Kebir, Sabine: Frauen ohne Männer? Selbstverwirklichung im Alltag. Elfriede Brüning (1910-2014)
Artikel-Nr.: 978-3-8498-1105-1Die literarische Karriere Elfriede Brünings (1910-2014) begann in der turbulenten Zeit der Weimarer Republik. Mit sechzehn Jahren veröffentlichte sie erste Feuilletons, mit achtzehn schrieb sie literarische Reportagen für die größten Berliner Zeitungen. Als sie vierundzwanzig war, erschien ihr erster Roman. Früh setzte sie sich für die Rechte arbeitender Frauen und ihrer Kinder ein.
Die drei Romane, die sie in der Zeit des Nationalsozialismus schrieb, widersprachen entschieden dem propagierten Frauenbild: Die Heldinnen kämpften darum, auch als Ehefrauen berufstätig zu sein. Der aktiven Gegnerin des Systems gelang es, diese Romane trotzdem zu publizieren. Sabine Kebir belegt, dass die überzeugte Sozialistin Elfriede Brüning später auch nicht im Gleichklang mit der DDR-Frauenpolitik schrieb. Sie thematisierte vielmehr die Konflikte, die diese Frauenpolitik hervorbrachte. Entgegen verbreiteter Klischees erfuhr sie deshalb keine besondere Förderung als Frauenautorin in der DDR. Auf literarische Preise wartete sie bis in die achtziger Jahre. Ihre zum großen Teil aus den neuen Schichten sich qualifizierender Frauen stammenden Leserinnen und einige sensible Verlagslektorinnen haben sie dennoch vierzig Jahre lang zum Publikumsliebling gekürt: Elfriede Brüning verkaufte in der DDR mehr als eineinhalb Millionen Bücher. Sabine Kebir untersucht Brünings literarisches und Reportagewerk und dokumentiert das Leben der Autorin sowie die kulturpolitischen Auseinandersetzungen, denen sie sich immer wieder stellen musste.
Sabine Kebir
Frauen ohne Männer? Selbstverwirklichung im Alltag
Leben und Werk Elfriede Brünings (1910-2014)
2016
ISBN 978-3-8498-1105-1
954 Seiten, zahlr. Abb.
gebunden
- Vorwort. Ein Jahrhundert aus der Sicht der arbeitenden Frau
- Danksagungen
- Abkürzungsverzeichnis
- 1. Eine junge Publizistin tritt hervor (1910-1931)
- 1.1. Jüngste Reporterin Berlins
- 1.2. Prägungen durch die Familiengeschichte
- 1.3. Der 1. Weltkrieg
- 1.4. Bildungsweg, erster Job, erste Feuilletons
- 1.5. Zwiespältig: Hans-Wolfgang Hillers – der erste Mann und Förderer
- 1.6. „Schmonzetten“ mit sozialer Empathie
- 1.7. Redaktionssekretärin bei der Filmtechnik. Empathie für Kinderarmut
- 1.8. Literarische Feuilletons in großen Zeitungen. Thema: Gefesselte Libido
- 2. Kunst als Waffe (1930-1933)
- 2.1. Leihbibliothek der Mutter, MASCH und Eintritt in die KPD
- 2.2. Der Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller
- 2.3. Bruch mit Fred Hildenbrandt
- 2.4. Betriebsreportagen für die Münzenberg-Presse
- 2.5. Proletarische Sommerparadiese: Zelt- und Pappstädte
- 2.6. Erster Roman: Handwerk hat goldenen Boden
- 2.7. Wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt
- 2.8. Geburt, Tod und Auferstehung des Erstlingsromans
- 3. Doppelleben unterm Hakenkreuz (1933-1935)
- 3.1. Paradigmenwechsel der Geschlechterpolitik in Deutschland und in der Sowjetunion
- 3.2. Ausbleibender Aufstand gegen Hitler
- 3.3. ZK-Tagungen im Hinterzimmer von Brünings Ladenwohnung
- 3.4. Der BPRS arbeitet illegal
- 3.5. Und außerdem ist Sommer. „Paddelfahrten des Gefühls“ oder „Asphaltliteratur“?
