Axel Dunker (Hg.)

(Post-)Kolonialismus und Deutsche Literatur

Impulse der angloamerikanischen Literatur- und Kulturtheorie


2005, ISBN 3-89528-479-3,
287 Seiten, kart. EUR 29,80
 

Edward W. Said hat die These vertreten, es sei gerade die Literatur, die den Kolonialismus als selbstverständlichen und im emphatischen Sinne gar nicht wegzudenkenden Bestandteil des Bildes von der Welt zumindest im 19. Jahrhundert inszeniert habe. Er hat Methoden entwickelt für eine Lektüre gegen den äußeren Schein, die den Schleier hebt und darunter sichtbar macht, daß die Literatur nicht nur integraler Bestandteil der auch kulturellen Idee ‚Kolonialismus‘ war, sondern genauso auch die Mechanismen darstellt, mit denen das koloniale System funktionierte. Die angloamerikanische Theorie des Postkolonialismus hat die wesentlichen Impulse dafür gegeben, daß es nun auch in der deutschen Forschung möglich ist, mit diesem Ansatz Texte des Kanons neu zu lesen, fast vergessene Texte neu zu positionieren und scheinbar marginale Texte kanonischer Autoren neu wahrzunehmen und zu bewerten.

Inhalt:

  • Axel Dunker: Einleitung
  • Herbert Uerlings: Kolonialer Diskurs und Deutsche Literatur. Perspektiven und Probleme
  • Jochen Dubiel: Manifestationen des ‚postkolonialen Blicks‘ in kultureller Hybridität
  • Hansjörg Bay: Germanistik und (Post-)Kolonialismus. Zur Diskussion um Kleists Verlobung in St. Domingo
  • John K. Noyes: Goethes Weg in die Kolonien. Bildung, Mobilität und das Recht auf den Kolonialismus in der Spätaufklärung
  • Uwe Schwagmeier: „Alle Künste, die Falkenauge in seinen besten Momenten geübt“. Der ‚Kolonialismus der Phantasie‘ und der Wunsch, Indianer zu werden: Theodor Fontane und James Fenimore Cooper
  • Axel Dunker: „Gehe aus dem Kasten“. Modell einer postkolonialen Lektüre kanonischer deutschsprachiger Texte des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Wilhelm Raabes Roman Stopfkuchen
  • Dirk Göttsche: Kolonialismus und Interkulturalität in Peter Altenbergs Ashantee-Skizzen
  • Wolfgang Struck: „Ein renegatisches Machtabenteuer unter den Negern“. Der phantasierte Kolonialismus der literarisches Moderne in Deutschland
  • Alexander Honold: Kafkas vergleichende Völkerkunde: Beim Bau der chinesischen Mauer
  • Paul Michael Lützeler: Erfahrung und postkolonialer Blick: Zu Romanen von Timm, Born und Grass
  • Monika Albrecht: Gegenwartsliteratur aus postkolonialer Sicht. Micheal Krüger: Himmelfarb und Jeannette Lander: Jahrhundert der Herren
  • Judith Ryan: Kolonialismus in W. G. Sebalds Roman Austerlitz
  • Zu den AutorInnen

Axel Dunker, Dr. phil. habil., ist Hochschuldozent an der Universität Mainz.

Aus der Kritik:
Der von Axel Dunker [...] herausgegebene Band [...] hat [...] den Vorteil, eine praktische Anwendung postkolonialer Theoreme in der deutschen Literaturwissenschaft als Desiderat der Forschung behandeln und so auf einem hohen selbstkritischen Differenzierungsniveau neu einführen zu können. [...] Insgesamt bietet Dunkers Band [...] ein vielschichtiges Bild (post-)kolonialer Aspekte in der deutschen Literatur und ist damit als begrüßenswerter Beitrag zu einer literaturwissenschaftlichen Debatte wertbar, die hierzulande mit jahrzehntelanger Verspätung erst in Ansätzen begonnen hat.
Jan Süselbeck in „Zeitschrift für deutsche Philologie“ (124/2005)

[...] Taken together, the various contributions demonstrate two broader points: that questions of colonialism and postcolonialism are more central to German literature than previously imagined, and that cross-cultural dialog can occur among scholars as well as in literary texts. At a time when the bipolar worlds of German ‚Germanistik‘ and North American German Studies have again been accused of going their seperate ways, it is encouraging to see evidence of productive exchange.
Todd Kontje in „Monatshefte“ (No. 3, 2007)