Neuerscheinung
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Iannis Goerlandt
Schulen zur Allegorie
Nationale Bilder in Arno Schmidts utopischer Prosa
2008, ISBN 978-3-89528-667-4,
498 Seiten, kart. EUR 48,-
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Dass Arno Schmidts (1914-1979) Zukunftsromane auf dem Trümmerfeld der klassischen Utopien gebaut sind, sich die Bedingungen und Konstruktionsprinzipien der utopischen Räume zu Eigen machen und ihr Scheitern metaliterarisch vorführen, wurde bereits oft dargelegt. Schmidts utopische Prosa setzt sich jedoch nicht nur mit dem Problem des Utopieverlusts auseinander: Aus ihr spricht auch ein mit diesem Problem verbundenes Interesse für die Möglichkeiten und Grenzen literarischer Fremddarstellung. Die Konstruktion und Funktion von nationalen Bildern in Schmidts Zukunftsromanen und die Auseinandersetzung mit dem System kultureller Repräsentation wurden bisher nicht systematisch, nationsübergreifend behandelt.
Anhand exemplarischer Analysen eines die verschiedenen Werkphasen abdeckenden Textkorpus (Schwarze Spiegel (1951), Die Gelehrtenrepublik (1957), Kaff auch Mare Crisium (1960) und Die Schule der Atheisten (1971)), das um weitere Texte, Prosa wie Essayistik, ergänzt wird, bietet dieses Buch eine diachrone Betrachtung der unterschiedlichen Operationalisierungsstrategien solcher nationalen Bilder. Besondere Aufmerksamkeit gilt Schmidts kritischem und produktivem Umgang mit älteren (supra-)nationalen Literaturkonzepten, seinem Interesse für das Genresystem der utopischen Prosa, den verschiedenen Methoden der Verwendung von mythologischen und sexuellen Substraten bei der Konstruktion der Bilder sowie dem performativen Metaniveau der Romane.
Inhalt:
- Zum Geleit
- 0 Vorbemerkungen
- 1 Zielsetzungen & Methode
- 1.1 Die »Camera Obscura des Kopfes« – Einführung
- 1.2 Das Korpus
- 1.3 Zum Forschungskontext
- 1.3.1 Die Blätter der Enthusiasten – Eigentümlichkeiten der frühen Schmidt-Philologie
- 1.3.2 Nationale Bilder in Arno Schmidts Œuvre – Forschungsüberblick & Desiderate
- 1.4 Zur Methode
- 1.4.1 Carré, Guyard & Wellek
- 1.4.2 (Komparatistische) Imagologie
- 1.4.3 Neuere Entwicklungen
- 1.5 Zielsetzungen
- 1.6 Kapitelgliederung
- 2 »ich weiß doch Bescheid, wenn ich den Adler seh« – Motivgeschichtliche Beobachtungen zur Kritik am US-amerikanischen Patriotismus
- 2.1 Die Geschichte des Great Seal
- 2.1.1 Wichtige Bildelemente aus den Siegelentwürfen
- 2.1.2 Eine kurze Wirkungsgeschichte des Great Seal
- 2.2 Der Adler bei Schmidt
- 2.3 The Great Seal in Wüstenkönig ist der Löwe
- 2.4 ›Let the Eagle Scream‹
- 2.5 Heraldik als Zündstoff – Schlussbemerkungen
- 3 »Gerattle in kulturgeschichtlichen Fragen« Überlegungen zur Amerikakritik in Schwarze Spiegel
- 3.1 Entstehungsgeschichte & Gattung
- 3.2 Der Wundertüte-Brief
- 3.2.1 Schmidts Stewart-Lektüre
- 3.2.2 Schmidts Gegenargumente
- 3.3 Die Einmontierung des Briefes in Schwarze Spiegel
- 3.3.1 Kleinere Änderungen
- 3.3.2 Von der Einmontierung verursachte Bedeutungsunterschiede
- 3.3.3 Einmontierung & ironische Brechung
- 3.4 Schlussbetrachtungen
- 4 Die Feenmärchen in Die Gelehrtenrepublik Bemerkungen zu Textstrategie & Kulturpolitik
- 4.1 Einführung
- 4.2 Der Wieland-Konnex Die Feen kommen
- 4.3 Les Voyages de Zulma Die Geschichte in Auszügen
- 4.4 Les Voyages de Zulma & Die Gelehrtenrepublik
