Karl Gutzkow

Briefe und Skizzen aus Berlin (1832-1834)

Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort von Wolfgang Rasch

AISTHESIS Archiv 10
Vormärz-Studien Bd. XVI


2008, ISBN 978-3-89528-672-8,
210 Seiten, kart. EUR 24,50
 

Leseprobe: PDF-Datei, 1,4 mb



E-Book: EUR 18,50 bei Paper'C


Zu den frühesten, bislang unbekannten Arbeiten Karl Gutzkows gehören Stadtskizzen und Korrespondenz-Nachrichten, die er zwischen 1832 und 1834 aus Berlin für die Stuttgarter „Deutsche allgemeine Zeitung“ und das „Morgenblatt für gebildete Stände“ schrieb. Als einziger Berliner unter den namhaften Vertretern des Jungen Deutschlands besaß Gutzkow ein feines Gespür für alle Veränderungen in der noch provinziell wirkenden Stadt, für den beginnenden Wandel der Alltagskultur ebenso wie für die wachsende oppositionelle Stimmung und zunehmende Politisierung der Berliner. Persönliches Erleben und politisch-kulturgeschichtliche Reflexionen verbinden sich in diesen publizistischen Arbeiten mit einer genauen Schilderung topographischer Details und gesellschaftlicher Milieus zu eindrucksvollen Bildern großstädtischen Lebens. Damit bietet die vorliegende Sammlung literatur- und kulturhistorisch aufschlußreiche Dokumente zum Berlin-Bild der Jungdeutschen und zur bislang wenig beachteten Frühgeschichte des Berliner Vormärz.

Inhalt:

  • I. Skizzen aus Berlin. 1832-1833
  • Geständnisse eines Porträts. (1832)
  • Die Sterbekassierer. Bambocciade (1833)
  • Die Singekränzchen. Bambocciade (1833)
  • Der Berliner Journalist (1833)

  • II. Korrespondenzen aus Berlin. 1832-1834
  • 1832
  • Berlin, Ende Mai
    Literarische Freiheit. Hegel und seine Gegner. Die Universität. Schwerdt und Hand, von M. Beer. Karrikatur
  • † Berlin, 13 Jun.
    [Ansichten über die politischen Zustände in Frankreich. Auswirkungen des Hambacher Festes auf preußische Liberale wie Arndt und Genossen. Ein Beispiel für die ungefähre politische Stimmung.]
  • † Berlin, 16 Jun.
    [Der Temps über die neuesten Pariser Ereignisse. St. Marc Girardin. Ein Armeebefehl des Prinzen Wilhelm. Der erste Tag des großen Pferdewettrennens.]
  • † Berlin, 25 Jun.
    [Wiederauftreten der Cholera. Geringe Aufstiegschancen für Offiziere in der Armee. Verbot der Verlagsartikel von Meyer aus Hildburghausen und Ritter aus Zweibrücken. Lord Fitzclarence.]
  • Berlin, Ende Juni
    Die Marianer und Fannysten.
  • † Berlin, 4 Julius
    [Die Londoner Konferenz und die belgische Angelegenheit. Regierungsrat Böckh im Zensurkollegium. Jarcke und Hegel.]
  • Berlin, Anfangs Juli
    Robert der Teufel.
  • † (Preußen.) Berlin, 8 Aug.
    [Verbot der „Allgemeinen politischen Annalen“ in Preußen.]
  • Berlin, August
    Briefe aus Berlin. Bauten. Hr. Spitzeder.
  • † Berlin, 17 August.
    [Preßgesetz, Druckverordnung, Zensur.]
  • † Berlin, 19 Aug.
    [Universitätsvorlesungen. Die ‚Schiedsrichter‘ in den östlichen Provinzen. Ein Aufruhr in Templin.]
  • † Berlin, 23 Aug.
    [Politische Windstille. Stralauer Fischzug.]
  • † (Preußen.) Berlin, 26 Aug.
    [Streit der Kommune mit der königl. Verwaltung um das chirurgische Klinikum. Verschiedenes. Steinmanns „Briefe aus Berlin“.]
  • † (Preußen.) Berlin, 29 Aug.
    [Herbstmanöver. Geheime Briefe Oppositioneller und deren polizeiliche Verfolgung. Stralauer Fischzug und beabsichtigte konspirative Treffen dort. Verbot des Buchs von Wilhelm Schulz „Deutschlands Einheit“.]
  • Berlin, Ende August
    Der Scribesche und der Holteische Robert der Teufel. Diabolisches. Literarisches
  • † Berlin, 14 Sept.
    [Flucht von Demagogen aus preußischen Festungen. Selbstbefreiung des Demagogen Salomon aus der Festung Stettin.]

