Die jüngste Entwicklung der Medien verweist auf einen gesellschaftlichen Umbruch. Zugleich aber bleiben auch bestimmende gesellschaftliche Institutionen intakt. Dieser Widerspruch bestimmt die Beurteilung der Medien. In der Digitalisierung verschränken sich Momente des Fortschritts mit solchen des Bestehenden und des Spiels. Diese Erkenntnis lässt sich näher fassen, wenn man die heutige Debatte um die Gefahren und Möglichkeiten der Neuen Medien mit denjenigen anderer Epochen vergleicht. Insbesondere betrifft eine solche Perspektive die Beurteilung der Technik und der Ästhetik und ihrer beider Ablösung von einer Theologie. Die heutige Mediendebatte führt einen verdeckten historischen Unterstrom mit sich, den es aufzufinden gilt, wenn das Neue nicht nur dadurch zu seinem Namen kommen soll, weil die Erkenntnisse der vorherigen Epochen vergessen werden. So mag sich beim genaueren Zusehen herausstellen, dass manche Argumente für und wider die Medien bereits viel früher vorgebracht werden, zum Beispiel im Streit um die Ikonen Bilder, der im neunten Jahrhundert in Byzanz geführt wird. Auf diese Weise lässt sich eine Perspektive einnehmen, die es erlaubt eine falsche Dichotomie in der heutigen Mediendebatte zu umgehen – der vermeintlich kritische Standpunkt einer „reinen Welt“ ohne Medien, der ein neuer Medien-Messianismus korrespondiert. Dieses Buch versucht einen historischen und aktuellen Kontext der Mediendebatte herzustellen. Auf diese Weise entsteht eine Urgeschichte der Medien. Der vorliegende Band untersucht das Verhältnis von Schrift und Bild in den Medien von den Anfängen bis zur Erfindung der Photographie im 19. Jahrhundert. Ein zweiter Band wird sich der Entwicklung des Films und des Fernsehens widmen und ein weiterer sich mit den Neuen Medien befassen.
Einleitung

Französische Karikatur der Vernetzung in den USA (1855)
Gedächtnismühle


Neue Anthropologie: Jetzt:netz

Humanistisches Engelschema von Agrippa von Nettelsheim

Medienentwicklung
William Henry Fox Talbot, Szene in einer Bibliothek, aus dem Geschenkalbum für Alexander von Humboldt, Lacoock Abbey, um 1843


Modell der Kommunikation nach Shannon-Weaver