[OA] Gegner, Martin: Die politische Ästhetik der öffentlichen Architektur Berlins
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1907-10,00 €
In diesem Buch wird der politisch-ästhetische Diskurs über öffentliche Gebäude im Berlin des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nachgezeichnet. Mit einem interdisziplinären Ansatz werden ästhetische Merkmale der Architektur in Bezug zu politischen Aussagen und Handlungen gesetzt. In ‚Disziplinaranstalten‘ wie Kasernen, Schulen und Krankenhäusern, in Stätten des ‚Wahren, Schönen und Guten‘ wie Museen, Theatern und Wissenschaftseinrichtungen, in der Architekturtheorie und im öffentlichen Wohnungs- und Städtebau wird dem Verhältnis von Ästhetik und Politik nachgespürt. Dabei treten die zeitgenössische Suche nach einem ‚deutschen Stil‘ nach ‚Reinheit‘ und ‚Einheit‘ und schließlich die ‚vaterländische Verantwortung‘ für die ‚Wehrhaftigkeit‘ der Bevölkerung deutlich zu Tage. Die Architektur spiegelt die politischen Veränderungen im Kaiserreich von der Reichseinigung mit ‚Blut und Eisen‘ bis zum aggressiv formulierten Anspruch auf einen ‚Platz an der Sonne‘ deutlich wider.
Martin Gegner
Die politische Ästhetik der öffentlichen Architektur Berlins
Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Kaiserreichs
2023
ISBN 978-3-8498-1907-1
441 Seiten, zahlr. Abb.
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Open Access-Ausgabe
- Vorbemerkung
- 1. Einleitung
- 1.1 Architektur
- 1.2 Öffentlichkeit
- 1.3 Politik
- 1.4 Ästhetik
- 1.4.1 Baumgarten
- 1.4.2 Kant
- 1.4.3 Hegel
- 1.4.4 Fechner
- 1.4.5 Simmel
- 1.4.6 Weitere Ästhetiken der Moderne
- 1.5 Stil, Zeichen, Symbol(bild)
- 1.5.1 Stil
- 1.5.2 Zeichen
- 1.5.3 Symbol(bild)
- 1.6 Raum(bild), Körper, Ort
- 1.7 Resümee der Einleitung – Gegenstand der Untersuchung
- 1.7.1 Methode
- 1.7.2 Zur Auswahl der besprochenen (Bau-)werke
- Literatur und Quellen zur Einleitung
- 2. Das Politische im deutschsprachigen Diskurs der Architekturtheorie
- 2.1 Die Öffentlichkeit der Architektur(theorie) – Bauzeitschriften und Vereinigungen
- 2.2 Die Kunstgeschichte als Initial der klassizistischen Architektur
- 2.3 „In welchem Styl sollen wir bauen?“
- 2.4 Der Einfluss der Philosophie auf die Architektur(theorie)
- 2.5 Die Begründung einer deutschsprachigen Architekturtheorie
- 2.6 Exkurs: Der Wiener Weg zur Moderne
- 2.6.1 Die ‚Erfindung‘ des Städtebaus: Camillo Sitte
- 2.6.2 Vom Jugendstil-Architekten zum Städtebauer mit sozialem Gewissen: Otto Wagner
- 2.6.3 Der Polemiker der Moderne: Adolf Loos
- 2.7 Der Städtebau-Diskurs in Berlin
- 2.8 Gartenstadt- und Heimatschutzbewegung – der konservative Weg
- 2.9 Der Deutsche Werkbund: der ambivalente Weg in die Moderne
- 2.9.2 Die nationale Architekturform des Hermann Muthesius
- 2.9.2 Der konservative Modernisierer Theodor Fischer
- 2.9.3 Der erste moderne Architekt: Peter Behrens
- 2.9.4 Vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit: Hans Poelzig
- 2.10 Am Horizont: Die Moderne
- 2.11 Resümee: Das Politische im deutschsprachigen Diskurs zur Architekturtheorie
- Literatur und Quellen zu Kapitel 2
- 3. Die sozial-medizinischen und polizeilich-justiziellen Anstalten. Disziplinierung in Kasernen und Organisation des Ausnahmezustands in Lagern
- 3.1 Kasernen
- 3.1.1 Schinkels Lehr-Escadron-Kaserne als Prototyp preußischen Anstalt
- 3.1.2 Kasernenbauten nach der Reichsgründung
- 3.2 Schulen
- 3.2.1 Die Schulbauten des Berliner Stadtbaurats Hermann Blankenstein (1872-1896)
- 3.2.2 Die Schulbauten des Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann (1896-1924)
- 3.2.3 Schulbauten in den Berliner Umlandgemeinden – ein Beispiel von Paul Mebes