- 3.6. Bekenntnis gegen abstrakte Kunst
- 3.7. Rezeption von Und außerdem ist Sommer. Trude und Gilgi – ein Vergleich
- 3.8. DDR-Rezeption und Neuauflage von Und außerdem ist Sommer
- 3.9. Erste Reise nach Prag
- 3.10. Entscheidungen an der Kurischen Nehrung
- 3.11. Gefahrvolle Kurierfahrten nach Prag
- 3.12. Publizistische Übungen in Sklavensprache
- 3.13. Doppelbödige Publizistik über die Frau im Dritten Reich. Abschied von Hans Schwalm
- 3.14. Authentisch geschrieben: Berlin, in einem kleinen Laden
- 4. Überleben unterm Hakenkreuz
- 4.1. Der BPRS ist infiltriert
- 4.2. Hochverräterin oder harmlose Unterhaltungsautorin?
- 4.3. Mit Auflagen davongekommen
- 4.4. Der nicht ganz harmlose Gefängnisroman
- 4.5. Rettende Strohhalme
- 4.6. Harte Landung im Ehehafen
- 4.7. Ausklingen der Publizistik
- 4.8. Auf schmalem Land
- 4.9. Beruf ist Berufung – auch im Unterhaltungsroman
- 4.10. Nähere und fernere Freunde
- 4.11. Hans-Wolfgang Hillers als Kulturpropagandist der Nationalsozialisten
- 4.12. Schwanger und zum Thema Müttersterben arbeiten
- 4.13. Dunkle Wolken am Familienhimmel Brüning-Barckhausen
- 4.14. Kriegsende und Besatzung in Egeln
- 4.15. Bilanz des Schreibens in innerer Emigration
- 5. Redakteurin und Reporterin. Gebremster Neubeginn in der SBZ (1945-1949)
- 5.1. Erste Erkundungen in Berlin
- 5.2. Schicksal akzeptieren oder eigene Wege gehen?
- 5.3. Literarischer Neuanfang: Die Umkehr
- 5.4. Beruflicher Neustart in Berlin
- 5.5. Anfänge des Sonntag: SBZ-Kulturpolitik als Bündnispolitik
- 5.6. Die Feuilletonredakteurin eckt an: Kein Platz für die BPRS-Tradition
- 5.7. Die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Schriftsteller und Journalisten
- 5.8. Wieder Reportagen. Anknüpfen an Errungenschaften der Weimarer Republik?
- 5.9. Weitere Beiträge und Reportagen in Sonntag
- 5.10. Hans-Wolfgang Hillers Artikel in Sonntag. Kontakt zu Heinz Pol
- 5.11. Als Reporterin für Die neue Heimat bei Flüchtlingen aus Ost- und Südeuropa
- 5.12. Geheimnisvolle Zivilinternierte
- 5.13. Erneut als Fehlbesetzung bei einer Zeitschrift – Die neue Gesellschaft
- 5.14. Verengung der Kulturpolitik auf das sowjetische Vorbild
- 6. Hinter der Reporterin und Feuilletonistin tritt wieder die Novellistin und Romanautorin hervor (1947-1950)
- 6.1. Ein kleiner Novellenband
- 6.2. Scheidung und Kampf um Christiane
- 6.3. „Literarische Agentin“ von Heinz Pol
- 6.4. Betriebsreportagen bei Bergmann-Borsig
- 6.5. Von der Reportage zur Novelle. Mutter und Sohn
- 6.6. Reportagen über Wandel in den Dörfern. Kirchenrenovierungen
- 6.7. Liebesbeziehung zu Bruno Heilig
- 6.8. …damit Du weiterlebst
- 6.9. Rezeption von …damit Du weiterlebst
- 6.10. Heinz Pols und Hans Wolfgang Hillers Bemerkungen zu Brünings Nachkriegswerken
- 7. Engagement für alleinstehende Frauen. Durchbruch zur Erfolgsautorin (1949-1952)
- 7.1. Unterschiedliche frauenpolitische Entwicklungen im Osten und im Westen
- 7.2. Frühe Reportagen über Frauen in der Ausbildung und im Beruf
- 7.3. Vorteile der Umwälzungen für Kulturschaffende und Frauen
- 7.4. Frühe DDR: Gleichberechtigung ohne fortschrittliche Sexualpolitik
- 7.5. Ein Kind für mich allein
- 7.6. Publikum begeistert – Kritik ratlos
- 7.7. Kontroverse um Ein Kind für mich allein in den achtziger Jahren
- 7.8. Import sowjetischer Prüderie
- 7.9. Beschäftigung mit dem Sozialistischen Realismus wird zur Notwendigkeit
- 7.10. Ende der Beziehung mit Bruno Heilig.‚Sexprozesse‘ gegen SED-Genossen
- 8. Beinahe zerrieben: Im Kampf um den sozialistischen Realismus (1949-1956)
- 8.1. Reportagen über Bildungschancen für Arbeiter und Bauern – Stoff für den neuen Roman
- 8.2. Vor uns das Leben
- 8.3. Schabernack mit Stalin?
