Anita Bunyan/Helmut Koopmann (Hgg.)

Kulturkritik, Erinnerungskunst und Utopie nach 1848  

Deutsche Literatur und Kultur vom Nachmärz bis zur Gründerzeit in europäischer Perspektive II

2003, ISBN 3-89528-342-8,
356 Seiten, kart. EUR 45,-
 

 

Das 19. Jahrhundert ist wie kaum ein anderes in der Neuzeit ein Jahrhundert, das Kulturkritik übte und sich doch von der Kultur alles erhoffte. Kulturpessimismus und euphorische Zukunftshoffnungen prägten das Jahrhundert von den 30er Jahren an, Kulturkritik und Kulturutopien verbanden sich gegenseitig miteinander. Insgesamt aber überwogen wohl kulturkritische Haltungen, verbunden mit dem Bewußtsein, daß es mit der Kultur irgendwann zu Ende sei.
Dieser Band versammelt Beiträge der Forschungsgruppe ‚Deutsche Literatur und Kultur vom Nachmärz bis zur Gründerzeit in europäischer Perspektive‘, deren Ziel es war, literarische und kulturelle Kontinuitäten zu verfolgen, die sich von den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts bis hin zur Gründerzeit und manchmal darüber hinaus erstrecken. Die Beiträge befassen sich mit Fragen der Kulturtheorie und der Kulturkritik, damit, inwieweit sie sich aus dem nachliberalen ‚Spätbewußtsein‘ der zweiten Jahrhunderthälfte herausgebildet und sich mit Theorien des Fortschrittsglaubens auseinandergesetzt haben. Das Thema des Kulturpessimismus wird mit Problemen des Historismus in Verbindung gebracht, aber auch in Beziehung gesetzt zum eher unterschätzten Optimismus und utopischen Denken der zweiten Jahrhunderthälfte.

Inhalt:

  • Vorwort
  • Andrea Bartl: Strukturen der deutschen Literatur zwischen 1789 und 1815 – ein mögliches Paradigma für die Jahrhundertwende 1900?
  • Helmut Koopmann: Kulturmodelle in Romanform
  • Wulf Wülfing: Wider die „Wächter des großen geschichtlichen Welt-Harem“: Zu Nietzsches ‚vormärzlicher‘ Kritik am Umgang mit der ‚Historie‘
  • Hugh Ridley: Nietzsche and Wienbarg. A consideration of parallels between Nietzsche and the Young Germans
  • Hugh Ridley: Das Fehlen eines Zentrums – noch einmal Natur/Kultur
  • John Rignall: Nietzsche’s Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben and English Fiction in the later Nineteenth Century
  • Jürgen Eder: Schopenhauer-Rezeption nach 1848
  • Lothar Schneider: Die Gründung der Universität Straßburg aus dem Geiste des Realismus
  • Eda Sagarra: ‚Entfamter Jesuwiter!‘ Zur Dämonisierung der Jesuiten in der Literatur des Vor- und Nachmärz bzw. der Gründerzeit
  • Anita Bunyan: Cultural Criticism and Anti-Semitism: The Berliner Antisemitismusstreit of 1879
  • Peter Stein: Kulturkritik und Antisemitismus. Die Bedeutung der Dreyfus-Affäre für die Intellektuellen-Debatte um 1900 – mit Anmerkungen zu Maximilian Harden, Wilhelm Liebknecht, Karl Kraus und Heinrich Mann
  • Helmut Koopmann: Eduard Mörike: Erinnerungskunst und Utopie
  • Roger Jones: Matthew Arnold: Culture and Self-development
  • Brigitte Anton: Creating National Memories:Remembering Young Ireland, 1848-1884
  • Dörthe Schilken: Aspects of the past as visions of the future. William Morris’ News from Nowhere and the concept of the romance
  • Helga Brandes: Utopische Momente in der Memoirenliteratur der Malwida von Meysenbug
  • Christine Haug: „Die Eiszeit rettete uns vor dem Verfaulen“ oder die Botschaft des Nordlichts – Die kosmische Katastrophe als Instrument der Kulturkritik in der Unterhaltungsliteratur der Jahrhundertwende. Zur Popularisierung der Welteislehre in den Romanen des Kolportageschriftstellers Robert Emil Kraft (1869-1916)
  • Zu den Autorinnen und Autoren

Anita Bunyan ist Fellow am Caius College in Cambridge/GB.

Helmut Koopmann ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg.

Siehe auch Band I