Wolfgang Bock

Bild – Schrift – Cyberspace  

Grundkurs Medienwissen

AISTHESIS Studienbuch 3


2002, ISBN 3-89528-349-5,
262 Seiten, zahlr. Abb., kart. EUR 20,50
 

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Unbestritten verändert die neue Technik das moderne Leben schneller als die älteren Formen der Kommunikation in früheren Epochen. Es gibt heute kaum noch einen gesellschaftlichen Bereich, in den die Neuen Medien nicht Einzug gehalten hätten – Computer, Mobiltelefone, Video und das Internet durchdringen die Arbeitswelten wie die privaten Sphären.
Zahlreiche Veröffentlichungen, die sich um eine Bestandsaufnahme der heutigen Medienwirklichkeiten bemühen, sind unbewusst mit theologischen und säkularen Hoffnungen geradezu aufgeladen. Diese scheinen selbst durch die stets wiederkehrenden, krisenhaften Entwicklungen in Politik und Wirtschaft wenig an Strahlkraft zu verlieren. In Vergessenheit gerät dabei leicht, dass die allerneuesten Medien mit den allerältesten Medien in Verbindung stehen. Die Inhalte, die die verschiedenen Kanäle transportieren, besitzen zumeist wenig Avantgardistisches, sondern bleiben im Rahmen dessen, was bereits bekannt ist.
Dieser "Grundkurs Medienwissen" richtet sich sowohl an Studierende als auch an eine interessierte breite Leserschaft und versteht sich als Leitfaden durch den Dschungel der aktuellen Debatten. Ausgehend von der Mediendebatte zu Beginn des 21. Jahrhunderts untersucht das Buch das Verhältnis von Schrift und Bild von den Anfängen bis zur Erfindung der Photographie im 19. Jahrhundert.

Inhalt:

  • Vorbemerkung
  • Einleitung
  • I. Teil: Neue Medien. Eine Welt der verdeckenden Sichtbarkeit
  • 1. Kapitel. Sichtbarkeit und Wirklichkeit
  • Einfache Sichtbarkeit der Wirklichkeit
  • Neue Realitäten. Wirklichkeit als Konstruktion
  • Doppelte Sichtbarkeit des Kunstwerks
  • Ausstellung und Sichtbarkeit
  • 2. Kapitel. Neue Medien und digitaler Schein. Von der Magie zur Technik
  • Kunst, Technik, Schein
  • Digital oder analog?
  • Unglück im Glück. Etwas verändert sich, etwas bleibt gleich
  • 3. Kapitel. Rettungsversuche. Zur Zweideutigkeit im Ursprung und Ende der Kunst
  • Eine echte und eine simulierte Höhle
  • Ein simuliertes Tal
  • II. Teil: Bild, Bilderstreit und Bildersturm
  • 4. Kapitel. Bild und Schrift. Zur heidnischen und theologischen Vorgeschichte der alten und Neuen Medien
  • Bild, Schrift, Bilderschrift
  • Bild und Erkenntnis in der heidnischen Antike
  • Die Emanzipation des Bildes in Byzanz
  • Das christliche Bilderverbot und seine Umgehung in der Ostkirche
  • Macht und Ohnmacht der Ikonoklasten
  • Die Radikalisierung der Ikonodulie
  • Vorformen der Renaissance
  • 5. Kapitel. Magie der Bilder. Hieroglyphenschrift in der Renaissance
  • Ägyptische Obelisken in Italien
  • Phantasmagorien der Bilderschrift
  • Magie der alten Bilder
  • Magie und Neue Medien
  • 6. Kapitel. Figur und Grund. Embleme und Emblematiken als Vorläufer der Photographie
  • Drei Elemente bei Andrea Alciati
  • Geronnene Gesten. Fest und Bild
  • Realität oder Fiktion?
  • Embleme zwischen Natur und Willkür
  • Deutung, Emblematik und Allegorie
  • Am Rande der Kunst
  • Computer-Icons: moderne Embleme?
  • III. Teil: Photographie
  • 7. Kapitel. Von der Kunst nicht nachahmbar und von der Zeit nicht zerstörbar. Nikephorus 1827
  • Publikum und Kulturindustrie
  • Vorläufer der Photographie
  • Technik und Rezeption
  • Niépce und die „erste Photographie“
  • Daguerre und das Publikum
  • Früher Höhepunkt und Fall
  • Photographie und Malerei
  • 8. Kapitel. Geisterphotographie
  • Eine neue Ambivalenz
  • Licht …
  • … und Dunkelheit
  • Realismus und Geisterphotographie
  • 9. Kapitel. Gespenster und Wi(e)dergänger. Photographie und Text bei Roland Barthes
  • Die Kraft des Signifikats
  • Darstellung und Deutung
  • Bild, Schrift und Emblematik
  • Von Un-Dingen. Odradek und anderes Photographisches
  • Sehen Schreiben Lesen
  • Wi(e)derkehr der Doppelgänger
  • 10. Kapitel. Die zurückgeholten Bilder
  • Literatur
  • Abbildungsnachweise