- 8.4. Überspannte öffentliche Erwartungen an einen Roman im Schreibprozess
- 8.5. Diskussionsmarathon um Vor uns das Leben. Das ‚Typische‘ verfehlt
- 8.6. Heinz Pol zu Vor uns das Leben
- 8.7. Im Lokomotivbauwerk Henningsdorf. Der 17. Juni
- 8.8. Regine Haberkorn
- 8.9. Publikumsdiskussionen um den Vorabdruck von Regine Haberkorn als Fortsetzungsroman
- 8.10. Kleinbürgerlich? Die offizielle Kritik an Regine Haberkorn
- 8.11. Sind rote Rosen Kitsch?
- 8.12. Autoren mischen mit im Kampf um den sozialistischen Realismus
- 8.13. Nur ein Etappensieg
- 8.14. Die Frauenfrage – ein Nebenwiderspruch?
- 8.15. Kuriose Haberkorn-Variante vor dem 17. Juni
- 9. Loyale Genossin – unbequeme Autorin (1955-1959)
- 9.1. Gerede um die „rote Courths-Mahler“
- 9.2. Trotz Querelen Staat und Partei verbunden
- 9.3. Reportagen aus dem Bekleidungswerk Mühlhausen und aus Polen
- 9.4. Als Erfolgsautorin auf Lesetour in Betrieben
- 9.5. Erste Warnungen vor Sackgassen im Emanzipationsprozess
- 9.6. Initiatorin der öffentlichen Diskussion über die alleinstehenden Frauen
- 9.7. Gabriele
- 9.8. Brünings Bücher – Ärgernis und Mangelware
- 9.9. Rom hauptpostlagernd
- 9.10. „So ist doch unser Leben nicht“ – Kritiken zu Rom hauptpostlagernd
- 9.11. Leben mit einem Psychopathen
- 9.12. Verpasst: Wiedersehen mit Heinz Pol
- 10. Chronistin der Frauenqualifizierung (1958-1962)
- 10.1. Höhen und Tiefen der Frauenqualifizierung
- 10.2. Engagement für die neu entstandene Bibliothekslandschaft
- 10.3. „Schriftsteller kommen auf’s Land“
- 10.4. Brüning verweigert den Roman à la Bitterfeld
- 10.5. Brüning knüpft an die Betriebsreportagen des BPRS an
- 10.6. Die wissenschaftliche Rückbesinnung auf den BPRS geht an Brüning vorbei
- 10.7. Sonntag der 13.
- 10.8. Entstehung und Rezeption von Sonntag der 13.
