Sabine Gottgetreu, geb. 1966, lehrt an der Universität zu Köln, seit 1996 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Veröffentlichung zur feministischen Filmtheorie, Aufsätze zu film- und kulturtheoretischen Ansätzen und zuletzt zum weiblichen Kinostar. Promotion 1999 mit der vorliegenden Arbeit. Aus der Kritik:
Sabine Gottgetreu
Der Arztfilm
Untersuchung eines filmischen Genres
2001, ISBN 3-89528-328-2,
395 Seiten, kart. EUR 34,80

Das Interesse an der Medizin entfaltet sich in den 1990er Jahren in Kommunikation und audiovisuellen Medien, die ihr Handeln sowohl von ihren weitgefächerten Möglichkeiten als auch von ihren Grenzen her bemessen. Die Serienwelten des Fernsehens sind nicht ablösbar von den filmischen Erzählmustern, die Themen und Konzepte der Medizin in der Geschichte des deutschen Films seit den 1930er Jahren kulturell überformen. Was und wie in den Fiktionen dargestellt und einer spezifischen Wahrnehmung erschließbar wird, darüber entscheiden neben den technischen Optionen der Gestaltung auch die Rahmenbedingungen, die in einer Gesellschaft gelten. Aufbauend auf der angloamerikanischen Theoriebildung zu Genres zeichnet die Studie die historische Entwicklung des deutschen Arztfilms nach und fragt nach den Prozessen der Auswahl, der Verknüpfung und der Sinnbildung, aus denen unterschiedliche Varianten und Strömungen hervorgehen.
Das mediale Interesse an Medizin und an ihrer fiktionalen Personalisierung durch Ärzte ist ungebrochen. Schließlich geht es in diesem Zusammenhang immer um Leben und Tod. Gottgetreu untersucht in ihrer Dissertation medizinische Dramen in Deutschland seit den dreißiger Jahren. In einem ersten Teil entwickelt sie Ansätze zur Typologie und Stilistik des Arztfilms mit Thesen zur Rhetorik der Lebensrettung, zu Konstruktionen der Todeserfahrung, zur Krankheit als Metapher, zum Geschlechterverhältnis und zur medialen Gestaltung von Körperlichkeit. Filmbeispiele werden hier sparsam zitiert, es überwiegt der Literaturbericht. Im zweiten Teil untersucht die Autorin Entwicklungstendenzen des Arztfilms in Deutschland und andernorts seit 1936. Ein umfängliches Literaturverzeichnis und eine Filmliste beschließen den Band, ein Register fehlt. Der gesamte Text ist, trotz vieler umständlicher Abstraktionen, spannend und taugt für ein Weiterdenken.
In "Filmgeschichte 16/17", Juni 2002