Arnd Beise/ Ariane Martin/ Udo Roth (Hgg.)

LachArten

Zur ästhetischen Repräsentation des Lachens vom späten 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Kulturen des Komischen Bd. 1


2004, ISBN 3-89528-417-3,
325 Seiten, kart. EUR 29,80
 

Das Lachen ist seit jeher Gegenstand der wissenschaftlichen Reflexion gewesen, doch herrschte lange Zeit die Frage nach dem Wesen des Komischen oder das Bedürfnis nach anthropologischen Bestimmungen des Lachens vor. Die Beiträger dieses Sammelbands gehen dagegen von dem in Kunstwerken konkret auftauchenden Lachen aus, das sie kontextuell analysieren. Sie fragen nach der Inszenierung des Lachens und dessen Funktionalität in künstlerischen Zusammenhängen. Sie fragen, wie, wo, wann, von wem, über wen oder was und weshalb in den Werken gelacht wird; es geht um verschiedene Arten des Lachens in den Künsten als Ausdruck kultureller Prägungen, eben um „LachArten“.
Die Anzahl an Studien zur Lachkultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ist inzwischen stattlich zu nennen. Dagegen hat das Thema in der Kultur vom späten 17. bis zum 20. Jahrhundert – der Zeitraum, den die Beiträge des vorliegenden Bandes abdecken – bisher weniger Aufmerksamkeit erfahren. Der transdisziplinär angelegte Band vereinigt kulturhistorische Fallstudien zum Lachen in den Künsten von der Literatur über die Musik bis hin zum Bild von der Aufklärung bis zur Gegenwart.
Anregungen und Anknüpfungspunkte für die weitere kulturwissenschaftliche Erforschung des Lachens in künstlerischen Kontexten bietet eine Auswahlbibliografie internationaler Forschungen zum ‚Lachen‘ seit 1990.
Der Band eröffnet die von Friedrich W. Block, Helga Kotthoff und Walter Pape herausgegebene Reihe „Kulturen des Komischen“, die künftig der kulturwissenschaftlichen Forschung zum Komischen ein Forum bietet.

Inhalt:

  • Friedrich W. Block / Helga Kotthoff / Walter Pape: Kulturen des Komischen. Vorwort zur Reihe
  • Arnd Beise / Ariane Martin / Udo Roth: Vorwort
  • Arnd Beise / Panja Mücke: Böswillige Masse oder anarchische Menge, verblendet zumeist. Das Lachen des Chors in der Oper vom 17. Jahrhundert bis heute
  • Ariane Martin: Bald abgeklungenes „Lachfieber“ und die Possen eines Clowns. Über das Verschwinden des Lachens in der Rezeptionsgeschichte von J. M. R. Lenz
  • Ingo Breuer: Die Höflichkeit der Narren. Über Moralistik, Ökonomie und Lachkultur in der Frühaufklärung
  • Annette Graczyk: Mephistos Lachen. Zu Goethes Faust
  • Anne Fleig, Hannover: Grauenvolle Stimme. Das Lachen in E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann
  • Ulla Hofstaetter: „… nur noch als Haubenkopfstock“. Klopstock als Witztopos bei Heinrich Heine
  • Erkme Joseph: Spott – Wohlbehagen – Verzweiflung. Lachen in Wilhelm Raabes Erzählungen Frau Salome, Stopfkuchen und Die Akten des Vogelsangs
  • Anja Schonlau: Warum der Teufel Medizin studiert hat. Antidogmatisches Lachen in Oskar Panizzas Dramensatire Das Liebeskonzil
  • Udo Roth: Ein „dröhnendes Gelächter“. Paul Mongrés Lachen über das gar nicht lächerliche Duell(un)wesen der Kaiserzeit
  • Bernhard Schubert: Das boshafte Lächeln. Der Teufel und das Lachen in Thomas Manns Doktor Faustus
  • Anne Maximiliane Jäger: „Was uns interessiert, ist: der Hörer lacht“. Lachen, Witz und Parodie bei Robert Neumann
  • Hans Wisskirchen: Das Lachen in Zeiten des Krieges. Zur Schilderung von Zeitgeschichte in der Blechtrommel von Günter Grass
  • Ute Luckhardt: Undine lacht. Zum Lachen der weiblichen Wasserwesen bei Friedrich de la Motte Fouqué, Eduard Mörike und Ingeborg Bachmann
  • Kai Köhler: Unergründliches Lachen. Zum Bild-Text-Verhältnis in einigen Werken Bernd Pfarrs
  • Arnd Beise / Ariane Martin: Auswahlbibliografie ‚Lachen‘
  • Register

Arnd Beise, geb. 1964, Studium der Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, Grafik und Malerei. Lehrbeauftragter der Universitäten Marburg, Gießen, Leipzig und Karlsruhe.

Ariane Martin, geb. 1960, Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie. Professorin für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Mainz.

Udo Roth, geb. 1967, Studium der Germanistik und Geschichte. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gießen.


Aus der Kritik:
[…] Was er [der Band…] leistet, ist die Präsentation und Versammlung einer ganzen Reihe spannender Lektüren oder besser: Interpretationen, denn die breitgefächerten Beiträge (von der Oper des 17. Jahrhunderts bis zu den Cartoons von Bernd Pfarr) sind zwar transdisziplinär angelegt, dabei jedoch im Wesentlichen hermeneutischer Verfahren verpflichtet. […] Mit diesem Band, der die von Friedrich W. Block, Helga Kotthoff und Walter Pape neu herausgegebene Reihe Kulturen des Komischen eröffnet, lässt sich – und das ist auf jeden Fall ein Anschaffungsargument – hervorragend arbeiten: Er ist zum einen mit einem Register ausgestattet und wird zum anderen durch eine gut sortierte Auswahlbibliographie internationaler Forschung zu Theorien des Komischen und zum Lachen ergänzt.
Tina Pusse in „Freiburger Literaturpsychologische Gespräche. Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse“. Bd. 25: Lachen, hrsg. von Wolfram Mauser und Joachim Pfeiffer, Würzburg 2006, S. 312f.