- 10.9. Der Bau der Berliner Mauer
- 10.10. Wege und Schicksale
- 10.11. Charlotte Eppinger
- 10.12. Irmgard Bokemeyer
- 10.13. Martha Kanow
- 10.14. Frau Dr. Gossmann
- 10.15. Hilde Westphal
- 10.16. Elisabeth Samain
- 10.17. Rezeption von Wege und Schicksale
- 11. Zwischenspiele I: Film, Fernsehen, Theater. Neuprofilierung der Verlage (1953-1975)
- 11.1. Vergebliches Anklopfen bei der DEFA
- 11.2. Barckhausens Position in der DEFA
- 11.3. Brüning gibt nicht auf
- 11.4. Arbeit für den Deutschen Fernsehfunk: Rom, Via Margutta 4
- 11.5. Altgenossen als Spießer – kein Thema für den DFF
- 11.6. Das Original-Fernsehspiel Nach vielen Jahren
- 11.7. Theaterdebüt: Die Heiratsanzeige
- 11.8. Die Neuprofilierung der Verlage
- 11.9. Freundschaft mit Franz Leschnitzer
- 11.10. Langer Atem: Vom Jungenbuchprojekt Lixer zum Theaterstück Hochverrat (1965-1975)
- 11.11. Schnüffeleien des MfS
- 11.12. Christiane wird Dolmetscherin
- 11.13. Hilfe – ich werde Großmutter!
- 11.14. Das 11. Plenum
- 12. Asozialität: Als Reporterin einer scheiternden Utopie auf der Spur (1965-1969)
- 12.1. Warum setzte eine junge Mutter ihr Kind aus?
- 12.2. Rückblick: 1948/1949: Plädoyer für sanfte Resozialisierung
- 12.3. Jutta und Sonja-Marietta
- 12.4. ‚Milljöh‘ ohne Romantik
- 12.5. Kinder aus gestörten Familien
- 12.6. Die Situation des Reportagegenres in der DDR
- 12.7. Brünings Verteidigung des Ethos der Reportage
- 12.8. Kinder ohne Eltern
- 12.9. Im Jugendwerkhof Crimmitschau
- 12.10. Eine von Tausenden
- 12.11. Rezeption von Kinder ohne Eltern
- 12.12. Asoziale Jugendliche bleiben ein Tabuthema
- 12.13. Ende des Prager Frühlings
- 12.14. Brüning-Bücher werden aus Bibliotheken entfernt
- 13. Triumph und Kapitulation des Eros (1960-1974)
- 13.1. Septemberreise – langwieriges Romanprojekt des kurz währenden Reformklimas
- 13.2. Literarische Porträts, Reportagen und Ratgebertexte der sechziger Jahre
- 13.3. Eros wird prioritär: Drei Kurzgeschichten im Vorfeld von Septemberreise
- 13.4. Heinz Pol über Nachtgespräch…
- 13.5. Septemberreise. 1. Erzählstrang: Abrechnung mit einem „Du“
- 13.6. Septemberreise. 2. Erzählstrang: Reise mit der Nebenbuhlerin
- 13.7. Septemberreise. 3. Erzählstrang: Die verlorene Tochter
- 13.8. Septemberreise. Fortsetzung und Ende des 2. Erzählstrangs
- 13.9. Septemberreise. 4. Erzählstrang: Ost- und Westdeutsche in Ungarn
- 13.10. Zur Form von Septemberreise
- 13.11. Hans Jürgen Geerdts Kritik von Septemberreise
- 13.12. Eskalierender Streit um Septemberreise
- 13.13. Ablehnung des Hinstorff-Verlags
- 13.14. Elfriede Brüning und Heinz Pol zu den Kritiken von Septemberreise
- 13.15. Die Buchausgabe Septemberreise von 1974
- 13.16. Rezeption von Septemberreise
- 13.17. Autobiographische Bedeutung von Septemberreise
- 13.18. Eine britische Sicht auf den Streit um Brünings Septemberreise
- 13.19. Brüning als Patin sozialistischer Betriebskollektive
- 14. Frauenerwerbsarbeit und familiäre Risiken (1970-1978)
- 14.1. Jasmina und die Lotosblume
- 14.2. Bedeutung und Rezeption von Jasmina und die Lotosblume
