Georg Lukács

Autobiographische Texte und Gespräche

Herausgegeben von Frank Benseler und Werner Jung unter Mitarbeit von Dieter Redlich

Georg Lukács Werke Band 18


2009, ISBN 978-3-89528-720-6,
529 Seiten, kart. EUR 39,80
 



E-Book: EUR 27,80 bei Paper'C

Mit diesem 18. Band, der Georg Lukács’ autobiographische Texte, Gespräche und zwei Briefe enthält, wird die Werkausgabe des ungarischen Philosophen fortgesetzt. Ablesbar ist die intellektuelle und politische Entwicklung eines Denkers, der in seiner Autobiographie „Gelebtes Denken“ einmal von sich behauptet hat, daß in seiner Entwicklung „jede Sache die Fortsetzung von etwas“ sei und weiterhin daß es keine unorganischen Elemente darin gegeben habe. Die Lektüre dieses Band der Werkausgabe mit Texten aus sechs Jahrzehnten läßt darüber hinaus auch noch einmal die wechselvolle und schmerzhafte Geschichte der (organisierten) Linken und marxistischen Bewegungen und Parteien von den Anfängen im 20. Jahrhundert bis zum sich bereits abzeichnenden Ende des ‚real existierenden Sozialismus‘ nach der Zerschlagung des ‚Prager Frühlings‘ 1968 sinnlich-plastisch vor Augen treten.

„Georg Lukacs hat als Einziger fast das Niveau der fälligen, gültigen Sache selbst betreten. Der Augenblick, allen anderen eine begriffliche Verlegenheit, ist hier zum Moment der Entscheidung, des Durchblicks in Totalität erhöht.“
Ernst Bloch

„Es war, als habe sein Geist sich diesen zarten und zähen Körper mit äußerster Sparsamkeit gebaut, um nur das nötigste vom Stoff der Welt an ihn abzugeben und alles übrige dem Denken vorzubehalten. Sein Dasein ist gelebtes Denken.“
Ernst Fischer

Inhalt:

  • I. Autobiographische Texte
  • 1. Tagebuch [1910/11]
  • 2. Curriculum Vitae [1918]
  • 3. Mein Weg zu Marx [1933]
  • 4. Postscriptum zu „Mein Weg zu Marx“ [1957]
  • 5. Gelebtes Denken (G. Lukács im Gespräch über sein Leben) [1969-71]
  • Redaktionelle Anmerkung
  • I Kindheit, Berufsbeginn
  • II Krieg, Revolutionen
  • III In der Emigration
  • IV Wieder in Ungarn
  • 6. Gelebtes Denken [1970/71]

  • II. Gespräche
  • 1. Probleme des ungarischen Kulturlebens [1956]
  • 2. Gespräche mit Georg Lukács [1966]
  • Lukács – Holz
  • Lukács – Kofler
  • Lukács – Abendroth
  • Lukács – Abendroth – Holz
  • 3. „Eine Art Freundschaft“ [1967]
  • 4. Nach fünfzig Jahren [1969]
  • 5. Alle Dogmatiker sind Defaitisten [1969]
  • 6. Die Deutschen – eine Nation der Spätentwickler? [1969]
  • 7. „Das Rätesystem ist unvermeidlich“ [1970]
  • 8. „Nach Hegel nichts Neues [1970]
  • 9. „Wesentlich sind die nicht geschriebenen Bücher“ [1970]

  • III. Briefe
  • 1. Brief über Stalinismus [1962]
  • 2. Brief über die Budapester Schule [1971]

  • IV. Nachwort

  • V. Textüberlieferung

  • VI. Register

Georg Lukacs (1885-1971), ungar. Philosoph, Literarhistoriker und politischer Theoretiker, seit 1918 Mitglied der ungar. KP, stellvertretender Volkskommissar für dasUnterrichtswesen in der Räterepublik 1919, Emigration nach Wien, Berlin und Moskau, nach dem II. Weltkrieg Prof. in Budapest, führendes Mitglied des Petöfi-Klubs und beteiligt am Ungarnaufstand 1956. Einflußreichster Theoretiker der ‚Neuen Linken‘.

Aus der Kritik (bezieht sich auf die textidentische gebundene Ausgabe):
Der nun vorliegende Band mit autobiographischen Texten von 1910 bis 1971 und mit Gesprächen und Briefen nach 1956 ist bestens geeignet, diesen großen, umstrittenen und wegweisenden Philosophen neu zu entdecken und mit ihm „die wechselvolle und schmerzhafte Geschichte“ der Linken im 20. Jahrhundert.
Sabine Neubert in „Neues Deutschland“ (04.06.2005)
Vollständig zu lesen unter: http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=72848&IDC=4&DB=O2P

Eine beeindruckende Jahrhundertbiografie, und zwar von ganz weit hinten linksaußen – die gerade in ihren Irrtümern und Fehlern, ihren Idiosynkrasien studiert werden muss.
In „Kölner StadtRevue“ H. 1, 2006

[...] Lukács hat wie kaum ein anderer Philosoph die politischen wie denkerischen Stürme des zwanzigsten Jahrhunderts beobachtet und zugleich abgebildet. [...] Bleiben wird auf jeden Fall die Erkenntnis, dass man um L. nicht herumkommen wird, wenn man sich mit den geistigen Strömungen des zwanzigsten Jhdts. beschäftigt. Wiederholt hatte der greise L. darauf verwiesen, dass sich das originäre marxistische Denken als kritisch-materialistischers Verfahren erst noch entwickeln müsste. Es wird sich erweisen, ob seine Anhänger zu Recht davon überzeugt sind, dass gerade die Vielstimmigkeit seines Werks Weiterführendes birgt.
Volker Strebel in „Theologie und Philosophie“ (Heft 1/2007)

[...] Ein Lob gilt Detlev Kopp und Michael Vogt vom kleinen, aber rührigen Aisthesis-Verlag, die sich nicht scheuen, eine so umfangreiche und in dieser Zeit schwer zu kalkulierende Ausgabe wie die der Lukács-Werkausgabe zu übernehmen. Sollte die Zeit ein Ende finden, in der selbst ein Lukács praktisch vom philosophischen Büchermarkt verschwunden war? Kann der politisch, theoretisch und/ oder literarisch interessierte Leser damit rechnen, dass in den besser sortierten Buchläden es wieder möglich sein wird, neben Heidegger und Cassirer, Adorno und Leo Löwenthal auch umstandslos auf den Klassiker des westlichen Marxismus zurückgreifen zu können? [...]
Rüdiger Dannemann in „Freitag“ (23.09.2005)
Der ganze Artikel: http://www.freitag.de/2005/38/05381501.php