|
Klaus Schuhmann
„Ich gehe wie ich kam: arm und verachtet.“
Leben und Werk Max Herrmann-Neisses (1886-1941)
2003, ISBN 3-89528-413-0,
276 Seiten, kart. EUR 29,80
|
 |
Obwohl mit einer zehnbändigen Werkausgabe bedacht, die vor mehr als einem Jahrzehnt erschien, gehört Max Herrmann-Neisse noch immer zu den zwar bedeutenden, aber fast vergessenen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Monographie möchte dazu beitragen, diesen Zustand zu ändern. Sie folgt einerseits den wichtigsten Lebensstationen des Autors von der schlesischen Provinz in die Metropole Berlin und ins Londoner Exil , ist aber mehr noch darauf bedacht, den viel zu oft nur als Lyriker wahrgenommenen Dichter in der Ganzheit seiner literarischen, publizistischen und autobiographischen Schriften ins Bild zu setzen und ihn in den Zeitläuften zu verankern, ohne die seine Werke nicht verstanden werden können.
Der Verfasser gibt nicht nur eine profunde Einführung in die Lyrik Herrmann-Neisses, er geht seinem Wechsel zum Epischen nach, der ihn erst zur Erzählung, dann zum Roman führt; er situiert ihn in der literarischen Landschaft der Weimarer Republik mit den am weitesten gefächerten Aktivitäten des Dichters im Spannungsfeld von Politik und Literatur; er folgt ihm in die grauen Jahre des Londoner Exils, in denen Max Herrmann-Neisse seinem „Leiden an Deutschland“ Ausdruck gab.
Inhalt:
- I. „Nach dem Gesetz, wonach du angetreten“ – Lebenslinien im Werk Max Herrmann-Neisses
- II. Selbstfindung in der literarischen Provinz – Max Herrmann in Neisse (1900-1905)
- 1. Gelegenheitsdichtung als Haus- und Gymnasialpoesie
- 2. „Das kleine Leben“ – Liebesfreud und Liebesleid im Heine-Ton
- 3. Männliche Selbstbilder – Krüppel, Stromer, Dichter
- 4. Die Schule der Frauen – zwischen Jungfrau und Dirne
- 5. Sexuelle Selbstverwirklichung zwischen Voyeurismus und Onanie
- III. Zwischen Provinz und Großstadt – Lehr- und Wanderjahre in Breslau, München und Berlin (1906-1914)
- 1. Suchbewegung zwischen Ideal („Franziskus“) und Wirklichkeit („Porträts aus der Theaterprovinz“)
- 2. „Neisse mit tausend multipliziert“ – Aufbruch nach Berlin
- 3. Die schlesische Laura – „Sie und die Stadt“ (1914)
- 4. „Mars regiert die Stunden“ – Deutschland am Vorabend des Ersten Weltkrieges
- IV. Die Prosa des dritten Lebensjahrzehnts – zwischen Roman und Erzählung („Cajetan Schaltermann“ und „Hilflose Augen“)
- V. Umbruch und Neubeginn in Berlin – vom Theaterkritiker zum freien Schriftsteller (1917-1919)
- 1. „Verirrt in dieser Fremdheit Not“ – Lebens- und Sinnkrise im Gedichtbuch „Empörung + Andacht Ewigkeit“ (1918)
- 2. Max Herrmann-Neisse im Umfeld des deutschen Expressionismus
- 3. Die Forderung des Tages – Von der literarischen Rezension zum politischen Statement
- 4. Theaterstadt Berlin – Reflexionen über zeitgenössisches Theater
- 5. Verspätete Ankunft auf der Bühne – „Joseph der Sieger“ und andere Stücke
- VI. Zwischen Aufbruch und Resignation – Max Herrmanns literarisches Schaffen in der Zeit der Weimarer Republik
- 1. Programme, Gruppen, Positionen – im Spannungsfeld von Politik und Literatur
- 2. „Die bürgerliche Literaturgeschichte und das Proletariat“
- 3. Das Tagwerk der Literaturkritik
- 4. „Im Stern des Schmerzes“ – Lyrik der mittzwanziger Jahre
- 5. Alltag eines Dichters in Berlin – Leben zwischen Bürgern und Künstlern
- 6. Gedichte ohne Verleger: Das „Sowieso“ – Literatur im Visier der Zensur
- 7. Der Lockruf des Kabaretts: Textschreiber, Kritiker, Autor
- 8. Noch einmal Theater – der Komödienschreiber meldet sich zurück
- 9. Das Radio ruft – Hörspielwerkstatt Sender Breslau
- VII. Vergebliche Fluchtversuche und unaufhaltsame Untergänge – Prosa der zwanziger Jahre
- „Der Flüchtling“
- „Die Begegnung“
- „Lucie und Maria“
- „Das Experiment“
- „Die Klinkerts“
- „Der Todeskandidat“ und andere Endspiele in Prosa
- „Er endete in Sachsen“
- „Der Egoist“
- VIII. Zwischen „Herbststunden“ und „Wintertod“ – Abschied von der Welt im Gedicht
- IX. Leben und Schreiben im Exil
- 1. Zwischen Odeon und Zürichhorn
- 2. Im britischen Nebel – Orientierung in der Fremde
- 3. Zum letzten Mal Essayist – „Der Fall Freiligrath“
- X. Heimatroman fern der Heimat – „Die Bernert-Paula“
- XI. „Um uns die Fremde“ und andere postum erschienene Lyrikbände – Gedichte im Londoner Exil
- XII. Fragment und Epilog – „Eine unglückliche Liebe“
- XIII. Epilog zum Epilog
- Literaturverzeichnis
Klaus Schuhmann, geb. 1935, war von 1975 bis 1998 ordentlicher Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Leipzig. Publikationen u.a.: „Der Lyriker Bertolt Brecht 1913-1933“ (Berlin 1964/München 1971), „Untersuchungen zur Lyrik Bertolt Brechts. Themen, Formen, Weiterungen“ (Berlin 1973 u. 1977), „Weltbild und Poetik“ (Berlin 1979), „sankt ziegensack springt aus dem ei. Texte, Bilder und Dokumente zum Dadaismus in Zürich, Berlin, Hannover und Köln“ (Leipzig 1991/Moskau 2002), „Lyrik des 20. Jahrhunderts. Materialien zu einer Poetik“ (Reinbek 1995), „Walter Hasenclever, Kurt Pinthus und Franz Werfel im Leipziger Kurt Wolff Verlag (1913-1919)“ (Leipzig 2000), „Freude, schöner Spötterfunken. Friedrich Schiller in Parodien, Wider-Reden und Kontrafakturen“ (Berlin 2001).
|