- 14.3. Reale Hintergründe von Jasmina und die Lotosblume
- 14.4. Die Literaturwissenschaft ignoriert weiterhin Brünings Werk
- 14.5. Ein Auswahlband zeigt die Vielseitigkeit der Autorin Brüning
- 14.6. Brüning kämpft um höhere Auflagen an höherer Stelle
- 14.7. Partnerinnen
- 14.8. Johanna
- 14.9. Barbara
- 14.10. Renate
- 14.11. Rita
- 14.12. Irritationen beim nichtauktorialen Erzählen von Gegenwartsstoffen
- 14.13. Zur Bedeutung von Partnerinnen
- 14.14. Eine französische Stimme zu Septemberreise und Partnerinnen
- 14.15. Rezeption von Partnerinnen
- 14.16. Echo auf Partnerinnen außerhalb der DDR
- 14.17. Andere internationale Erfolge in den Siebzigern
- 14.18. Brüning wird beinahe zur Feministin. Kontroverse mit Eva Strittmatter
- 14.19. Endlich Literaturpreise
- 15. Generationskonflikte: Die Selbstverwirklichung der Großmütter (1974-1986)
- 15.1. Beiseite geschoben: Erzählungen über alte Frauen
- 15.2. Alternative: Aktiv und autonom bleiben
- 15.3. Das langsame Sterben der alten Frau Hulda
- 15.4. Schwerer Schreibprozess: Wie andere Leute auch
- 15.5. Carmensita
- 15.6. Juliane und Pedro
- 15.7. Elisabeths Romanprojekte
- 15.8. Eine Afrika-Episode
- 15.9. Schwanengesänge des Realsozialismus
- 15.10. Roman und Wirklichkeit
- 15.11. Besondere Schwierigkeiten weiblichen Schreibens – ein Thema, das die Welt bewegte
- 15.12. Rezeption von Wie andere Leute auch
- 15.13. Erwachendes Interesse der Literaturwissenschaft
- 15.14. Brünings Werk überfordert eine Doktorandin
- 15.15. 1985: Brüning-Ausstellung in der Deutschen Staatsbibliothek
- 15.16. Altweiberspiele und andere Geschichten
- 16. Zwischenspiele II: Film und Fernsehen (1973-1990)
- 16.1. Brüning-Stoffe bei DEFA und Fernsehen in „Schwebeposition“
- 16.2. Letzte Ausfahrt DEFA: Ein Mädchen und zwei Romane
- 17. Die Wende von 1989: Tonbandprotokolle, Radiosendungen (1984-1990)
- 17.1. Dario Canale – ein Schwiegersohn nach Maß
- 17.2. Jasmina geht in die Bundesrepublik
- 17.3. Dario Canale – der erste Wende-Tote
- 17.4. Brünings frühe Reportagen und Feuilletons sollen erscheinen
- 17.5. Brüning macht als Elsbeth Ungeduld Radiosendungen über Lesben für den Westen
- 17.6. Lästige Zeugen? Tonbandgespräche mit Opfern der Stalinzeit
- 17.7. Anni Sauer
- 17.8. Ruth T.
- 17.9. Frieda S.
- 17.10. Familie Glesel
- 17.11. Kollateralschaden der Wende: Edition, Rezeption, Vernichtung und Rettung des Projekts Lästige Zeugen?
- 18. Nach der Wende von 1989: Reportagen, Autobiographie und Kurzprosa
- 18.1. Auf jeden Fall: Dabei sein!
- 18.2. Der WDR dreht einen Film Eine Frauenfamilie in Berlin
- 18.3. Wandlungen eines Zehngeschossers
- 18.4. Bestätigung eigener Unwichtigkeit
- 18.5. Wie weiter schreiben?
- 18.6. Reportagen über „Zwangsadoptionen“: Kinder im Kreidekreis
- 18.7. Die Not zweier Mütter
- 18.8. Die DDR verlassen zu wollen, rechtfertigt alles?
- 18.9. Die auseinandergerissene Familie Grübel
- 18.10. Zwangsadoptionen im Westen?
- 18.11. Doppelte Maßstäbe der Medien
- 18.12. Was kommt nach der Zwangsadoption?
