Anknüpfend an Georg Lukács’ Etikettierung der historischen Avantgarden als »subjektivistische, verzerrte und entstellte Stimmungsnachklänge der Wirklichkeit« waren (post-)avantgardistische Schreibweisen in der DDR-Programmatik des Sozialistischen Realismus nicht vorgesehen. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren lassen sich allerdings Störungen und Modifikationen dieser offiziellen Linie beobachten: etwa in persönlichen Lektüren und literarischen Adaptionsverfahren, in der literaturwissenschaftlichen Neubewertung historischer Avantgarden und in der Herausbildung literarischer Szenen wie der »DDR-Avantgarde« des Prenzlauer Bergs.
Den vielfachen Resonanzen und Bezugnahmen auf die Avantgarden im Literatursystem der DDR spürt der vorliegende Band in elf Beiträgen schlaglichtartig nach. Dabei wird besonders nach den transnationalen Impulsen und politischen Implikationen wie auch nach dem bleibenden Anregungspotential dieser historischen Konstellationen gefragt.
Jutta Müller-Tamm / Lukas Nils Regeler (Hgg.)
DDR-Literatur und die Avantgarden
Moderne-Studien Band 28
2023
ISBN 978-3-8498-1831-9
263 Seiten
kartoniert
Jutta Müller-Tamm ist Professorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin und Direktorin der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.
Lukas Nils Regeler ist seit 2019 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster EXC 2020 »Temporal Communities« und Doktorand der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.
Leseprobe: lp-9783849818319.pdf
[...] The volume emphasizes the unofficial art and literature in the late GDR as a continuation of the avant-garde project, such that the late GDR becomes a nodal site in an avantgarde tradition, while now all historical avantgardes „bilden aber ein Netzwerk, das sehr unterschiedliche Erscheinungswesen zwischen Sprach- und Formexperimenten, transgressiven Impulsen und Kulturrevolutionären oder politischen Ansprüchen verbindet” (20). […] Finally, the volume contains a panoramic account of the unofficial scene in the GDR, encompassing literature, art, and music, by critic and curator Christoph Tannert, which originally appeared in 1988 in the journal Niemandsland. This is an interesting piece of late-GDR Zeitgeschichte, exploring the openings and blockages of the cultural landscape of the GDR on the eve of its liquidation.
Hunter Bivens in „Monatshefte“ (3/2025)
Moderne-Studien Band 28
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