(Post)Kolonialismus in Literatur und Geschichte der westdeutschen Nachkriegszeit
Inhalt:
Monika Albrecht unterrichtet nach Dozenturen in den USA, Süd-Korea, Irland und England seit Herbst 2008 an der University of Limerick (Irland). Sie hat zahlreiche Aufsätze zur Literatur und Kultur des 20. Jahrhunderts veröffentlicht und ist Mitherausgeberin von kritischen Editionen des Werks von Ingeborg Bachmann. Zur Zeit arbeitet sie an einem neuen Projekt mit dem Arbeitstitel Postkolonialismus und Multikulturalismus.
Neuerscheinung
Monika Albrecht
»Europa ist nicht die Welt.«
2008, ISBN 978-3-89528-696-4,
308 Seiten, kart. EUR 40,-

Abstract and Table of Contents in English
Die Studie untersucht Diskurse zum Kolonialismus und seiner Kritik in Literatur und Geschichte der beiden Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und löst damit ein doppeltes Desiderat ein: Dem literaturwissenschaftlichen Forschungsstand zufolge haben deutschsprachige Schriftsteller erst im Zuge der Politisierung der 1960er Jahre die Problematik des Kolonialismus entdeckt; die Geschichtswissenschaften gehen davon aus, daß das kollektive Gedächtnis der Nachkriegsdeutschen von ›Prozessen des Vergessens‹ befallen ist, die als »(post)koloniale Amnesie« bezeichnet werden. Dagegen wird gezeigt, daß in der Nachkriegszeit sogar schon Fragen diskutiert wurden, die in jüngster Zeit im Kontext postkolonialer Ansätze aufgeworfen worden sind – Fragen nach einem möglichen Mittelweg zwischen Universalismus und Kulturrelativismus, nach Eurozentrismus, ›Othering‹, Differenz, ›Whiteness‹ usw. Diese Neuperspektivierung der westdeutschen Nachkriegszeit wird auch zum Anlaß für eine kritische Sichtung zentraler Prämissen der anglophonen postkolonialen Theorieansätze und versteht sich als Beitrag zu der aktuellen Debatte um Möglichkeiten einer über die thematisch-ideologiekritische Ebene hinausgehenden, spezifisch literaturwissenschaftlichen Teilhabe an den postkolonialen Studien.
Aus der Kritik:
Die Studie demonstriert, wie erhellend der postkoloniale Blick auf die deutsche Literatur sein kann – nicht zuletzt, weil diese manche theoretische Grundüberzeugungen und Implikationen (v.a. des Kulturrelativismus und der Whiteness-Studies) in Frage stellt. Eine wichtige Pionierarbeit mit vielen Hinweisen für künftige Forschungen.
Herbert Uerlings in „Germanistik“, Band 49 (2008), Heft 3-4
[...] Albrecht's is not only a very timely book in its attempt to reconstruct an important and neglected decade in the pre-history of our current set of global concerns, but also in that it reminds us of the pitfalls and limitations of hindsight and of restrictiveness of some theoretical frameworks if taken as gospel. The study shows how productive it is to 'historicise' the 'long 1950s' rather than to attribute to this period the status of quasi-present, treating ist as thought it were an undifferentiated extension of our own post-War experience; the study shows further that the German textual analysis and historical approach provides a much-needed counterbalance to American theorizing when it comes to understanding discourse on the Übersee from a postcolonial perspective. [...]
Florian Krobb in „Germanistik in Ireland“ 4/2009
[...] Es ist ein klar durchargumentiertes Buch, voller erhellender Textbeispiele und gut informierter Einwürfe in die internationale Diskussion der Postcolonial Studies – mithin eine Untersuchung, die die deutschsprachige Literaturwissenschaft auf diesem Gebiet ein gutes Stück weiter bringt. [...] Albrechts Buch vermittelt mit solchen erhellenden Beispielen eine Ahnung davon, wie viele neue Blickwinkel gerade die kritische Auseinandersetzung mit internationalen Theorien der Postcolonial Studies oder auch der Whiteness Studies auf die deutschsprachige Literatur eröffnen kann. Weder kann es darum gehen, im Sinne kultureller Essentialisierungen endlich etablierte Formen der Kritik einfach wieder unter den Tisch fallen zu lassen – noch darum, Literatur eindimensional als Tradierungsform kolonialer oder rassistischer Stereotypen zu ‚enttarnen‘ und damit ein für allemal zu ‚erledigen‘. Man muss im Einzelfall eben genauer hinsehen, um zu erkennen, dass Literatur immer auch subversiv wirken und Alternativen zu kolonialen Weltdeutungsmustern aufzeigen konnte. [...]
Jan Süselbeck in „literaturkritik.de“ (11/2009)
Hier ist die Rezension vollständig zu lesen: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13680
Monika Albrecht zeigt auf, dass in der Literatur der frühen Bundesrepublik schon Fragen diskutiert wurden, die erst in jüngster Zeit mit den postkolonialen Debatten aufgeworfen wurden.
Ulrich van der Heyden in „Neues Deutschland“ (12./13.06.2010)