Christina Kalkuhl/Wilhelm Solms (Hgg.)

Lustfallen  

Erotisches Schreiben von Frauen


2003, ISBN 3-89528-424-6,
159 Seiten, kart. EUR 16,80

Die erotische Literatur von Frauen ist eine der jüngsten und markantesten literarischen Strömungen der Gegenwart, die von der Literaturwissenschaft noch kaum thematisiert wurde. Auf den ersten Blick scheint sie ein Teil der ‚Erotik-Welle‘ zu sein, die sich sämtlicher Medien bedient, um das Publikum zu überschwemmen. Indem sie die traditionellen maskulinen Sicht- und Darstellungsweisen von Liebe und Sex parodiert oder konterkariert, erweist sie sich bei näherem Hinsehen jedoch als Gegenbewegung.
Sie handelt davon, dass und warum eine erotische Beziehung nicht zustande kommt oder ein sexueller Kontakt nicht erotisch ist. Sie beschreibt sexuelle Szenen so, dass dem voyeuristischen Leser die Lust vergeht, oder schildert erotische Beziehungen jenseits des Sex.
In dem Band werden alle Werke gleichberechtigt betrachtet, nach ihrer Botschaft und ästhetischen Qualität befragt und zum Teil kontrovers beurteilt: ebenso Werke etablierter Autorinnen wie Elke Heidenreich und Doris Dörrie wie Erstlingswerke von Maike Wetzel, Alexa Hennig von Lange und Judith Hermann, und ebenso Erzählungen feministischer Autorinnen, die sich seit je mit den Geschlechterbeziehungen auseinandersetzen wie Elfriede Jelinek und Jutta Heinrich, wie Erzählungen, die eine Ausnahme im Gesamtschaffen der Autorin bilden wie bei Ulla Hahn.

Inhalt:

  • Vorwort
  • Wilhelm Solms: Gestörte Erotik – Ein Thema für Autorinnen
  • Peter Meyer: Moderne Autorinnen – Moderne Mittel? Eine Anamnese der Darstellungen des sexuellen Aktes
  • Bruna Bianchi (Una Chi): Über Schwierigkeiten beim Schreiben erotischer Literatur
  • Sabine Harenberg: Gespräch mit Marlene Streeruwitz
  • Jutta Osinski: Satire auf einen Porno. „Lust“ von Elfriede Jelinek
  • Aline Willeke: Unlust. „Lust“ von Elfriede Jelinek
  • Sabine Harenberg: Liebe, Sexualität, Erotik? „Verführungen. 3. Folge: Frauenjahre“ von Marlene Streeruwitz
  • Alexandra Kerber: Das wahre Opfer. „Ein Mann im Haus“ von Ulla Hahn
  • Klaus Engels: Die Wucht der Pubertät. „Die Stunde des Hahns“ von Jutta Heinrich
  • Silke Peinsipp/Dorothee Oppenheim: „Die heftigste Liebe meines Lebens…“. „Winterreise“ von Elke Heidenreich
  • Miriam Pott: Trotz körperlicher Liebe fremd. „Honig“ von Doris Dörrie
  • Sabine Klomfaß: Eine danebengegangene Beziehung. „Alberta empfängt ihren Liebhaber“ von Birgit Vanderbeke
  • Eva Römer: „Sie wollen ihren Schweiß bei uns loswerden“. „Die Luft auf meinem Rücken“ von Alissa Walser
  • Birgit Lahham: Auf den Spuren weiblicher Erotik. „Aimée und Jaguar“ von Erica Fischer
  • Lutz Hagestedt: „Königsbraut“ und „Gartenfreuden“. Erotisches Erzählen bei Keto von Waberer und E.T.A. Hoffmann
  • Christina Kalkuhl: Von der Nebenrolle des Begehrens. „Unsichtbare Frauen“ von Evelyn Schlag
  • Miriam Winzer: Sinnlichkeit statt Sexualität. „I. M.“ von Connie Palmen
  • Tanja Zobeley: Der entfesselte Skorpion. „Der Bibliothekar“ von Judith Kuckart
  • Heike Schmitt: Erotik und Exotik. „Mustafa“ von Silvia Szymanski
  • Alexandra Fuchs: Der Tod der Erotik. „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ von Sibylle Berg
  • Christine Kanz: Kein bisschen aufgeregt? „Sonja“ von Judith Hermann
  • Gerhart Pickerodt: Zuviel der Entspannung. Kultbuch oder heiße Luft im Designer- Einband? „Relax“ von Alexa Hennig von Lange
  • Angelika von Tomazewski: Intime Intermezzi nüchtern erzählt. „Hochzeiten“ und „Stelldichein“ von Maike Wetzel
  • Florian Fuchs: Sexualdisposition und Generationen-Metaphysik in Rebecca Casatis „Hey Hey Hey“
  • Wilhelm Solms: Über Schwierigkeiten von Männern beim Beurteilen erotischer Texte von Frauen
  • Verzeichnis der vorgestellten Romane und Erzählungen

Der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wilhelm Solms ist eh. Vorsitzender und Christina Kalkuhl (M.A.) ist eh. Vorstandsmitglied des Marburger Literaturforums, in dessen Auftrag sie die gleichnamige Tagung geleitet haben.  

Aus der Kritik:

Ein äußerst erhellender Tagungsband und es sollten mehr Betrachtungen dieser Art vorgelegt werden.
Sigrid Strohschneider-Laue in „milena“ (www.milena.at, 28.6.2004)

Spannend [...] sind die gleich zu Beginn angesprochenen Fragen nach den Unterschieden zwischen männlicher und weiblicher Erotik und einer Definition von Erotik in Abgrenzung zur Pornographie. [...] [D]ie Lust, sich selbst mit dem einen oder anderen vorgestellten Text zu beschäftigen, ist [nach der Lektüre dieses Buches] geweckt.
Andrea Zimmermann in „schlangenbrut. zeitschrift für feministisch und religiös interessierte frauen“ (August 2005)