Überlegungen zu literarischen Räumen mit Blick auf die deutsche Literatur des Baltikums, das Baltikum und die deutsche Literatur
Inhalt:
Armin v. Ungern-Sternberg, geb. in München, studierte an den Universitäten Freiburg i.Br. und Oxford/Großbritannien. Magister und Promotion in den Fächern Germanistik, Geschichte und Anglistik. Nach mehrjähriger Verlagsarbeit leitet und betreut er nun Projekte im Bereich der europäischen Integration bei einer großen deutschen Stiftung. Aus der Kritik:
Armin v. Ungern-Sternberg
„Erzählregionen“
2003, ISBN 3-89528-375-4,
1009 Seiten, geb. EUR 50,-
[vergriffen]

Von ‚Räumen‘ und ‚Regionen‘ ist derzeit viel die Rede. Eine systematische Auseinandersetzung mit Gegenstand, Aufgaben und Möglichkeiten sog. regionaler Literaturbetrachtung stand jedoch bislang aus. Können literarische Werke tatsächlich nach ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Räumen ähnlich unterschieden werden wie in der Abfolge verschiedener Epochen? Was zunächst als Sonderinteresse und eher rückwärtsgewandt erscheinen mag, stellt die Kulturwissenschaft vor grundsätzliche Fragen: Gibt es so etwas wie eine ‚österreichische‘ oder ‚deutsche‘ Literatur? Was unterscheidet eine ‚amerikanische‘ Literatur von einer ‚englischen‘‚ ‚irischen‘ oder ‚australischen‘?
Armin v. Ungern-Sternberg unternimmt eine Klärung dessen, was der Begriff des ‚Regionalen‘ mit Blick auf literarische Phänomene bedeuten kann und lenkt den Blick auf neue Zusammenhänge jenseits des überkommenen Musters von Nationalliteraturen. Sein Entwurf einer Rhetorik des literarischen Raumes ist ein wesentlicher Beitrag zur Erzähltheorie, dessen pragmatische Terminologie eine wichtige Lücke bisheriger Textanalysen schließen hilft. Die im Ergebnis aufscheinenden „Erzählregionen“ sind nicht graue Theorie. Armin v. Ungern-Sternberg begründet seine Thesen ausführlich an einem Fallbeispiel, das eine Vielzahl vergessener Texte erstmals erschließt und in ihre historischen Zusammenhänge einordnet: die deutsche Literatur des Baltikums. Seine Arbeit ist zugleich eine Darstellung der vielfältigen und wechselhaften Wahrnehmung des Baltikums in der deutschen Literatur und liefert darüber hinaus wesentliche Eckpunkte für eine Sozialgeschichte sog. ‚deutschbaltischer‘ Literatur vom 18. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart.
[Es] gelingt [...], ein nicht nur methodisch einwandfrei abgesichertes, sondern auch weit gespanntes und farbenreiches Bild der (deutsch)baltischen Literatur zu zeichnen, das der Arbeit bleibenden Wert für die Literaturgeschichte des Baltikums verleiht. Zudem macht die vorbildliche Analyse des Baltikumbildes in der gesamten deutschsprachigen Literatur jenes Zeitraums die Studie zu einem bedeutenden Beitrag zur Erforschung der dt. Literatur.
Martin Klöker in „Germanistik“ (2003, Heft 3-4)