Neuerscheinung 

Hannelore Kolbe

Horst Lange - Leben und Werk

Ein Autor im Zwischenreich

Chironeia – Die unwürdigen Künste
Studien zur deutschen Literatur seit der frühen Moderne, Band 5


2010, ISBN 978-3-89528-776-3,
315 Seiten, kart. EUR 39,80
 


Horst Lange (1904-1971) – in den 1930er Jahren ein beachteter und durch seinen Roman „Schwarze Weide“ (1937) erfolgreicher und viel gelobter Autor – ist das signifikante Beispiel eines Schriftstellers, dessen Haltung in der NS-Zeit weder dem Widerstand gegen die Naziherrschaft noch deren Unterstützung zuzurechnen ist. Er gehört zu den sich nach 1945 der sog. „inneren Emigration“ zurechnenden Schriftstellern, deren Verhalten während der NS-Diktatur aber nicht selten ambivalent war.

Nach 1945 spielte Lange im literarischen Leben keine wesentliche Rolle mehr, was auch damit zusammenhing, dass er von den maßgeblichen Autorengruppen – wie etwa besonders der Gruppe 47 – Abstand hielt. Mit seinen Romanen „Ein Schwert zwischen uns“ (1952) und „Verlöschende Feuer“ (1956) konnte er nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. „Schwarze Weide“, 1954 zum zweiten Mal veröffentlicht, fand aber das Lob von renommierten Schriftstellerkollegen wie Benn, Eich und Koeppen, der diesen Roman sogar als die „bedeutendste epische Aussage der Hitlerzeit, die mit dieser Zeit selbst nichts zu tun hatte“ bezeichnete.

Die vorliegende Studie vermittelt ein differenziertes Bild von Horst Lange, einem Autor „im Zwischenreich“: als Schlesier zwischen Ost und West, zwischen den christlichen Konfessionen, literarisch zwischen ästhetischem Eskapismus in einem totalitären System und dem Bedürfnis nach Klarheit und Realismus.

Die Studie bietet neben Interpretationen und Analysen des literarischen Werks Langes einen bibliographischen Anhang, der die imponierende Fülle seiner Rundfunkarbeiten, feuilletonistischen Beiträge und Rezensionen nachweist. Auszüge aus seinen unveröffentlichten Tagebüchern sowie Einblicke in Briefwechsel mit Verlegern und Autoren wie Ernst Kreuder, Hermann Hesse, Carl Zuckmayer, Wolfgang Koeppen, Oda Schaefer, Jürgen Eggebrecht, Elisabeth Langgässer vervollständigen das Porträt dieses von seinen Zeitgenossen überaus geschätzten Autors.

Inhalt:

  • 1 Einleitung
  • 1.1 Ziel der Untersuchung und Hinführung zur Person des Autors
  • 1.2 Methode

  • 2 Forschungsstand

  • 3 Biographie
  • 3.1 Geschichte Schlesiens nach dem Ersten Weltkrieg
  • 3.2 Kindheit und Jugend

  • 4 Suche nach Ordnung
  • 4.1 Schreiben für die „Rabenpresse“
  • 4.2 Schreiben für die Kolonne

  • 5 Vordringen der Nationalsozialisten – ein Autor des Zwischenreichs
  • 5.1 Biographisches zur Entstehung des Romans Schwarze Weide
  • 5.2 Inhalt und Rezeptionsgeschichte
  • 5.3 Versuch weiterer Deutungen
  • 5.3.1 Nietzsche-Einfluss
  • 5.3.2 Zeitkritik
  • 5.3.3 Magischer Realismus
  • 5.4 Weitere Werke
  • 5.4.1 Das Irrlicht
  • 5.4.2 Der Sohn der Hauptmannswitwe
  • 5.4.3 Das Lied des Pirols
  • 5.4.4 Ulanenpatrouille
  • 5.4.5 Gedichte
  • 5.5 Ein Autor des Zwischenreichs

  • 6 Kriegsjahre – „Quod Deus vult!“
  • 6.1 Biographisches
  • 6.2 Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg
  • 6.3 Die Leuchtkugeln
  • 6.4 Auf den Hügeln vor Moskau
  • 6.5 Gedichte
  • 6.6 Film-Exposés

  • 7 Weiterschreiben nach Kriegsende
  • 7.1 Biographisches: „Und der Kampf geht weiter!“
  • 7.2 Dramaturgisches Schaffen und dessen Wirkung
  • 7.2.1 Der Traum von Wassilikowa
  • 7.2.1.1 Entstehung und Inhalt
  • 7.2.1.2 Wirkung
  • 7.2.1.3 Vergleich mit Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür
  • 7.2.2 Die Frau, die sich Helena wähnte
  • 7.2.2.1 Entstehung und Inhalt
  • 7.2.2.2 Wirkung
  • 7.3 Erzählungen
  • 7.3.1 Am kimmerischen Strand
  • 7.3.2 Windsbraut
  • 7.4 Gedicht – Dämmergesicht
  • 7.5 Aufsätze und Essays für Zeitschriften und Zeitungen
  • 7.6 Film-Exposés

  • 8 Romane und Gedichte der fünfziger Jahre
  • 8.1 Ein Schwert zwischen uns
  • 8.1.1 Entstehung und Inhalt
  • 8.1.2 Textanalyse
  • 8.1.3 Wirkung
  • 8.1.4 Horst Langes Roman im Kontext mit Heinrich Bölls Prosa Und sagte kein einziges Wort (1953) und Haus ohne Hüter (1954) sowie mit Wolfgang Koeppens Roman Tauben im Gras (1951)
  • 8.2 Verlöschende Feuer
  • 8.2.1 Entstehung und Inhalt
  • 8.2.2 Textanalyse
  • 8.2.3 Wirkung
  • 8.3 Gedichte

  • 9 Konstanten und Varianten in den Texten Horst Langes

  • 10 Horst Langes Literaturverständnis
  • 10.1 Feuilletons zum Thema Literatur
  • 10.2 Briefwechsel mit und über Schriftstellerkollegen

  • 11 Horst Lange und seine Verleger

  • 12 Arbeiten für den Rundfunk

  • 13 Ausblick

  • 14 Anhang
  • 14.1 Abkürzungen
  • 14.2 Anhang zum Text
  • 14.3 Literaturverzeichnis
  • 14.3.1 Primärliteratur
  • 14.3.2 Sekundärliteratur
  • 14.3.3 Personenverzeichnis

  • Zeittafel
  • Danksagung

Hannelore Franziska Kolbe, geb. 1949 in München, studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft. Sie wurde 2009 mit der vorliegenden Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Sie lebt und arbeitet in München.