Susanne Elpers

Autobiographische Spiele

Texte von Frauen der Avantgarde


2008, ISBN 978-3-89528-676-6,
284 Seiten, kart. EUR 29,80
 



E-Book: EUR 19,80 bei Paper'C

Autobiographische Texte der Avantgarde sind keine kohärenten Lebensbeschreibungen mehr, sondern formal vielfältige Reflexionen über den Status des Subjekts. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sah sich das Individuum zur Überprüfung seines Selbstverständnisses gezwungen, die nicht ohne Auswirkung auf die Formen der Selbstbefragung geblieben ist. Der Abschied von der Annahme einer essentiellen Identität wird nicht zuletzt motiviert durch die Verabschiedung der Vorstellung eindeutiger Geschlechteridentitäten. So werden das Spiel mit Gattungen sowie inhaltliche und sprachliche Spielformen im Text konstitutiv für zahlreiche ästhetische Ausdrucksformen. An Werken von Gertrude Stein, Claude Cahun und Kay Sage werden ästhetische Verfahren der Selbstbefragung von Frauen der historischen Avantgardebewegungen untersucht. Die Studie erschließt z.T. unbekannte, gleichwohl bedeutende Schöpfungen weiblicher Avantgardisten und versteht sich zugleich als Beitrag zur Erforschung der Subjektkonzepte der Moderne, insbesondere der Avantgarde.

Inhalt:

  • I. Exposition
    (Thema, Erkenntnisinteresse, Gesamtanlage der Arbeit, Textauswahl)

  • II. Theoretische und methodische Vorüberlegungen
  • II.a. Das Verhältnis der Avantgarde zur Moderne – „Weiblichkeit und Avantgarde“
  • II.b. Einige Anmerkungen zur Autobiographik der Moderne
  • II.c. Subjektkonzepte der Moderne
  • II.d. „Spiel“ als literarisches Konzept und literaturwissenschaftliche Analysekategorie

  • III. „… is the identity there anywhere“ – Gertrude Steins autobiographische Spiele
  • III.a. The Autobiography of Alice B. Toklas (1933)
  • III.b. Everybody’s Autobiography (1937)
  • III.c. The Geographical History of America Or The Relation of Human Nature To The Human Mind (1935/36)
  • III.d. Identity a Poem. (A Play) (1936)
  • III.e. Zusammenfassung

  • IV. Zweifelhafte Bekenntnisse: Claude Cahuns Aveux non avenus (1930)
  • IV.a. Biographie
  • IV.b. Aveux non avenus – ein autobiographisches Werk?
    (Der Titel, Struktur und Inhalt)
  • IV.c. Die Einleitung – „L’aventure invisible“
  • IV.d. Zu Kapitel II „MOI-MÊME (faute de mieux)“
    (Die Photomontage: Augen, Blicke, Spiegel und das Ende der (geschlechtlichen) Eindeutigkeit; Der Text: Konstruktionen, Dekonstruktionen; Die Zersplitterung des Ich: „Fenêtre à guillotine“; Zerstörung des Körpers: „Circonscire et surprendre le miracle“; „Self-love“: Zu Claude Cahuns Deutung des Narziß-Mythos)
  • IV.e. Zu Kapitel VI „X.Y.Z.“
    (Die Photomontage: Spiele und Spiegelungen. Das Rätsel des Seins; Der Text: Paradoxa und Inversionen; Romantische Lügen, „Magie rose“; Gott: Das Absolute (im) Ich)
  • IV.f. Zu Kapitel IX „I.O.U.“
    (Photomontage und Text: Das Ich und die anderen; Verkleidung und Maskerade in Cahuns Bildern und Texten; „Déclarer le carnaval perpétuel“: Karnevaleske Sprachspiele)
  • IV.g. Zusammenfassung
    (Gattung, Texte und Photomontagen/Intermedialität, Konzepte des Spiels)

  • V. „Faut dire c’qui est“ – Autobiographik als manipulatives Spiel in Kay Sages China Eggs (1955)
  • V.a. Biographie
  • V.b. China Eggs – Autobiographische Fragmente
    (Struktur und Inhalt)
  • V.c. Die Schwierigkeiten autobiographischen Schreibens – Das „Avant-Propos“
  • V.d. Kommunikationssituation
  • V.e. Die Ironisierung autobiographischen Schreibens – „There isn’t going to be any story“
  • V.f. Zweifelhafte Erinnerungen, Fakten und Fiktion
  • V.g. „Myself“ – Verhältnis von Malen und Schreiben
  • V.h. Schach als Strategiespiel – Schach als Schreibspiel
  • V.i. Zusammenfassung – Enträtselung des Titels

  • VI. Zusammenfassung – Spiel, Subjektivität, Avantgarde

  • VII. Literaturverzeichnis
  • VII.a. Quellen
  • VII.b. Weitere Quellen
  • VII.c. Forschungsliteratur
  • VII.d. Nachschlagewerke, Lexika, Wörterbücher
  • VII.e. Internetquellen

  • VIII. Abbildungsverzeichnis

  • Danksagung

Susanne Elpers, Jahrgang 1965, studierte an den Universitäten Münster, Bonn und Toulouse Le Mirail Germanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie. 2007 mit der vorliegenden Studie Promotion an der Universität Bonn, wo sie seit 1998 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft lehrt. Mitherausgeberin des Bandes „Zwischen Zentrum und Peripherie. Die Metropole als kultureller und ästhetischer Erfahrungsraum“, Aisthesis 2005.


Aus der Kritik:


[...] Elpers [bietet] eine fundierte Analyse der autobiografischen Werken der genannten Autorinnen, die nicht nur für feministisch interessierte oder orientierte Leserinnen und Leser von Interesse ist. Zudem liefert sie einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung weiblicher Schriftstellerinnen, da vor allem der Blick auf die weitgehend unbekannten Autorinnen beziehungsweise Künstlerinnen Cahun und Sage zu einer Erweiterung des literaturgeschichtlichen Kanons führt.
Verena Ronge in „literaturkritik.de“ (September 2009)
Vollständig unter: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13424

[...] Der Spielcharakter der Selbstdarstellungen oder Selbstzeugnisse der drei ausgewählten Autorinnen/Künstlerinnen der Avantgarde wird in Elpers Monographie überzeugend präsentiert. Der Zusammenhang zwischen den Lebenserfahrungen der drei Frauen und der gewählten Schreibpraxis wird durch relevante Erläuterungen schlüssig. Widersprüche und Dissoziierung sind die markanten Elemente der einzelnen Identitätsprojektionen, die auch in den multimedialen Kombinationen von Selbsterforschung gespiegelt sind. Für diejenigen ForscherInnen, die sich vor allem der Genderfrage in einem Vergleich zwischen Avantgarde Werken von Schriftstellern und Schriftstellerinnen zuwenden wollen, dürfte Elpers Untersuchung ein nützlicher Ausgangspunkt sein, vor allem wegen der hier zusammengetragenen Quellen und Forschungsmaterialien. [...]
Maria-Regina Kecht in „Komparatistik. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft“ (2008/2009)