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Wolfgang Braungart / Klaus Ridder / Friedmar Apel (Hgg.)
Wahrnehmen und Handeln
Perspektiven einer Literaturanthropologie
Bielefelder Schriften zu Linguistik und Literaturwissenschaft 20
2004, ISBN 3-89528-455-6, 368 Seiten, kart. EUR 39,80
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Die Literaturwissenschaft hat sich verstärkt seit den achtziger Jahren anthropologischen Themen zugewandt – vor allem in Auseinandersetzung mit der französischen Nouvelle Histoire und der Ethnologie. Verwandtschafts-, Geschlechter- und Familienbeziehungen, Körper-, Wahrnehmungs- und Emotionsdarstellungen, Symbolisierungen von Sexualität, Gewalt, Krankheit und Tod fanden neues Interesse. Eine kulturanthropologische Ausweitung der Literaturwissenschaft, also der Blick auf Identitäten und Differenzen von Sinnbildungsprozessen in unterschiedlichen Epochen und Kulturen, war von vornherein in diesem Ansatz angelegt. Von der Kulturanthropologie und Ethnologie sind besonders weit tragende Impulse für die Literaturwissenschaft der neunziger Jahre ausgegangen. Begriffe wie etwa Ritual, Liminalität oder Konflikt hat man mit Gewinn aus diesen Disziplinen importiert. Der Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung, die die Herausgeber am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld geleitet haben. Er enthält Aufsätze zur mittelalterlichen, frühneuzeitlichen und modernen Literatur in anthropologischer Perspektive, zum Verhältnis von historischer Anthropologie und literarischer Ästhetik sowie zu den Perspektiven einer historisch-anthropologischen Literaturwissenschaft.
Inhalt:
- Vorwort
- Klaus Ridder, Wolfgang Braungart, Friedmar Apel: Literaturanthropologie. Einige Notizen zur Einführung
- Christian Kiening: Gewalt und Heiligkeit. Mittelalterliche Literatur in anthropologischer Perspektive
- Klaus Ridder: Kampfzorn. Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik
- Otto Langer: Memoria passionis: spirituelle Praktiken und ihre Grenzen. Zu Heinrich Seuses Passionsmystik reiner Innerlichkeit
- Beate Kellner: Zur Kodierung von Gewalt in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel von Konrads von Würzburg ,Heinrich von Kempten‘
- Martin Przybilski: Satans fünfte Kolonne. Fremde im geistlichen Spiel des deutschen Spätmittelalters
- Peter Burschel: Gryphius’ ,Catharina von Georgien‘ historisch-anthropologisch
- Bernd Herrmann: Der Blick der Lebenden auf ,Die drei Toten‘. Soemmerings ,Tambour Flies‘, der Arm Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und das Ende des ,Wilden Mannes‘
- Iris Hermann: ,Blutende Fenster‘: Bilder verwundeter Körper bei Jean Paul, Franz Kafka und in der Psychoanalyse
- Lothar van Laak: Literarisches Wahrnehmen – ästhetisches Handeln. Zum Stellenwert der Aufmerksamkeit im Prozeß der Aisthesis
- Friedmar Apel: Elementare Kategorien der Welterfahrung. Richard Alewyns Eichendorff-Studien als Zugang einer literaturanthropologischen Analyse der Wahrnehmung
- Thomas Macho: Narziß und der Spiegel. Selbstrepräsentation in der Geschichte der Optik
- Elisabeth Strowick: Methodische Überlegungen zu einer rhetorischen Anthropologie
- Susanne Kaul: Literarische Maieutik
- Achim Barsch: Literarische Anthropologie und empirische Literaturwissenschaft
- Wolfgang Braungart: Tabu, Tabus. Anmerkungen zum Tabu ,ästhetischer Affirmation‘
- Rüdiger Bittner: Anthropologie – das Projekt und seine Aussichten
- Wolfgang Riedel: Literarische Anthropologie. Eine Unterscheidung
- Die Beiträger
Wolfgang Braungart: Studium der Germanistik, Philosophie, Kunstpädagogik und Werken/Arbeitslehre in Gießen, Braunschweig und Zürich, Promotion 1986 in Braunschweig, Habilitation 1994 in Gießen, 1989 und 2003 Gastprofessuren in den USA, seit 1996 Prof. für Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literatur an der Universität Bielefeld.
Klaus Ridder: Studium der Germanistik, Geschichtswissenschaft und Pädagogik, 1984 Magisterexamen an der Philipps-Universität in Marburg, 1989 Promotion in Marburg, 1996 Habilitation in Paderborn, 1997 Hochschuldozentur in Bielefeld, 2000 Professur für Deutsche Philologie/Ältere deutsche Literaturwissenschaft in Regensburg, 2002 Lehrstuhl für Deutsche Philologie/Mediävistik an der Universität Tübingen.
Friedmar Apel: Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Anglistik in Berlin und Bloomington/Ind., USA, Promotion 1977 und Habilitation 1981 an der TU-Berlin. Nach Gastprofessuren in Berlin, Atlanta/Ga., Siegen und Regensburg 1987 Prof. für Vergleichende Literaturwissenschaft in Paderborn, seit 2000 Prof. für Deutsche Literatur im europäischen Kontext an der Universität Bielefeld.
Aus der Kritik:
[...] Die Qualität der Aufsätze ist hoch, die mediävistische Schwerpunktsetzung repräsentiert die Entwicklung der letzten Jahre, die theoretische Vertiefung am Ende des Bd.s bietet überraschende Einsichten, das gesamte Themenspektrum ist weit, ohne dass der innere Zusammenhang verloren geht [...].
Karoline Harthun in „Mittellateinisches Jahrbuch“ (Band 43 / Jahrgang 2008 / Heft 1)
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