- 4.4.1 Das »Interworld=Gesetz«
- 4.4.2 Les Voyages in Winers Text
- 4.4.3 Stadions anti-französische Ressentiments
- 4.5 Agon der Nationalliteraturen Klopstocks Die Deutsche Gelehrtenrepublik
- 4.6 Die Kulturpolitik in Die Gelehrtenrepublik Fazit
- 5 »SiehsDu : Dillert. Genau.« – Arno Schmidt & James Jones
- 5.1 Vorbemerkungen
- 5.2 James Jones Some Came Running
- 5.2.1 Die Geschichte in Auszügen
- 5.2.2 Die wichtigsten Themen im Spiegel der Kritik
- 5.3 Arno Schmidts Jones-Lektüre
- 5.3.1 Essayistik & »Silbenkrieg« – Eigentümlichkeiten des ›Schmidt’schen Vergrößerungsfaktors‹
- 5.3.2 Ein »Kleinmeister ‹am Werk›«
- 5.3.3 Vorläufiges Fazit – Schmidt & Jones
- 5.4 Jones & Kaff auch Mare Crisium
- 5.4.1 Die »Lumbeck=Kulltur«
- 5.4.2 Jones & Kipling
- 5.4.3 Dillert & die Nibelungen – Die Umdeutung eines ›nationalen‹ Textes
- 5.4.4 Von Parkman zu Giffendorf
- 5.5 Schlussbemerkungen
- 6 Die Corpi Juri in Kaff auch Mare Crisium
- 6.1 Vorüberlegungen
- 6.2 Die Rechtslage in den Mondsiedlungen
- 6.2.1 Das amerikanische Rechts-›System‹ im Spiegel der »Mühtollogie«
- 6.2.2 »zu anregendem Vergleich«
- 6.2.3 Andeutungen über die Rechtslage in der russischen Sphäre
- 6.3 Juristisches in der Giffendorfer Realität
- 6.3.1 Recht & Politik
- 6.3.2 Über »Gott & Nowgorod« – Das Recht als Vermittler zwischen Politik & Figurencharakterisierung
- 6.4 Die Gesetzmäßigkeiten der Fiktion – Schlussbetrachtungen
- 7 Ausflug ins »Land des Löchelns« China in Die Schule der Atheisten
- 7.1 Einführung
- 7.2 »daher all diese Namen bei ihm« ? – Biographische Anmerkungen zum China-Bezug in Schmidts Œuvre
- 7.3 Historische & politische Aspekte des Chinabildes
- 7.3.1 Das chinesische Reservat im Spiegel der Geschichte
- 7.3.2 Eine »verwandschaftliche Verzweigung zum Hause des ViceKönigs von Petschili«?
- 7.4 »Satyrspiel und Operettenpolitik« – Die Sexualisierung & Mythologisierung des Politischen
- 7.5 Schlussbemerkungen
- 8 Schulen zur Allegorie – Nationale Bilder & Schmidts Utopieverständnis
- 8.1 Utopie & Nationalität
- 8.2 Überblendungen
- 8.3 Die »Poetik der Gleichniszeichensetzung«
- 8.4 Die Transparenz der Vorstellungen
- 8.5 »Durchaus pro=Babel« – Fazit
- 9 Bibliographie
- 9.1 Arno Schmidt – Primärliteratur
- 9.2 Sekundärliteratur zu Arno Schmidt
- 9.3 Sonstige Primärwerke
- 9.4 Sonstige Sekundärliteratur
- 10 Bildnachweis
Iannis Goerlandt, geboren 1980, studierte Germanistik, Anglistik und Amerikanistik in Gent, Rostock und Antwerpen. Mit der vorliegenden Arbeit promovierte er 2006 an der Universität Gent. Veröffentlichungen zum Werk von u.a. Arno Schmidt, Max Goldt und David Foster Wallace.
Aus der Kritik:
[...] [an] instructive, well-researched, and, in terms of its intertextual archaeology, often ingenious study [...]
Robert Weninger in „Modern Laguage Review - MLR“ (104.3, 2009)
Die Studie liefert eine brillante Analyse der nationalen Bilder vor allem der USA und Chinas, die Schmidt sich am Schreibtisch ‚erreist‘ hat. [...] Pointiert wird resümiert, Schmidt erzähle zwar auf der Handlungsebene stets, wie Völkerverstzändigung scheitert, sie findet aber „programmatisch textuell“ statt, die intertextuelle und ‚internationale‘ „literarische Diplomatie“ ist aber höchst erfolgreich.
Sven Hanuschek in „Germanistik“ (2010, Heft 3-4)
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