Corinna Hübner

Raoul Hausmann:
Grenzgänger zwischen den Künsten  

Eine Untersuchung zur Grenzüberschreitung zwischen Kunst und Literatur als künstlerisches Gestaltungsprinzip in Raoul Hausmanns Werk während der dadaistischen Phase

2003, ISBN 3-89528-404-1,
176 Seiten, Abb., kart. EUR 34,-
 

 

Raoul Hausmann, bekannt als Künstler, Schriftsteller und Philosoph des Berliner Dadaismus, experimentiert zeitlebens mit Kunstverfahren, die die tradierten Kunst- und Gattungsdefinitionen in Frage stellen. Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Gestaltungskonzept der Grenzüberschreitung von Kunst und Literatur anhand der dadaistischen Werke Hausmanns. Die grenzüberschreitende Technik tritt in seinen Collagen, Montagen und visuellen Poesien der Dada-Zeit am konsequentesten auf und bestimmt sein weiteres künstlerisches Gestalten. Diese Arbeiten sind Gegenstand der Untersuchung.
Die intermedialen Gestaltungsformen der dadaistischen Zeit wirken in die Kunstkonzepte der 60er und 70er Jahre und bis in die intermedialen Crossover zeitgenössischer Kunst hinein. So ist diese Analyse nicht nur Spurensuche historischen Materials, sondern bietet zugleich Anregung für den aktuellen Diskurs über zeitgenössische Kunst.

Inhalt:

  • 1. Einleitung
  • 2. Forschungsstand und Rezeptionsgeschichte zu Hausmann
  • 2.1. Raoul-Hausmann-Forschung
  • 2.2. Hausmanns „(Nicht-)Rezeptionsgeschichte“: zwischen verspäteter Rehabilitation und Verleumdung?
  • 3. Zum Ausgangspunkt der avantgardistischen Grenzüberschreitungen
  • 3.1. Das bürgerliche Kunstverständnis und die Trennung der Künste
  • 3.2. Die Trennung der Künste – ästhetisch begründet: Lessings „Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie“
  • 3.3. Hierarchie der Künste und Gattungen
  • 3.4. „Gesamtkunstwerk“: intermediale Zusammenführung der Künste oder frühe Form der Kunstvermischung?
  • 3.5. Zwischenbilanz
  • 4. Raoul Hausmanns Auseinandersetzung mit den Künsten: Auflösung der traditionellen Kunstgrenzen
  • 4.1. Raoul Hausmann: künstlerisch
  • 4.1.1. Zwischen Akademismus und Kunsthandwerk
  • 4.1.2. Entgrenzungstendenzen innerhalb der bildenden Kunst
  • 4.1.2.1. Die ersten Jahre: Abkehr von wissenschaftlicher Optik und Naturalismus, Verzerrung der Perspektive
  • 4.1.2.2. Raoul Hausmann: kubistisch – Auflösung von Perspektive und Illusionismus
  • 4.1.2.3. Tendenzen zur Abstraktion: ein Verlust des Gegenständlichen
  • 4.1.2.4. Das neue Material der Malerei: die letzte Etappe der Entgrenzung
  • 4.1.3. Resümee
  • 4.2. Raoul Hausmann: literarisch
  • 4.2.1. Zwischen Literatur und Kalligraphie
  • 4.2.2. Hausmanns Sprachkritik – Gegenentwurf zur bürgerlichen Schrift- und Sprachkultur und theoretische Begründung der literarischen Entgrenzung
  • 4.2.3. Erste Entgrenzungen innerhalb der literarischen Gattung
  • 4.2.3.1. „Mistgrube“: Angriff auf Schriftbild und Syntax
  • 4.2.3.2. „grün“: fortschreitende Auflösung der Wort- und Satzsemantik und Integration onomatopoetischer Wörter
  • 4.2.3.3. Lautpoesie – phonetisch: Entsemantisierung und -funktionalisierung der Sprache, Destruktion der mimetischen und semiotischen Funktion
  • 4.2.4. Resümee
  • 5. Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten
  • 5.1. Exkurs: Neue Typographie – eine Fusion von Schrift und Bild
  • 5.2. Grenzüberschreitung von Literatur zu Kunst: Ikonisierung der Sprache
  • 5.2.1. Lautpoesie – optophonetisch
  • 5.2.2. Das Plakatgedicht
  • 5.2.3. Auswertung: Grenzüberschreitung durch optophonetisches Gedicht und Plakatgedicht
  • 5.2.3.1. Grenzüberschreitung in optophonetischer Poesie: eine Synthese der Sinne
  • 5.2.3.2. Optophonetische Poesie: ein Gesamtkunstwerk?
  • 5.2.3.3. Optophonetische Poesie: Synthese von Raum und Zeit
  • 5.2.3.4. Optophonetische Poesie: eine Synthese von Materie und Geist?
  • 5.2.4. Resümee
  • 5.3. Grenzübertritt von Kunst zu Literatur: „Lingualisierung der Kunst“
  • 5.3.1. Collage oder Klebebild: mit literarischem Material Bilder gestalten
  • 5.3.1.1. „Dr. Max Ruest“ oder „Portrait eines Dienstmannes“: ein Klebebild-Portrait
  • 5.3.1.2. Prinzip „Collage“
  • 5.3.1.3. Rezeption der Collage: Negation von Sinn und Einheit
  • 5.3.1.4. Wahrnehmungsvorgang: Synthese zwischen Lesen und Sehen
  • 5.3.1.5. Text im Bild: Lingualisierung der Kunst
  • 5.3.2. Fotomontagen: Kombinationen aus Bild und Text
  • 5.3.2.1. „Dada Cino“: eine Fotomontage
  • 5.3.2.2. Die Fotomontage: Medium eines neuen Sehens
  • 5.3.2.3. „Sprache dringt ins Bild“: Wort und Text in der Fotomontage
  • 5.3.3. Wenn die Kunst mit der Literatur…: Auswertung der Grenzüberschreitung
  • 5.3.3.1. Fotomontage: eine Raumkunst?
  • 5.3.3.2. Die grenzüberschreitende Montage: eine „geistige“ Kunstgattung?
  • 6. Resümee
  • 7. Schluss
  • 8. Ausblick
  • 9. Abbildungsnachweis
  • 10. Literaturliste

Corinna Hübner, Jahrgang 1971, studierte Deutsche Sprache und Literaturwissenschaft, Kunst- und Kulturwissenschaft in Bremen und London. 2000 Forschungstätigkeit am Studienzentrum Künstlerpublikationen Universität Bremen/Neues Museum Weserburg. Seit 2001 Projektleiterin und Pressereferentin.