Hartmut Steinecke / Iris Nölle-Hornkamp / Günter Tiggesbäumker (Hgg.)

Jüdische Literatur in Westfalen
Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur

Symposion im Westfälischen Literaturmuseum
Kulturgut Haus Nottbeck, in Oelde-Stromberg,
25. bis 27. Oktober 2002

Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen
Band 11


2004, ISBN 3-89528-467-X,
279 Seiten, kart. EUR 24,-
 

Selbst Kenner der westfälischen Literatur oder der deutsch-jüdischen Literatur wissen so gut wie nichts über jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Westfalen. Das zeigen noch die neuesten Literaturgeschichten und Lexika. Doch es gab und gibt diese Autorinnen und Autoren. Ihre Spuren wurden – aus Gleichgültigkeit wie aus Vorsatz – übersehen, vergessen, verdrängt, vertilgt. Im Jahre 2000 konstituierte sich an der Universität Paderborn unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Steinecke das Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Informationen und Materialien zu jüdischen Autor/innen mit biographischem Bezug zu Westfalen, die literarische, wissenschaftliche oder journalistische Schriften verfaßt haben, zu sammeln. Auf dieser Basis soll ein Archiv zur jüdischen Literatur in Westfalen entstehen, das als offenes Forum für weiterführende Diskussionen und Untersuchungen genutzt werden kann. Installiert wird eine Datenbank, die biographische Informationen, Bildmaterial, Zeugnisse zu den Autoren und Autorinnen enthält, und weitere Sekundärdatenbanken, in denen die Werke, Kommentierungen, Bibliographien verfügbar gemacht werden.
Den Auftakt der Arbeit markierte 2000 das Symposion »Jüdische Literatur in Westfalen. Vergangenheit und Gegenwart« (erschienen unter diesem Titel 2002 als Bd. 4 der Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen). Das zweite Symposion im Oktober 2002 zog eine erste Zwischenbilanz und bot mit Beiträgen über jüdische Autobiografien, jüdische Kultur und jüdische Kulturschaffende in und aus Westfalen Einblicke in jüdische Literatur und Kulturgeschichte dieser Region. Und es sichtete – anhand von Untersuchungen zu Ludwig Homann, Paul Schallück und Birgitta Arens – auch einzelne Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur.

Inhalt:

  • Hartmut Steinecke: Zur Einführung
  • Iris Nölle-Hornkamp: Erste Ergebnisse des Projekts Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen mit einer »Gebrauchsanweisung«für die Datenbank Jüdische Literatur in Westfalen

  • Jüdische Literatur in Westfalen – Jüdische Autobiografien aus Westfalen
  • Irene Stratenwerth: Stille Tage in Wolbeck – Am Wendepunkt. Jakob van Hoddis in »Dr. Lackmanns Kurhaus«
  • Michael Vogt: »dann lesen wir vierhändig« – Über die Schriftstellerin Josefa Metz
  • Petra Renneke: Jakob Loewenberg und die »Kunstwart-Debatte«
  • Monika Minninger: »Im innersten Kern Jüdin geblieben« – Unveröffentlichte Kindheits- und Jugenderinnerungen der Shoahüberlebenden Renate Kamp
  • Annet van der Voort und Volker Jakob: »Anne Frank war nicht allein«. Lebensgeschichten westfälischer Juden in den Niederlanden. Drei Interviews

  • Jüdische Kultur und Kulturschaffende in Westfalen
  • Ulrich Schmidt: »Kunst geht nach Brot« – Ein Interview mit Imo Moszkowicz über seine Arbeit bei Film, Fernsehen und Theater
  • Maria Kublitz-Kramer: Die Aktivitäten des Jüdischen Kulturbunds in Ostwestfalen
  • Marc von Miquel: Jüdische Lebenswege in Westfalen. Das Jüdische Museum Westfalen und seine neue Dauerausstellung zur westfälisch-jüdischen Geschichte

  • Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur
  • Ludwig Homann: Der weiße Jude
  • Walter Gödden: Der Dämon in uns. Ludwig Homanns Der weiße Jude
  • Jochen Grywatsch: Aufarbeitung – Dialog – Symbiose: Das Wirken Paul Schallücks für christlich-jüdische Verständigung
  • Siegfried Kessemeier: Eine Spur in Birgitta Arens’ Roman Katzengold

  • Anhang
  • Vorläufiges Verzeichnis der jüdischen Schriftsteller und Zeitzeugen in Westfalen
  • Einblicke in die Statistik der Datenbank zum Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen
  • Über die Herausgeber und Beiträger


    Hartmut Steinecke, Dr. phil. Dr. h.c., ist Professor für Neure deutsche Literatur an der Universität Paderborn. Er ist Gründer und Leiter des Jenny-Aloni-Archivs und Leiter des Projekts Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen.

    Iris Nölle-Hornkamp, Dr. phil., ist freie Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts
    Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen an der Universität Paderborn und Mitherausgeberin des Westfälischen Autorenlexikons 1750-1950.

    Günter Tiggesbäumker, Dr. phil., ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Paderborn.