- 18.13. Und außerdem war es mein Leben
- 18.14. Rezeption von Und außerdem war es mein Leben
- 18.15. Jeder lebt für sich allein. Nachwende-Notizen
- 18.16. DDR-Nostalgie
- 18.17. Spätlese
- 18.18. Unheilbares Trauma: Büchervernichtung
- 18.19. Gefährtinnen
- 18.20. Zeit-Besichtigung und Gedankensplitter
- 18.21. Übriggeblieben
- 18.22. Neue Männer sind da. Historische Grenzen von Brünings Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Frauen, Männern und Kindern
- Bibliographie Elfriede Brüning: Bücher (Stand: Februar 2016)
- Bibliographie Elfriede Brüning – Publizistik und Kurzprosa (Stand: Oktober 2014)
- Publizistik 1926-1932
- Publizistik 1933-1938
- Publizistik 1945-1949
- Publizistik und Beiträge in Anthologien 1949-1989
- Publikationen ab 1990
- Biographische Stichpunkte – Elfriede Brüning
Sabine Kebir ist Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaftlerin. Sie lebte zwischen 1977 und 1988 in Algerien, seitdem als freie Autorin in Berlin. Publikationen (Auswahl): Die Kulturkonzeption Antonio Gramscis (1980), Ein akzeptabler Mann? Streit um Bertolt Brechts Partnerbeziehungen (1987), Antonio Gramscis Zivilgesellschaft (1991), Algerien. Zwischen Traum und Alptraum (1993), Ich fragte nicht nach meinem Anteil. Elisabeth Hauptmanns Arbeit mit Bertolt Brecht (1997), Abstieg in den Ruhm. Helene Weigel. Eine Biographie (2000), Mein Herz liegt neben der Schreibmaschine. Ruth Berlaus Leben vor, mit und nach Bertolt Brecht (2006), Maria und Jesus im Islam (2007).
Leseprobe: 9783849811051.pdf
[...] Le grand mérite de la biographie de Kebir est précisément de montrer, à partir de la vie et l’œuvre de Brüning, combien est floue la frontière entre écrits critiques ou subversifs et écrits en apparence conformistes. Difficile à ranger dans une quelconque catégorie, Elfriede Brüning s’inscrivait mal dans le paysage littéraire est-allemand. Elle subit le même sort que la plupart des écrivains, recevant son lot de rétributions symboliques (prix et distinctions diverses) d’un côté, connaissant de l’autre de brèves traversées du désert quand elle ne trouvait plus d’éditeur ou, pis, lorsque ses livres disparaissaient des bibliothèques et ou étaient introuvables en librairie. [...]
Sonia Combe in „En attendant Nadeau. journal de la littérature, des idées et des arts“ (Juni 2016)
Die vollständige Rezension: http://www.en-attendant-nadeau.fr/2016/05/30/elfriede-bruning-femmes/
Dies ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes, spannendes Buch: Leser und Leserinnen, die Elfriede Brünings Veröffentlichungen schon seit langem mit Interesse verfolgen, werden hier sehr viel Neues entdecken. Überraschendes gibt es auch für Literaturkritiker und Germanisten in Ost und West, die sich mit der Entstehung und Rezeption deutschsprachiger, weiblicher Literatur beschäftigen. […] Die Literaturwissenschaftlerin Sabine Kebir hat mit dieser eindrucksvollen Monografie Elfriede Brüning ein würdiges, durchaus auch kritisch reflektiertes Denkmal gesetzt.
Wolfgang Herzberg in „Neues Deutschland“ (01.07.2016)
Wie nur wenige kennt Sabine Kebir die Vita von Elfriede Brüning, die fünf verschiedene politische Systeme durchlebte, und das etwa 30 Bände umfassende Werk der Schriftstellerin. Gemeinsam mit der Tochter und der Enkelin Brünings betreut sie die Website, zusammen mit Wolfgang Herzberg hat sie einen Film über die Berlinerin gedreht. Jetzt hat sie die erste und zugleich umfassende Biographie Brünings veröffentlicht, mit der sie ihr gleichsam einen Denkstein setzt. [...] Auf beeindruckende Weise präsentiert die Autorin unterdessen Elfriede Brüning als aneckende, widerspenstige Person und kämpferische Frau, analysiert und dokumentiert die kulturpolitischen Auseinandersetzungen, an denen sich die Schriftstellerin immer wieder beteiligte und in die sie verwickelt wurde. Wohltuend für den Lesefluss: Die vielen Anmerkungen, die nicht bloß dem Quellennachweis dienen, sondern auch Exkurse zu Ereignissen und Personen bieten, sind jeweils an den Fuß der Seite gesetzt. Bedauerlich hingegen, dass die gewichtige Biographie kein Personenregister hat. Wer sich für Brünings Lebenserzählung interessiert, für den ist das Buch eine wahre Fundgrube. Es bleibt zu hoffen, dass es zur Verstärkung einer fruchtbaren Rezeption ihres Werks beiträgt.
