Neuerscheinung 

Severin Perrig

Stimmen, Slams und Schachtel-Bücher

Eine Geschichte des Vorlesens

Von den Rhapsoden bis zum Hörbuch


2009, ISBN 978-3-89528-733-6,
155 Seiten, engl. Br. EUR 17,80
 

Leseprobe: PDF-Datei, 800 Kb

Ob Sitte, Sucht oder Skandal: Die laute Lektüre hat ihren ganz eigenen Ruf. Und gerne wird ihr auch noch das Aussterben prophezeit. Doch solche Voraussagen können täuschen. Ob in der Buchhandlung, am Radio oder im Fernsehen und Internet, an der Universität oder in der Kneipe, ob als Live-Act oder Hörbuch: Vorgelesen wird heutzutage fast überall und dies mit steigender Tendenz.

Ein Blick auf die Herkunft und Psychologie des lauten Lesens zeigt allerdings, dass schon seit der Antike bei Vortragenden wie Zuhörenden Genuss und Qual nahe beieinander liegen. Bis heute fasziniert, irritiert und verärgert das Phänomen des laut gelesenen Textes gleichermaßen. Die vorliegende Studie führt mit liebevoller Detailkenntnis und unterhaltsamer Leichtigkeit durch die Weltliteraturgeschichte des Vorlesens. Dabei fördert sie einen facettenreichen Anekdotenstoff von professionellen und ungeschulten Vortragsstimmen und ihren Lesungen zutage. Von Homer bis Virginia Woolf, von Platon bis Adorno berichten die unterschiedlichsten Autoren und Autorinnen von populären Leserunden und Tête-à-Têtes, Theater-Sprechproben, akademischen Vorlesungen und den berühmt-berüchtigten Autorenlesungen.

Inhalt:

  • Einleitung

  • Sich selber vorlesen
  • Robert Walser: «Hans» (Ausschnitt)
  • Faust vom Famulus belauscht

  • Vorlesen in Zweisamkeit
  • Matthias Zschokke: «Maurice mit Huhn» (Ausschnitt)
  • Die Dame mit dem halben Stündchen

  • Vorlesen in Gesellschaft
  • Johann Gottwerth Müller: «Siegfried von Lindenberg» (Ausschnitt)
  • Vorleserunden wie im Märchen

  • Kleine Geschichte des Vorlesens
  • Giacomo Leopardi: «Pensiero XX»
  • Was Vorlesen alles hervorbrachte

  • Die gute Vorlesetechnik
  • Fjodor M. Dostojewskij: «Verbrechen und Strafe» (Ausschnitt)
  • Stimmige Töne

  • Die Autorenlesung
  • Hermann Hesse: «Autoren-Abend»
  • Laut Kapitel 7 bieder geslamt

  • Die skandalöse Lesung
  • Wislawa Szymborska: «Autorenabend»
  • „Das ist nicht auszuhalten!“

  • Das Geschäft mit der Lesung
  • Robert Walser: «Eine Ohrfeige und sonstiges» (Ausschnitt)
  • Schwindlig vor Absatz

  • Das Vorlesen im technischen Zeitalter
  • Savinien Cyrano de Bergerac: «Reise zum Mond» (Ausschnitt)
  • Das Buch liest sich selber

  • Bibliographie

  • Danksagung

Severin Perrig, geboren 1961 in Hamburg, studierte Germanistik, Geschichte und Ethnologie in Marburg und Zürich, wo er 1992 mit einer Arbeit über Hugo v. Hofmannsthal promovierte. Er war u.a. Nationalfond-Assistent an der Universität Zürich und Dozent für deutsche Literatur am Germanistischen Lehrstuhl der tschechischen Universität Ostrava. Er lebt und arbeitet als Dozent und Autor in Luzern und Zürich. Im Winter 2009/2010 Atelier-Stipendiat der Zentralschweizer Kantone in Berlin. Zahlreiche Publika­tionen u.a. zu einer Archäologie der Märchen, Sagen und Mythen, Clemens Brentano, Hofmannsthal, Kaiserin Maria Theresia, Robert Walser sowie zu Themen der Schweizer Literatur- und Kulturgeschichte (www.a-d-s.ch/d/lexikon).


Aus der Kritik:


[...] Severin Perrig zeichnet in seiner prägnanten Geschichte des Vorlesens anschaulich nach, wie die Literatur dem Publikum zu Ohren kommt. [...]
Beat Mazenauer in „Der Landbote“ (11.08.09)

[...] die hier anzuzeigende Geschichte des Vorlesens [...] ist weniger eine systematische Geschichte ihres Gegenstandes als eine markante, überaus kenntnisreich kommentierte Anthologie, in der die Literatur selbst, von Juvenal bis Reinhard Jirgl, vom Vorlesen erzählt. [...] Die Poetry Slams und das Hörbuch sind einer der Fluchtpunkte in Perrigs Erzählung, zu deren Vorzügen es gehört, dass sie das Vorlesen im industriellen Zeitalter stets im Echoraum der älteren Literaturepochen bis hinab auf Homer kommentiert. [...]
Lothar Müller in „Süddeutsche Zeitung“ (8.9.2009)

[...] Perrigs Buch bietet intelligente, anregende Lektüre über hörbar gemachte Texte.
In „das Kulturmagazin. Monatszeitschrift für Luzern und die Zentralschweiz“ (Oktober 2009)

[...] [Das Buch ist] keine systematische Geschichte des Vorlesens, sondern eine sehr detailreiche, kommentierte Anthologie, in der die Literatur selbst vom Vorlesen erzählt. [...] Eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung für Literatur- und Buchwissenschaftler, aber auch für Bibliothekare in Öffentlichen Bibliotheken, die bei ihren umfangreichen Aktivitäten auch zu Vorlesern werden.
Dieter Schmidmaier in „B.I.T“ (Bibliothek. Information.Technologie.) (Dezember 2009)

[...] Die wenig erforschte Kulturgeschichte des Vorlesens [...] beleuchtet der viel belesene Literaturwissenschaftler Severin Perrig in einer reich mit Anekdoten durchwirkten Essay-Sammlung, ein Kleinod im Bücherspätsommer. [...] Perrigs Buch [...] bereitet noch in seinen Fußnoten durchweg Vergnügen.
Manfred Strecker in „Neue Westfälische“ (02./03. Januar 2010)

[...] „Mit dem zunehmenden Verschwinden der klassischen Redekunst bleibt das Vorlesen wenigstens eine erwünschte wie zumutbare Ausdruckstechnik“, schreibt der Zürcher Germanist Severin Perrig in seiner instruktiven Kulturgeschichte des literarischen Vortrags. [...]
Paul Jandl in „Weltonline“ (07.06.2010)
Hier der (amüsante) komplette Artikel: http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article7916486/Hier-speist-der-Kellner.html

[…] Severin Perrigs Buch ist gleichermaßen gelehrt und tiefsinnig wie unterhaltsam. Es taucht tief ins poetische Geheimnis jener unsichtbaren Bande ein, die miteinander verbinden: das Buch, den Hörer, den Vorleser.
Regina Müller in „Sonntag“ (17.06.2010)

[...] Eine interessante, unterhaltsame und mit einer enormen Bandbreite an Informationen und Detailkenntnissen ausgestattete Publikation.
Christoph Stitz in „bn. Bibliotheksnachrichten“ (2.2010)