Marcus Kreikebaum

Heiner Müllers Gedichte  


2003, ISBN 3-89528-385-1,
399 Seiten, kart. EUR 44,80
 

 

Gedichte haben Heiner Müller stets begleitet. Bereits in den fünfziger Jahren entstanden eine Anzahl von Gedichten, von denen allerdings nur wenige in der DDR veröffentlicht wurden. Den ganzen Umfang seines etwa 320 Gedichte umfassenden Werks machte erst deren posthume Herausgabe im ersten Band der neuen Werkausgabe sichtbar.
Die vorliegende Untersuchung stellt die Gedichte erstmals im Kontext ihrer Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte vor. Es werden rund fünfzig Gedichte in Form von Reihen, Zyklen und dramatischen Montagen ausführlich kommentiert. Von entscheidender Bedeutung ist dabei Müllers Umgang mit der Geschichte als Zeiterfahrung. Durch ihn lassen sich seine Texte als fortgesetzte Versuchsreihe einer Vermittlung zwischen Geschichte und Gegenwart im Spannungsfeld von Politik und Kunst betrachten. Besondere Beachtung schenkt die Studie den lebenslangen Bezügen Müllers auf bestimmte Motive, Werke und Autoren, allen voran Bertolt Brecht. Dargestellt wird, wie der Autor in seinen Gedichten Metaphern für seine spezifischen Leseakte findet, die spätere dramatische Bearbeitungen oft schon im Kern enthalten. Die beiden Leitmotive seines späten Gedichtswerks sind die Beschäftigung mit der deutschen Wiedervereinigung vor dem Hintergrund der römischen Geschichte und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Diese ‚Abschiedstexte‘ stellen ein, in dieser Form wohl einzigartiges, lyrisches Vermächtnis dar.

Inhalt:

  • Danksagung
  • Vorbemerkung
  • I. Heiner Müllers Arbeit am Gedicht. Forschungsstand. Methodologische Überlegungen
  • II. Gedichte in der Werkausgabe des Rotbuch-Verlags
  • 1. Zu Müllers Werdegang bis zum Erscheinen der Rotbuchausgabe
  • 2. Zur Entstehung und den Editionsprinzipien der frühen Rotbuchausgabe
  • 3. Gedichte aus den „Geschichten aus der Produktion 1“: LEKTIONEN: „Zwei Briefe“. „Brecht“. „Majakowski“.
  • 4. Gedichte aus den „Geschichten aus der Produktion 2“: „Bilder“. „Traktor“.
  • 5. Gedichte aus „Die Umsiedlerin“: LEKTIONEN: „Fleischer und Frau“. „Medeaspiel“. „Horaz“. „Geschichten von Homer“. „Ulyss“. „Selbstbildnis am 20. August 1959 zwei Uhr nachts“. „Projektion 1975“.
  • 6. Gedichte aus „Theaterarbeit“: GLÜCKSGOTT: „Orpheus gepflügt“. „Soldatenbraut. (Nach Urs Graf)“. „Er war der Erste Beste“. „Napoleon zum Beispiel“. „Der Glücklose Engel“.
  • 7. Gedichte aus „Germania Tod in Berlin“: Die Reihe „ABC“: „Lach nit“. „Zwischen ABC und Einmaleins“. „Das eiserne Kreuz“. „Die Bauern“. „Hundert Schritt“. „Schotterbeck“. „Philoktet 1950“. „Die Reise“. „Der Vater“. „Allein mit diesen Leibern“. „Gestern an einem sonnigen Nachmittag“. „Todesanzeige“. AUSREISEN: „Motiv bei A.S“.
  • III. Gedichtveröffentlichungen ab 1989
  • 1. Gedichte aus „Shakespeare Factory 2“: AUSREISEN 2/3/4/5: „Zahnfäule in Paris“. „NachtzugBerlinFriedrichstrasseFrankfurtMain“. „Bei der Vorbeifahrt am Schlosspark Charlottenburg“. „Manchmal wenn ich meine Privilegien genieße“. „Beim Wiederlesen von Alexander Fadejews „Die Neunzehn“. Zu den Bildmaterialien des Zyklus.
  • 2. Die Sammlung „Gedichte“ des Alexander-Verlags: Die Reihe „1989…“: Leichter Regen auf leichtem Staub“. „Fernsehen“. „Herz der Finsternis Nach Joseph Conrad“. „Selbstkritik 2 Zerbrochener Schlüssel“. „Glückloser Engel 2“. „Herakles 13“.
  • 3. Römische Gedichte: „Rechtsfindung“. „Feldherrengefühle“. „Klage des Geschichtsschreibers“. „Senecas Tod“. „Mommsens Block“.
  • 4. Abschiedsgedichte: „Herzkranzgefäss“. „Das Glück der Angst“. „im spiegel mein zerschnittener körper“. „auftauchen aus der isolierstation“. „Ende der Handschrift“. „im schädel königreiche universen“.
  • 5. Grabstein und „Stimme Brecht“
  • Anhang
  • 1. Die Gedichte in der Reihenfolge ihrer Erstveröffentlichungen
  • 2. Literaturverzeichnis

Marcus Kreikebaum (geb. 1964) promovierte mit dieser Untersuchung im Rahmen des Graduiertenkollegs „Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung“ an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Von 1999-2001 war er als Schauspieldramaturg am Staatstheater Darmstadt tätig. Seitdem arbeitet er als freier Dramaturg, Autor und Redakteur.

Aus der Kritik:
[Die vorl. Studie macht] das Einzelgedicht jeweils als Element eines in verschiedenen Schichten sich vollziehenden künstlerischen Arbeitsprozesses begreifbar.
Norbert Otto Eke in „Germanistik“ (2003, Heft 3-4)