Was lässt sich beim Lesen denken? 2004, ISBN 3-89528-396-7,
Inhalt:
Alwin Binder lehrte von 1970 bis 1996 Neuere deutsche Literatur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Aus der Kritik:
Alwin Binder
LiteraturLesen
2., verbesserte Auflage
219 Seiten, kart. EUR 15,-

Dieses Buch ist für alle, die beim Lesen von Literatur über das Gelesene ‚nach-denken‘ möchten. Das kann man leichter und angemessener tun, wenn man etwas von der besonderen Sprache der Literatur versteht. Diese poetische Sprache unterscheidet sich äußerlich nicht von der normalen, natürlichen Sprache. Dennoch ist es grundlegend verschieden, ob zum Beispiel jemand seinen Vater fragt: „Aber ist Euch auch wohl, Vater?“, oder ob ein Drama mit diesen Worten beginnt. Was im normalen Leben nur den Gesundheitszustand eines konkreten Menschen meint, kann in einem Drama wenn der ‚Vater‘ im Zeitalter des Absolutismus zugleich ein ‚regierender Graf‘ ist darüber hinaus nach dem Zustand des patriarchalen Systems fragen, in dem der Autor und sein Publikum leben.
In diese poetische Sprache führt LiteraturLesen ein und versucht allgemeinverständlich zu vermitteln, auf welch vielfältige Weise Literatur bedeutend sein kann. Das Buch enthält ein Modell, das den Blick und die Gedanken auf Zusammenhänge lenkt, die beim normalen Lesen von Literatur unbeachtet bleiben. An Beispielen aus der erzählenden, lyrischen und dramatischen Literatur wird gezeigt, wie sich das Modell anwenden lässt und was es „bringt“, wenn man poetische Literatur zu lesen versteht.
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, / Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen. Um wie viel mehr gilt Mephistopheles’ Satz für geschriebene Texte! Für Bücherwürmer, deren Interesse sich nicht auf den Fortgang der Handlung beschränkt, hat der Münsteraner Germanist Alwin Binder unter dem Titel LiteraturLesen eine Einführung verfasst. Mit wissenschaftlichem Anspruch, aber für Nicht-Akademiker leicht nachvollziehbar, gibt er Antwort auf die im Untertitel aufgeworfene Frage Was lässt sich beim Lesen denken?. Den meisten Menschen ist klar, dass ein wie natürliche Sprache klingender Satz mehr bedeutet, wenn er in poetischem Kontext daherkommt. Aber wer mag sich das bei der Lektüre andauernd vergegenwärtigen? Binder zeigt jedoch überzeugend, dass jeder mehr vom Buch hat, der gelernt hat, auf gewisse Merkmale zu achten. So ist bei epischen Werken die Haltung des Erzählers wichtig, bei Gedichten das lyrische, bei Bühnenstücken das dramatische Subjekt. Wortspiele und andere Auf-, nicht Zufälligkeiten können relevant sein; Schlüsselwörter verweisen auf das eigentlich Gemeinte. Ausgehend vom Modell des adäquaten Autors eines Romans (mit dem konkreten Urheber, etwa Goethe, nicht zu verwechseln) klärt Binder zunächst Grundbegriffe, weist dann auf Besonderheiten lyrischer und dramatischer Literatur hin, demonstriert die Praxistauglichkeit der Theorie mit Exempeln von der Klassik bis zur Moderne und liefert weiterführende Hinweise all dies sehr gut lesbar. Als Adressaten stellt sich Binder Leute vor, die gern lesen und dabei über das Gelesene nachdenken möchten. Teilnehmer an Lesezirkeln können Beispiele anschauen und darüber diskutieren, was dieses Vorgehen im Vergleich zu dem bringt, was dort üblich ist. Nicht zuletzt finden Lehrer Interpretationen, mit denen sich interessanter Unterricht gestalten lässt. Aber mindert eine konsequente Anwendung dieser Methode nicht die Freude am Schmökern? Die Gegenthese ist: Sie steigert mit dem Verständnis den Genuss. Und selbstredend bleibt es jedem unbenommen, in Kenntnis dieser Anleitung Gedrucktes weiter zu konsumieren wie bisher. Doch die Prognose sei gewagt: Niemand wird das tun...
Markus Terharn in der „Offenbach-Post“
Ein Buch über die besondere Sprache der Literatur. Es ist geschrieben für alle, die beim Lesen über das Gelesene »nach-denken« wollen. Neben einigen theoretischen Kapiteln zeigen vielfältige Beispiele aus der erzählenden, lyrischen und dramatischen Literatur, wie poetische Sprache funktioniert und was man entdecken kann, wenn man sie zu lesen versteht. Der Band vermittelt manches über Erzählerfiguren, Strukturen und Bedeutungsgeflechte von Texten oder den Unterschied zwischen Produktions- und Rezeptionsästhetik. Der Autor lehrte 25 Jahre als Dozent am Germanistischen Institut in Münster. Seine vielfältigen Erfahrungen sind in eine allgemeinverständliche Darstellung eingeflossen, die auch eine Einführung in die Literaturwissenschaft ist. Aber eben mit einem erfrischend anderen Konzept, das die Freude an Literatur fördert und ganz neue Leseerlebnisse eröffnet.
Jochen Grywatsch im „Westfalenspiegel“ (Nov. 2003)
Bücher über Literatur sollen helfen, Literatur besser zu verstehen, sollen die Lust am Lesen fördern. Dr. Alwin Binder, der von 1970 bis 1996 Neuere deutsche Literatur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster lehrte, hat jüngst ein Buch veröffentlicht, das genau das macht. [...] Man kann einen Text verschlingen wie einen Hamburger. Ein kurzes Vergnügen, das den Magen füllt, aber nicht satt macht. Man kann einen Text aber auch genießen wie eine Ente a l’orange. [...] Das ist mehr Aufwand, aber Aufwand, der was bringt. [...] Mit „LiteraturLesen“ gibt Alwin Binder eine Anleitung zum intensiveren Lesen.
Sabine Müller in „Münstersche Zeitung“ (Januar 2004)
Wenn man dieses Buch liest, fragt man sich, warum es nicht schon lange geschrieben wurde. Es bildet einen Schnittpunkt zwischen Textlinguistik, Poetik, Interpretation, Literaturtheorie und Rezeptionsästhetik. Auf kundige, luzide und einfühlsame Weise vermittelt es auch Laien eine Vorstellung davon, wie literarischer Wert „gemessen“ und wie Lesen genussvoller gestaltet werden kann. Der Autor nimmt die Leser gleichsam bei der Hand und lässt sie die vorangegangenen Erklärungen an Beispielen nachvollziehen. [...] Binder gelingt es mit seinem Buch, zu vielfältigen Reflexionen und Beobachtungen anzuregen, die die Beschäftigung mit Literatur erfreulicher und ertragreicher werden lassen: Seine Leser und Leserinnen werden nach der Lektüre effektiver, klüger und lustvoller lesen als zuvor. Schon deshalb ist dem Buch eine weite Verbreitung zu wünschen.
Prof. Dr. Eberhard Ockel in „Muttersprache“ (März 2004)
Anhand von zwölf beispielhaften Texten der deutschen Literatur von 1804 bis 1984 zeigt Binder, dass die permanente Reflexion auf die ästhetische Form eines Textes den Lesegenuss nicht trübt, sondern steigert.
dpa in „Darmstädter Echo“ (5.4.2004)