Anna Opel

Sprachkörper  

Zur Relation von Sprache und Körper in der zeitgenössischen Dramatik – Werner Fritsch, Rainald Goetz, Sarah Kane

2002, ISBN 3-89528-369-X,
194 Seiten, kart. EUR 24,50
 

 

Vor dem Hintergrund eines sich in den 80er Jahren abzeichnenden radikalen Bruchs mit dramatischen Konventionen (wie Figur, Handlungszusammenhang und Schaffen eines fiktiven Szenenkontextes) in den Theatertexten etwa von Heiner Müller und Elfriede Jelinek werden in der vorliegenden Untersuchung Theaterstücke der drei exponierten zeitgenössischen Autoren Werner Fritsch, Rainald Goetz und Sarah Kane einer intensiven Sprachanalyse unterzogen. Ein Ziel der Untersuchung ist es, die Konsequenzen dieses Traditionsbruchs für die aktuelle Theaterästhetik zu bestimmen. Der Arbeit liegt die These zugrunde, daß in den neueren Theatertexten die Figur als psychologische oder charakterliche Entität verdrängt wird von abstrakter konzipierten, vor allem sprachlich motivierten Formationen. Zur Bestimmung dieser Innovation wird der Begriff ‚Sprachkörper‘ eingeführt.
Erstmals wird hier ein wissenschaftlicher Zugriff auf die Gesamtwerke der genannten Dramatiker geleistet. An die Einführung in das jeweilige Gesamtwerk schließt sich die detaillierte Analyse eines exemplarischen Stückes an. Lektüreerfahrungen werden mit Beobachtungen bei Theaterinszenierungen der Texte konfrontiert. Daraus erschließen sich – trotz der ästhetischen Bandbreite, die sich aus der Verschiedenheit der dramatischen Entwürfe ergibt – signifikante Tendenzen einer aktuellen Theaterästhetik.

Inhalt:

  • I. Einleitung
  • 1. Fragestellung
  • 2. Methode
  • 3. Forschungsstand
  • 4. Materialauswahl
  • II. Werner Fritsch
  • 1. Autor, Werk, Rezeption
  • 2. Wondreber Totentanz
  • 2.1. Thematische Ebene
  • 2.2. Rhythmik
  • 2.3. Nebentext
  • 3. „Der Sprache einen Körper zurückgeben“
  • 4. Sprachkörper und Chor
  • 5. Theaterästhetik
  • III. Rainald Goetz
  • 1. Autor, Werk, Rezeption und Forschungsstand
  • 2. Krieg
  • 2.1. Thematische Ebene
  • 2.2. Rhythmik
  • 2.3. Nebentext
  • 3. „Ich möchte, daß mein Denken Fleisch ist und nicht / Fleisch mein Denken“
  • 4. Sprache als Partitur
  • 5.1. Theaterästhetik
  • 5.2. Inszenierungen
  • IV. Sarah Kane
  • 1. Autorin, Werk, Rezeption
  • 2. Cleansed
  • 2.1. Thematische Ebene
  • 2.2. Rhythmik
  • 2.3. Nebentext
  • 3. Buchstäblichkeit
  • 4. „Eine vollkommen realistische Wahrnehmung“
  • 5.1. Theaterästhetik
  • 5.2. Inszenierungen
  • V. Schluß
  • VI. Literatur

Anna Opel studierte Geschichtswissenschaften und Theaterwissenschaft in Tübingen und Berlin. Nach eigener Theaterarbeit an der freien Spielstätte Theaterdock in Berlin-Moabit und einem Lehrauftrag am Institut für Theaterwissenschaft war sie Dramaturgieassistentin am Deutschen Theater Berlin. Sie arbeitet in Berlin als freie Dramaturgin und als Lektorin für verschiedene Theaterverlage.

Aus der Kritik:
Mit diesem Buch liegt zweifellos ein zentraler Befund zum aktuellen Stand der Dramen-/Theaterästhetik vor, die an einigen der innovativsten DramatikerInnen – Fritsch, Goetz, Kane – dargestellt wird.
Günther A. Höfler in „Deutsche Bücher“ (2003, Heft 4)