Neuerscheinung 

Kristina Bonn

Vom Schönen

Schönheitskonzeptionen bei Lessing, Goethe und Schiller


2008, ISBN 978-3-89528-684-1,
211 Seiten, kart. EUR 34,80
 

In jüngster Zeit steht das Schöne im Brennpunkt germanistisch-literaturwissenschaftlicher Forschung. Aus der Perspektive der philosophischen Ästhetik des 18. Jahrhunderts richtet sich das wissenschaftliche Interesse auf die Erscheinung des Schönen als einer Kategorie, die im Subjekt eine mögliche Versöhnung zwischen der Dichotomie von anschauender und abstrakt-begrifflicher Erkenntnis zu eröffnen vermochte. Die historische Anthropologie nimmt das Schöne als Bestandteil der conditio humana in den Blick – es dient der Konstitu­tion des Menschen und konstituiert sich zugleich in der Opferung des Menschen. Ausgehend von Winckelmanns aufklärerisch-klassischem Diskurs über den schönen Körper werden drei Tragödien untersucht: Lessings Emilia Galotti, Goethes Iphigenie und Schillers Maria Stuart. Die zwei Diskursformationen des Schönen überschneiden sich in der zentralen literarischen Gattung des 18. Jahrhunderts, der Tragödie. Anhand der ‚schönen‘ Protagonistin lässt sich die Entwicklung von der traditionellen heroischen Opfertragödie zum Humanitätsdrama zu einer neuen Tragödienform, der Humanitätstragödie, aufzeigen. Die weibliche ‚Schönheit‘ entwickelt sich vom passiven Gegenstand ästhetischer Beurteilung, vom erotischen Objekt des männlichen Begehrens, zu einer humanisierenden integrativen Kraft, die die einzelne Figur übersteigt und als innerdramatische Verbildlichung einer Dramenform gelten kann, deren versöhnende Kraft sich erst in der Wirkung auf den Zuschauer entfaltet. Im Zentrum der Untersuchung steht die Reflexion über die Tragödie, die ihre anschauliche Umsetzung auf Handlungs- und Figurenebene findet.

Inhalt:

  • Vorwort

  • 1 Einleitung: Die weibliche Schönheit – zwischen Begehren und Opfer

  • 2 Johann Joachim Winckelmann: Rückkehr des schönen, idealen Körpers, Diätetik des Blicks und Ganzheitserfahrung

  • 3 Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon – Die anschauende Erkenntnis der poetischen Phantasie

  • 4 Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti
  • 4.1 „So werde die Haarnadel zum Dolche“ – Weibliche Schönheit und Tragödie als Momente männlicher Subjektkonstitution
  • 4.2 Das Portrait der Gräfin Orsina – Kunst als nutzlose Zierde
  • 4.3 Das Portrait Emilias – Kunst als in Gift umschlagende Arznei
  • 4.4 Ein einziges Studium weiblicher Schönheit
  • 4.5 Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert

  • 5 Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris
  • 5.1 Rettet euer Bild in meiner Seele (V. 1717)
  • 5.2 Beklagenswerte Fremde
  • 5.3 Orests Wahn, Hadesvision und Heilung
  • 5.4 Iphigenies Wandlung zur Selbstbestimmung
  • 5.5 Die unerhörte Tat oder das Happy End auf Tauris
  • 5.6 Schlussbetrachtungen zur Iphigenie auf Tauris

  • 6 Friedrich Schiller: Maria Stuart
  • 6.1 „Wo zwei versammelt sind in meinem Namen,/ da bin ich gegenwärtig unter ihnen.“ (V. 3635f.)
  • 6.2 Gottkönigin Maria – Die gemeine Schönheit
  • 6.3 Volkskönigin Elisabeth – Die keusche Festung
  • 6.4 Gattenmörderin vs. Bastardgeburt oder ‚The Clash of Civilizations‘
  • 6.5 Das Todesurteil
  • 6.6 Exekution vs. Isolation
  • 6.7 Humanitätsideal und Schönheit des Spiels

  • 7 Schlussbetrachtungen: Die tragische Schönheit und die schöne Tragik

  • 8 Literaturverzeichnis
  • 8.1 Quellen
  • 8.2 Forschungsliteratur

Kristina Bonn, Dr. phil., studierte Germanistik, Geographie und Italienisch in Bonn und Rom; Zusatzstudium: Deutsch als Fremdsprache in Bonn. Forschungsschwerpunkte: Bild und Text, Literatur des 18. Jahrhunderts, insbesonders Lessing, Goethe und Schiller, Körperparadigmen des klassischen Zeitalters, Drama und Theater in der klassischen Epoche.


Aus der Kritik:


Kristina Bonn erinnert in ihrer Dissertation daran, dass Frauenschönheit dem männlichen Blick einmal auch etwas anderes bedeuten wollte als den Stimulus zur Ausschüttung von Sexualhormonen. Am Beispiel von Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“, Goethes „Iphigenie auf Tauris“ und Friedrich Schillers „Maria Stuart“ arbeitet sie heraus, wie das bürgerliche Drama des 19. Jahrhunderts das Schöne in weiblicher Gestalt als Movens der Humanisierung auf die Bühne brachte. [...]
Franz Siepe in „literaturkritik.de“ (7/2010)