Christiana Puschak in „Junge Welt“ (27.05.2016)
[D]as Buch nimmt gefangen, wo immer man es aufschlägt. Das kommt, weil sich Lebensbeschreibung stets die Waage hält mit wissenschaftlicher Analyse.
W.K. in „Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik \ Kultur \ Wirtschaft“ (21.01.2017)
Sabine Kebirs Beschreibung einer „Selbstverwirklichung im Alltag“ [… setzt] Elfriede Brüning (1910-2014) in Frauen ohne Männer? (AISTHESIS VERLAG) ein Denkmal […]. Bereits in Kebirs erstem derartigen Buch über Brecht und die Frauen, wird der Titel mit Fragezeichen versehen […]. Auch in diesem fast tausendseitigem Werk bleibt sie ihrer Methode treu: Nichts voraussetzen. Erst mal nachfragen. Elfriede Brüning gehörte zu den „Unterhaltungsschriftstellerinnen“ mit beachtlichen Auflagen, die nicht wie Thomas Mann Legionen von Germanisten anlocken. Umso bemerkenswerter, wie Kebir mit ihrem Text ein ganzes Jahrhundert erlebbar macht […].
Matthias Biskupek in: Eulenspiegel, 2017
[...] Diese außergewöhnlich lange und produktive Schaffenszeit [Elfriede Brünings] hat eine Autorin erforscht, die mit ihren Büchern zu Brecht und Frauen aus seinem Umfeld [...] so etwas wie biographische Kärrner-Arbeit leistete: quellengenau, streitbar, gut lesbar; Bücher, denen man nicht selten Entdeckerlust anmerkt. [...] Zu den großen Vorzügen dieses Jahrhundert-Buches gehört, dass die Einflüsse auf Elfriede Brüning und der jeweilige Zeitgeist mit dargestellt, verhandelt und bewertetet werden. [...] [I]nsgesamt ist dem Verlag zu danken, dass er dieses Unternehmen wagte [...].
Matthias Biskupek in „Sozialismus.de“ (Heft 3, 2018)
„Sabine Kebir hat eine beeindruckende Monographie vorgelegt über eine von der Literaturwissenschaft als Unterhaltungsautorin abgestempelte und deshalb lange ignorierte Autorin, die »weniger als zum Beispiel Anna Seghers und Christa Wolf [...] die großen Pläne der Weltveränderung ins Visier [nahm]«, sich dafür mehr »für den Alltag arbeitender Frauen und ihrer Kinder« (13) interessierte. In 18 Kapiteln werden Leben und Schreiben dieser außergewöhnlichen Frau aufgefächert. Soziale Verhältnisse, politische Hintergründe, aber auch Privates werden breit dargelegt und akribisch mit einem umfangreichen Fußnotenapparat unterfüttert. […]“
(Hannes Krauss in „Germanistik“, Band 58, Heft 3-4, 2017)
"Dieses Buch ist für die feministische Diskussion interessant. Aber es ist auch wichtig für die Auseinandersetzung mit Populärliteratur und die Bedeutung der populären 'autores minores.'"
(Dieter Kramer in: Kulturation. Online Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik, Nr. 21, 2018, Jg. 41)
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Elfriede Brüning: beruflich und sexuell selbstbestimmt - Sonia Combe und Sabine Kebir im Gespräch bei YouTube.
Sabine Kebir - "Frauen ohne Männer?" - Ein Beitrag von Tom Goeller in "Andruck - Das Magazin für Politische Literatur" (Deutschlandradio)
