Jochen Grywatsch / Ortrun Niethammer (Hgg.)

Eine literarische Gesellschaft im 20. Jahrhundert

75 Jahre Annette von Droste-Gesellschaft (1928-2003)

Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 10

Kataloge und Dokumente II


2003, ISBN 3-89528-442-4,
498 Seiten, kart. EUR 38,-
 

Maßgeblich sorgen literarische Gesellschaften dafür, das Interesse an Literatur wach zu erhalten und durch neue Initiativen zu beleben.Sie tun dies durch Lesungen, Vorträge, Tagungen, durch Ausstellungen, Museen und Archive, durch Veröffentlichungen, Jahrbücher und Ausgaben.
Die Annette von Droste-Gesellschaft (Münster), die erste derartige Vereinigung, die sich einer Autorin widmet, besteht 2003 seit 75 Jahren. Dieses Jubiläum ist Anlass, zurückzublicken auf die in manchen Teilen unaufgearbeitete Geschichte einer Institution, die in der Kulturlandschaft Westfalens stets einen besonderen Platz eingenommen hat. Eckpunkte des Interesses sind die Funktionalisierung der Gesellschaft im Rahmen der nationalsozialistischen Kulturpolitik, über die bisher nur wenig bekannt war, sowie die stets enge Verbindung mit der Universitätsgermanistik in Münster. Dazu kommen die Würdigung herausragender Projekte, die die Gesellschaft initiiert und gefördert hat, wie das ‚Lyrikertreffen Münster ‘und die ‚Historisch-kritische Droste-Ausgabe ‘.Gleichzeitig geht es um die Frage einer Neu-Profilierung unter den stark veränderten Bedingungen der Gegenwart.
Der Band umfasst aufschlussreiche Ein-und Rückblicke, literarische Verarbeitungen und ironische Brechungen, anregende Ausblicke sowie eine Vielzahl von Abbildungen als Dokumentation der Jubiläumsausstellung.

Inhalt:

  • Jochen Grywatsch/Ortrun Niethammer: Einleitung

  • Chronologie I: 1928-1945
  • Karl Ditt: Die Kulturpolitik des Provinzialverbandes Westfalen und die Droste-Gesellschaft in den 1920/30er Jahren
  • Jochen Grywatsch: Zwischen Verehrung und Verirrung. Die Annette von Droste-Gesellschaft von ihrer Gründung 1928 bis zu ihrer Neukonstituierung 1946
  • Michael Aust: »Über dem westfälischen Schrifttum lag ein dichter Nebel«. Julius Schwering (1863-1941), Mitgründer der Droste-Gesellschaft und Pionier der westfälischen Literaturforschung
  • Jutta und Ulrich Wollheim: »Hat jeder doch sein eignes Blut«. Karl Schulte Kemminghausen – zwischen philologischer Anstrengung und ideologischer Anpassung
  • Gert Oberembt: Repräsentieren und Redigieren zum Wohl der »Volkskraft«. Die Dichterin a.D. Lulu von Strauß und Torney als Vorsitzende der Droste-Gesellschaft
  • Rolf Düsterberg: Die Neugründung der Deutschen Robert-Schumann-Gesellschaft in Zwickau 1943 mit Blick auf die Droste-Gesellschaft in Münster

  • Chronologie II: 1946-2003
  • Edda Baußmann: Die Droste-Gesellschaft in den Jahren von 1947 bis 1967
  • Gerhard Lauer: Die allmähliche Verfertigung einer modernen Klassikerin. Benno von Wiese, die Droste und die Droste-Gesellschaft
  • Stephanie Waldow: Clemens Heselhaus
  • Ernst Ribbat: Problematische Zeugnisse einer tiefen Verehrung. Zu den Jahrbüchern der Droste-Gesellschaft 1947 bis 1972
  • Bernd Kortländer: Boom-Jahre. Die Droste-Gesellschaft zwischen 1968 und 1978
  • Lothar Köhn: Die Droste-Gesellschaft 1979-2003

  • Orientierungen
  • Walter Gödden: Zwischen Tradition und Moderne. Der Droste-Preis nach 1945
  • Franz Schwarzbauer: »Im Geist der Droste«. Der Meersburger Droste-Preis und die Droste-Gesellschaft
  • Ortrun Niethammer: Profil und Kontur. Zeitgenössische Lyrik in der Droste-Gesellschaft
  • Jan-Dirk Grimstein: Zeitzeugengespräche. Interviews mit dem Ehrenvorsitzenden der Droste-Gesellschaft Rudolf Beisenkötter und dem 1. Vorsitzenden Winfried Woesler

  • Dokumentation
  • Exponate der Ausstellung zum 75-jährigen Jubiläum der Annette von Droste-Gesellschaft

  • Lesarten
  • Kampf der Halluzination. Ein Comic aus der Droste-Forschungsstelle (ca. 1972)
  • Axel Marquardt: Mehl und Hühnerfutter

  • Perspektiven
  • Renate von Heydebrand: Gedanken über die Zukunft der Droste-Gesellschaft
  • Joseph A. Kruse: Moorwanderungen und Rettungsversuche. Oder: Erlebnisvarianten zur Erlangung einer heiteren Lebensqualität. Erwartungen an eine literarische Gesellschaft, zumal an die Droste-Gesellschaft in Münster
  • Bernadette Spinnen: Anmerkungen zur Zukunft einer literarischen Gesellschaft in Münster
  • Winfried Woesler: Gegenwart und Zukunft der Droste-Gesellschaft im 75. Jahr ihres Bestehens

  • Anhang
  • Chronik der Droste-Gesellschaft
  • Schriften und Jahresgaben der Droste-Gesellschaft
  • Beiträgerinnen und Beiträger des Bandes
  • Abbildungsnachweis
  • Register

Aus der Kritik:
[...] Die Autoren, allesamt ausgewiesene Droste-Kenner und oft langjährige Mitglieder der Gesellschaft, zeichnen ebenso akribisch wie empirisch fundiert ein Bild von der organisationsgeschichtlichen Entwicklung der Gesellschaft entlang einzelner Epochen, ergänzt um kurze biographische Porträts der wichtigsten Akteure. Ein besonderer, auch quantitativ umfangreicher Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der Gründung der Droste-Gesellschaft und ihren Verstrickungen in der NS-Zeit. [...] Das Engagement und die Sorgfalt, mit dem die Bearbeiter des vorliegenden Bandes die Geschichte der Gesellschaft aufgearbeitet und mutig ihre zukünftigen Aufgaben umrissen haben, gibt auf jeden Fall zu der Hoffnung Anlass, dass sich dieser Wunsch erfüllen wird.
Andreas Pilger in „Westfälische Forschungen“ (55/2005)