  • 1833
  • Berlin, Anfang Oktobers
    Die Bäder. Rückkehr aus den Bädern. Kaiser Nikolaus
  • Berlin, Oktober
    Vorbereitungen für den Winter. Die Cirkel. Was wird gelesen?
  • Berlin, November
    Ein Beitrag zu Kants Metaphysik der Sitten.
  • † Berlin, December
    Die Homöopathie. Die italienische Oper und das Königsstädter Theater. Das Königsstädter Theater. Die Eisenbahn. Die Schiedsrichter und das mündliche Verfahren. Der Oberbürgermeister und die Stadtverordneten

  • 1834
  • † Berlin, Januar
    Der festgewurzelte Kurfürst, der Hofrath Förster und die Karnevalsnähe. Die königliche Bühne. Die Kritik. August Lewald. Vorlesungen. Herr von Holtei
  • † Berlin, Mai
    Mai. Die Universität. Schleiermacher. Claus Harms. Raumer. Raupach. Ein homöopathischer Tisch. Journalistik. Tutti Frutti. Eine Entdeckung

  • Anhang
  • Nachwort
  • Apparat und Stellenkommentar
  • Register

Wolfgang Rasch studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in München und Berlin, 1996 Promotion. Lebt und arbeitet in Berlin. Forschungsschwerpunkte sind Theodor Fontane, Karl Gutzkow, Personalbibliographie und Literaturdokumentation. Zuletzt erschienen von Rasch eine dreibändige „Theodor Fontane Bibliographie“ (2006) sowie (als Mitherausgeber) eine Neuausgabe von Gutzkows „Der Zauberer von Rom“ (2007) innerhalb der kommentierten digitalen Gesamtausgabe der „Werke und Briefe“ Gutzkows (www.gutzkow.de). Bei Aisthesis erschienen seine vielgerühmte „Bibliographie Karl Gutzkow“ (1998), die „Bibliographie Peter Rühmkorf“ (2004) und der von ihm herausgegebene „Briefwechsel zwischen Karl Gutzkow und Levin Schücking 1838-1876“ (1998).


Aus der Kritik:


[...] Gutzkow [entwirft], wie das „Nachwort“ zu dieser hervorragend kommentierten und empfehlenswerten Ausgabe überzeugend deutlich macht, gleichsam als ein im Stadtbild treibender Flaneur unentwegt „Panoramen“. Scheinbar absichtslos vermischt er Hochkultur und Alltagskultur. [...] Gutzkow [wird] zum innovativen Chronisten, zum Geschichtsschreiber.
Olaf Briese in „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ (5/2009)

[...] An [den] Texten lässt sich [...] minutiös verfolgen, wie Gutzkow mit der „Realität“ seiner Zeit umgeht: in der Auswahl der Themen, in den Formen der Präsentation und in der Einbettung in eine interpersonal geprägte Kommunikationssituation. Raschs Nachwort und Kommentar liefern zudem eine Fülle an Kontextinformationen: im Nachwort zur Stadtgeschichte Berlins, zur Zensur- und Pressegeschichte und zu Gutzkows Mitarbeit an den hier relevanten Zeitschriften, so dass sich Einblicke in die Genese des neuen Typus des Berufsschriftstellers gewinnen lassen. Der sorgfältige und instruktive Kommentar liefert vor allem Details zum umfänglichen Personal der texte und zu lokalen und historischen Besonderheiten. Hier werden die personalen und institutionellen Vernetzungen im Presse-, Literatur- und Kulturbetrieb Berlins greifbar [...].
Madleen Podewski in „Jahrbuch Forum Vormärz Forschung 2010“