Gislinde Seybert (Hg.)

„Das Liebeskonzil“
„Le Concile d’amour“

Literarische Liebe und metaphorisches Begehren
Amour littéraire et désir métaphorique


2004, ISBN 3-89528-409-2,
294 Seiten, kart. EUR 24,80
 

„Das Liebeskonzil“/„Le concile d’amour“ vereinigt in einem internationalen pluridisziplinären Kolloquium zwanzig Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus vier Ländern, um über die literarische Liebe nachzudenken: Wie sich literarische Liebe und metaphorisches Begehren/Amour littéraire et désir métaphorique darstellen als Reflexion über die Beziehung der Geschlechter.
Von der jüdischen Texttradition mit dem Hohelied Salomons bis zur Zeit nach dem Holocaust mit Edmond Jabès zeigt der Gang durch die Literaturgeschichte die zunehmende Erkenntnis über die diskursive Konstruktion und die rhetorisch-poetische Verfaßtheit der Liebe in ihren metaphorischen und metonymischen Gestaltungen. Bleibt der Rest des factum brutum der ‚beiden Epidermen‘, in denen immerhin gesellschaftlich geschaffene, rollen- und geschlechtsbedingte ‚Subjekte‘ stecken.
Die affectatio, Affektion, früher der Gottheit zugerechnet, muß – damit die Liebe weitergeht – das moderne und postmoderne Bewußtsein in imaginären und symbolischen Transformationen aus sich selbst erschaffen.

Inhalt:

  • Einführung
  • Eva Johanna Schauer, Hannover: Liebe oder die Suche nach der verlorenen Ganzheit. Die Mann-Frau-Beziehung als Konkretisierung des Absoluten in jüdischer Texttradition
  • Gisela Dischner, Hannover: Die Liebeslehre des Marsilio Ficino
  • Gabrielle Hiltmann, Basel: Les Passions de l’âme – Prinzessin Elisabeth von Böhmen und René Descartes
  • Gerhard Goebel, Frankfurt am Main: La Fontaine er-zählt
  • Barbara Rodt, Hannover: Die poetisch – geglückte, mißglückte – Sublimation sexueller Präferenzen in der Prosa von Wilhelm Heinse
  • Hans-Joachim Jürgens, Hannover: „Nur der Dichter versteht den Dichter…“ Liebe, Musik und Initiation im Werk E. T. A. Hoffmanns
  • Thomas Amos, Frankfurt am Main: CAVE AMANTEM. Die dämonische Liebende in der deutschen und französischen Romantik
  • Beatrice Didier, Paris: Stendhal et les Cours d’amour
  • Gislinde Seybert, Hannover: Das Textbegehren im Werk von George Sand
  • Laura Colombo, Verona: Ecce deus fortior me. La mystique de la passion dans l’écriture de Marie d’Agoult
  • Joseph-Marc Bailbé, Paris: Jules Janin poète de l’amour
  • Thierry Poyet, Lyon: Flaubert dans sa correspondance: de l’amour-fusion à la frénésie sexuelle
  • Annette Lavers, London: Décadence ou Libération? Le Roman érotique d’Aubray Beardsley, Venus et Tannhäuser
  • Annette Runte, Hamburg/Rouen: Daphne als Knäbin. Des Autors Liebe zu (s)einer Figur in Heimito von Doderers Jutta-Bamberger-Komplex
  • Carola Erbertz, Rouen: Nach dem Holocaust. Edmond Jabes’ Hohelied der Liebe. Überlegungen zum Verhältnis von Liebe und postmoderner Identität
  • Adam Opyrchal, Hannover: Irrungen und Wirrungen eines Untauglichen. Italo Svevos La novella del buon vecchio e della bella fanciulla
  • Françoise Retif, Rouen: Simone de Beauvoir et l’amour mystique
  • Christine Meyer, Hannover/New York: Roland Barthes: Fragments d’un discours amoureux
  • Lise Frenkel, Paris: Inconscient de l’amour, ou Amour de l’inconscient: De L’Annee dernière à Marienbad à C’est Gradiva qui vous appelle, de Alain Robbe-Grillet

Gislinde Seybert, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin in Hannover. Im Aisthesis Verlag erschienen Liebe als Fiktion. Studien zu einer Literaturgeschichte der Liebe von Petrarca bis Simone de Beauvoir (1995); (Hg. zus. m. Gisela Schlienz) George Sand – jenseits des Identischen/au delà de l’identique (2000) und (Hg.) Das literarische Paar/Le couple littéraire. Intertextualität der Geschlechterdiskurse/Intertextualité et discours des sexes (2003).