Wolfgang Bock, Dr. phil., habilitierte sich 1996 an der Universität Bremen, wo er von 1990 bis 2001 in den Fächern Germanistik, Kulturwissenschaft, Kunst und Pädagogik unterrichtete. Von 2001-2007 war er Hochschuldozent für Theorie und Geschichte der Visuellen Kommunikation an der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar. Zur Zeit arbeitet er als DAAD-Gastprofessor an der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (UNIRIO), Brasilien. Publikationen über Neue Mythologie, Postmoderne, Rechtsradikalismus, Bildungstheorie und Neue Medien. Zuletzt ist erschienen: „Medienpassagen. Der Film im Übergang in eine neue Medienkonstellation“, Bielefeld: Aisthesis Verlag 2006. Wolfgang Bock ist unter anderem Mitherausgeber der Zeitschrift für kritische Theorie. 

Aus der Kritik:
Wolfgang Bock will sich nicht entscheiden zwischen Claude Shannon und Warren Weaver auf der einen Seite und Marshall McLuhan auf der anderen. Während die Theorie der einen ein striktes Sender-Empfänger-Modell entwickelte, in welchem das Medium auf die vermittelte Botschaft keinen Einfluss nimmt, war für den anderen genau dieses Medium die eigentliche Botschaft. Und so löst sich Bock von den fixen Eckpunkten der Theorie und „versucht einen historischen und aktuellen Kontext der Mediendebatte herzustellen, in dem diese Motive gegenwärtig sind“, ein „Grundkurs Medienwissen“. [...]
Mit der Erfindung der Fotografie beginnt, wie schon Benjamin erkannt hat, eine neue Epoche des Sehens. Die Zwischenschaltung des Apparates zwischen Objekt und Abbilder und die „technische Reproduzierbarkeit“, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier zwar ein technischer Schritt vollzogen ist, das neue Sehen aber eine Tradition hat. Ausdrücklich wendet sich Bock gegen eine „Medienreligion, ... die unkritisch die theologischen und spiritistischen Aspekte der alten Mediendiskurse auf die neuen Medien überträgt.“ Seine Darstellung der Geschichte legt Kanäle zu den modernen Medien, durch die auch das magische Moment fließt, er behält aber im Blick, dass das Bild nur ein Medium ist, das die Eigenschaft hat, andere Wahrnehmungskanäle mit seinem Gehalt zu überblenden.
Christian Jooss in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 22.06.2002

[...] written in the best tradition of academic German [...].
Martin Grimm in „CLCWeb: Comparative Literature and Culture“ 5.4 (Dezember 2005)
Vollständig nachzulesen unter: http://clcwebjournal.lib.purdue.edu/clcweb05-4/books05-4.html