Weitere Vorläufer der Photographie finden sich in den Bildelementen der heraldischen Impresen und der Emblematiken des Barock wieder, die als Fortsetzungen der Renaisssance-Bestiarien und Hieroglyphenbücher verstanden werden können. Als die Photographie Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden wird, erkennt man bald ihre Vorteile gegenüber der Malerei und der Druckgraphik. Diese liegen im Bereich der realistischen Darstellung. Das Portrait- oder Landschaftsphoto ist exakter als das gemalte oder gestochene Bild und durch die industrialisierte Form auch bald billiger und schneller herzustellen. So verbreitet sich die Photographie rasch und die Malerei tritt auf die Bereiche Farbe, Form und Licht zurück. Vor der Erfindung der Photographie fiel der Malerei, der Graphik und der Druckgraphik in weitaus größerem Maße auch die Rolle der Darstellung zu das heißt des Berichts von fernen Ländern, anderen Sitten und phantastischen und ängstigenden Tieren und Menschen. So enthält die Enzyklopädie Diderots, die 1762-1777 als erstes großes Sammelwerk des Wissens und der Gegenstände der modernen Epoche erscheint, neben dem Text einen instruktiven Bildteil. Dort werden unter anderem handwerkliche Geräte, Maschinen, Anatomie, Bauwerke, Gefechtsstile, heraldische Tafeln, Kunstblumenerzeugung und verschiedene musikalischen Notensysteme nebeneinander gezeigt. Jede Sphäre der menschlichen Tätigkeiten soll erschöpfend dargestellt werden. Wenn auch diese Zusammenstellung auf den heutigen Betrachter noch recht willkürlich wirkt, so ist doch gegenüber der Ordnung der Embleme bereits eine deutliche Veränderung festzustellen. Die Bildteile helfen mit, die entsprechenden Informationen jedermann zugänglich zu machen. Der moderne Informationsbegriff läßt sich hier in einer seiner Anfangslinien greifen. Auch Emblembücher sind Weltalben, die alle Dinge der Schöpfung in sich versammeln wollen. So enthält Piero Valerianus Hieroglyphica (Erstausgabe 1556), im I. Band die Tiere von den Säugern bis zu den niederen, im II. den menschlichen Körper vom Kopf zu den Füßen, mathematische Figuren, Gebrauchsgegenstände, Gestirne, Elemente und schließt mit den Pflanzen ab. Aber nicht nur aufgeklärtes technisches und instrumentelles Wissen soll weitergegeben werden, sondern auch Tieferes. Wenn auch nur demjenigen verständigen Betrachter, der nicht an der Oberfläche der Sichtbarkeit verharrt, sondern sie zu bedeutender Erkenntnis in Beziehung zu setzen weiß. Solche weitergehende Erkenntnis soll durch die offensive und formale Spannung zwischen Text und Bildelementen ermöglicht werden.
6. Kapitel
Figur und Grund.
Embleme und Emblematiken als Vorläufer der Photographie

Darstellung des Drahtziehens und Anleitung zum Fechten (Escrime) in Diderots Enzyklopädie
Jörg Breu, 2 Holzschnitte zu Alciati, Emblemata, Augsburg 1531


Hieroglyphe „Velocitatem sedendo“, Hypnerotomachia Poliphili
Palio, Siena


Palio, Siena

Sienesischen Contraden
Contrade der Schildkröte

Contrade der Stachelschweins

Contrade der Einhorns

Kasimir Malewitsch, Suprematismus Nr. 56, 1916
Kasimir Malewitsch, Kostümentwürfe zu „Sieg über die Sonne“, Sportler, 1913


Zeichen oder Charaktere der Venus aus Agrippa von Nettelsheim
Emblem von Joachim Camerarius, 1596







Grenzlinien und Rahmen von Emblemen

Computericons auf einem PC-Desktop mit Windows 98