- 3.3 Krankenhäuser
- 3.3.1 Das Bethanien-Krankenhaus am Mariannenplatz
- 3.3.2 Das städtische Krankenhaus Moabit und seine Vorläufer
- 3.3.3 Das Krankenhaus Am Urban
- 3.3.4 Krankenhausbauten um die Jahrhundertwende
- 3.4 Arbeits-, Waisen, ‚Irren‘- und Siechenhäuser sowie Obdachasyle
- 3.4.1 Waisen- und Arbeitshaus Rummelsburg
- 3.4.2 ‚Irrenhäuser‘
- 3.4.3 Siechenhaus und Obdachlosenasyl in der Fröbelstraße
- 3.5 Das Polizeipräsidium am Alexanderplatz
- 3.6 Gerichtsgebäude
- 3.6.1 Das (alte) Kriminalgericht Moabit
- 3.6.2 Der (neue) Justizkomplex Moabit
- 3.6.3 Das Amtsgerichtsgebäude Mitte
- 3.7 Gefängnisse
- 3.7.1 Das Zellengefängnis Moabit
- 3.7.2 Das Strafgefängnis Plötzensee
- 3.7.3 Das Strafgefängnis Tegel
- 3.8 Die Genese der preußischen Anstalt aus Kaserne und Lager – Zusammenfassung und Ausblick
- Literatur und Quellen zu Kapitel 3
- Bildnachweis zu Kapitel 3
- 4. Die Anstalten des ‚Wahren, Schönen, Guten‘: Architektur für Kunst und Wissenschaft
- 4.1 Museen
- 4.1.1 Das Alte Museum
- 4.1.2 Die Nationalgalerie
- 4.1.3 Das Kaiser-Friedrich-Museum
- 4.1.4 Das Pergamonmuseum
- 4.1.5 Das Märkische Museum
- 4.2 Theater
- 4.2.1 Das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt
- 4.2.2 Das Schillertheater in Charlottenburg
- 4.2.3 Die Volksbühne
- 4.2.4 Resümee über die politische Ästhetik der Berliner Theaterbauten
- 4.3 Architektur für die Wissenschaft
- 4.3.1 Die Technische Hochschule Berlin in Charlottenburg
- 4.3.2 Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt Charlottenburg
- 4.3.4 Die Kaiser-Wilhelm-Institute
- 4.3.5 Die Akademie der Wissenschaften und die Königliche Bibliothek
- 4.4 Resümee – die Anstalten des ‚Wahren, Schönen, Guten‘ als Repräsentationen der (kulturellen) Größe Preußens und Deutschlands
- Literatur und Quellen zu Kapitel 4
- Bildverzeichnis zu Kapitel 4
- 5. Öffentlicher Wohnungs- und Städtebau
- 5.1 Demographische Bedingungen sowie planerisches und politisches Umfeld des Wohnungsbaus im wilhelminischen Berlin
- 5.2 Exkurs: Privater Wohnungsbau
- 5.3 Die Wohnanlagen des Beamten-Wohnungs-Verein von Paul Mebes
- 5.4 Die „Tuschkastensiedlung“ am Falkenberg in Grünau bei Berlin
- 5.5 Die Gartenstadt Staaken
- 5.6 Politisch-ästhetischer Vergleich der drei Berliner Vorkriegssiedlungen
- 5.7 Städtebau – Die „Sanierung“ der Berliner Altstadt
- 5.8 Der Wettbewerb Groß-Berlin von 1908-1910
- 5.9 Resümee Städte- und Wohnungsbau
- Literatur und Quellen zu Kapitel 5
- Bildverzeichnis zu Kapitel 5
- 6. Schluss
Martin Gegner, geboren 1967, studierte in Berlin Politikwissenschaft und promovierte dort in Soziologie zum Dr. phil. Lehr- und Forschungstätigkeiten führten ihn für längere Zeit nach São Paulo und Istanbul. Seit 2019 arbeitet er wieder als Stadt- und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
Leseprobe: lp-9783849819071.pdf
[...] Gegner schreibt als Sozialwissenschaftler disziplinär von außen in die Kunst- und Architekturgeschichte hinein. Der starke Fokus auf Institutionen und zeitgenössische Deutungsdiskurse führt zu klaren Akzentsetzungen. Als materialreiche, in Teilen additive, insgesamt jedoch konsequent organisierte Untersuchung der politischen Dimension öffentlicher Architektur im Berliner 19. Jahrhundert stellt Gegners Buch einen gewichtigen Referenzpunkt dar. Die klare Fokussierung auf Institutionen und zeitgenössische Deutungsdiskurse macht den Band zu einem außerordentlich wertvollen Arbeits- und Nachschlagebuch. Dem im Übrigen auch sprachlich sehr gelungenen Werk sind viele Leser zu wünschen.
Markus Dauss in „sehepunkte.de“ (23.1.2026)
Zur kompletten Rezension: http://www.sehepunkte.de/2026/02/39065.html


