Ute Promies

Karl Gutzkow – Romanautor und kritischer Pädagoge

2003, ISBN 3-89528-388-6,
332 Seiten, kart. EUR 40,-


Karl Gutzkow als Schriftsteller und politischer Pädagoge – das ist unter Literaturhistorikern eine noch unbekannte Größe. Diese Arbeit schließt eine Forschungslücke und erweist sich als interdisziplinäres Unternehmen, von der auch die Pädagogik als Wissenschaft profitiert. Sie entdeckt Gutzkow als kritischen Pädagogen und Pestalozzianer, der im übrigen – entgegen der bisherigen Ansicht – einer der wenigen deutschen Schriftsteller ist, die nach der gescheiterten Revolution 1848/49 ihren ursprünglich liberalen Gedankengut treu geblieben sind. Dabei zeigt sich Gutzkow als profunder Kenner der bürgerlichen Pädagogik, ihrer Theorie wie ihrer Praxis. Die erzieherischen Ideen der beiden Aufklärer Basedow und Pestalozzi wie auch die Wirkungsgeschichte dieser Ideen sind in seinen Romanen Blasedow und seine Söhne (1838) und Die Söhne Pestalozzis (1870) nachgezeichnet und werden von ihm kritisch hinterfragt. Die Analyse der Zeitgenossen (1837) macht den Essayisten Gutzkow zum Kommentator seines Romanschaffens und zeigt, inwiefern Gutzkow Pädagogik und Politik miteinander verbindet. Aber auch die Kaspar-Hauser-Rezeption kommt in dieser Arbeit zur Sprache, da Gutzkow den geheimnisumwitterten Kaspar Hauser zum Mittelpunkt seines späten Romans Die Söhne Pestalozzis erhebt. Heinrich Laube hat übrigens Gutzkows Befähigung für Pädagogik früh erkannt: „Wenn ferner von Mitteln und Wegen die Rede sein soll“, bemerkt er 1839 über Gutzkows Schriftstellerei, „dann sei vor Allem die Pädagogik in Vordergrund gestellt, zu der alle kritischen Talente sich gewendet haben. […] Gutzkow ist im seltenen Glücke seiner Schrift, wenn er das pädagogische Interesse berührt, und in all seinen Büchern ist es die sichtbare oder unsichtbare Lebensader.“

Inhalt:

  • Danksagung
  • I. Einleitung
  • II. Gutzkows früher Roman Blasedow und seine Söhne – ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte des Pädagogen Johann Bernhard Basedow
  • 1. Literarische Analyse
  • 2. Historische Hintergründe des Romans
  • 3. Die Romanfigur „Blasedow“
  • 4. Literarisches Vorbild für Gutzkow: Gottlieb Schummels Satire Spitzbart (1779)
  • 5. Johann Bernhard Basedows Pädagogik
  • 6. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Blasedow und Basedow
  • 7. Die Pädagogik Basedows im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Autoren
  • III. Gutzkows Kritik an der Pädagogik in den Zeitgenossen (1837)
  • 1. Die Gesellschaft
  • 2. Die gelehrte Bildung
  • 3. Die Volksbildung
  • IV. Gutzkows Roman Die Söhne Pestalozzi’s (1870)
  • 1. Literarische Analyse
  • 2. Pestalozzis Pädagogik und seine Rezeption im 19. Jahrhundert
  • 3. Gutzkows Schulrat Bögendorf und sein Vorbild Karl Friedrich Bormann
  • 4. Karl Justus Blochmann – Gutzkows historisches Vorbild für seine Romanfigur Lienhard Nesselborn
  • 5. Lienhard Nesselborn: der progressive Erzieher in Gutzkows Roman
  • 6. Kaspar Hauser – das Ideal unentfremdeten Lebens
  • V. Gutzkows pädagogisches Ideal, auch die Weiblichkeit betreffend
  • VI. Schlußwort
  • VII. Unveröffentlichte Briefe von Karl Gutzkow und Ludmilla Assing
  • VIII. Literaturverzeichnis
  • Register

Ute Promies, Jahrgang 1959, studierte Pädagogik, Psychologie, Soziologie sowie Sprach- und Literaturwissenschaft an der TU Darmstadt. Langjährige Mitarbeit an den Kommentarbänden I und II der Georg-Christoph-Lichtenberg-Ausgabe des Hanser-Verlags. Promotion 2001 an der Universität Bremen. Lebt in Darmstadt.
  

Aus der Kritik:
In zweierlei Hinsicht schließt die Arbeit von U. Promies Lücken in der bisherigen Gutzkow-Forschung: 1. Es werden Texte untersucht, die bisher nur selten Gegenstände der Forschung waren; 2. Mit der Frage nach G.s Bedeutung als Pädagoge wird eine offene Problematik des Werkes von G. bearbeitet.
Peter Hasubek in „Germanistik“ (2004/Heft 3/4)