithistorisches Dokument. Die junge Autorin beginnt mit dem Schreiben nach ihrem Abitur im Alter von 19 Jahren. Dem Rat Anna Seghers folgend, schreibt sie über den damaligen Schulalltag und die widersprüchlichen Auffassungen ihrer Mitschüler und der Lehrer zu den Verhältnissen in der gerade erst gegründeten DDR, zum Umgang der verschiedenen Generationen mit der NS-Vergangenheit und schließlich mit der Auswirkung der Teilung Deutschlands auf Schüler und Lehrer. In ganz unterschiedlichen Situationen bekennt sie sich eindeutig zum Aufbau der sozialistischen Gesellschaft in der DDR. […] „Die Denunziantin“ ist der interessierten Leserschaft an zeithistorischen Jugendromanen unbedingt sehr zu empfehlen.
„schl; Landesstelle: 22 Sachsen“ bei „Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)“ (13.06.2023)
Zur vollständigen Rezension: https://www.ajum.de/rezension/die-denunziantin