Texte zu Gegenwart und Vergangenheiten in Südwestafrika AISTHESIS Essay Bd. 27
Inhalt:
Bruno Arich-Gerz studierte Anglistik/Amerikanistik, Spanische Philologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität Köln. Promotion an der Universität Konstanz über Thomas Pynchons Gravity’s Rainbow, danach Juniorprofessor für Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Medien und Kommunikation, an der TU Darmstadt.
Neuerscheinung
Bruno Arich-Gerz
Namibias Postkolonialismen
2008, ISBN 978-3-89528-659-9,
146 Seiten, kart. EUR 14,50

Essays, also Darlegungen mit dem Anspruch der fundierten
Analyse und gleichzeitig der Geste des Nur-Versuchen-Wollens,
sind vielleicht nicht die schlechteste Textsorte, um aus
literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive den Blick
auf die namibische Gegenwart und seine nicht im Singular
fassbaren Vergangenheiten zu richten.
- Telekom Namibia: Technische Schriften 1842–1915 (-2005)
- Silence und Stimme verleihen bei André Brink und Siegfried Groth
- „Mimikry“ in der kolonialen Zwischenzeit
- Lucia aus Ovamboland: Vom Unheimlichen zur ReturNation
- Postkoloniale Erzählarrangements: Olaf Müllers Tintenpalast, Brian Harlech-Jones’ A Small Space und das phantasmagorische Namibia
Schriftführerschaft ~ Briefverkehr und Postwesen ~ Telegraphisches: Technik, Medien, Codes Einsatz und Verbreitung ~ Vom Blitzen, den Zauberschweinen und von Restzweifeln ~ Telekommunikationstechnologie nach 1915
Kontext Deutschland: Gewalt und Verlag ~ Erzähler, männlich, spricht für Figur, weiblich ~ Narrative author-ity ~ (Post)koloniale Literatur in deutscher Sprache: Verpasste Vergleiche ~ (Be-)Schweigen und Stimme verleihen im zweiten Befreiungskampf ~ Pastor Groths publizistischer Protest ~ The Wall of Silence: Übersetzung als Politikum ~ Rehabilitation und Bewältigung
Fremd- und Selbsteinkleidungen: Koloniale Mimikry in Deutsch-Südwest ~ Nach 1915: Mimikry à trois ~ Anglisierung und Internierung während des Zweiten Weltkriegs ~ Mimikry à trois in Zeiten des Krieges ~ Das Wissen des Dritten ~ Gleiche Zeit, vergleichbare Umstände, anderer Ort: Mimikry in der deutschen Metropole
Pynchons postkoloniale Fiktion ~ Pynchons postkoloniale Antizipation ~ Die Enden der Antizipation ~ Liminalität einer Lucia (1) ~ Liminalität einer Lucia (2) ~ Liminalität einer Nation ~ Kontinuitäten an der Schwelle zur Unabhängigkeit: Das postkoloniale nation building Namibias ~ Das Gegen(warts)narrativ der Lucias ~ Die Züchtigung des Vaters ~ DissemniNation ReturNation
Tintenpalast ~ Zwischen Verriss und Verdichtung ~ Schreiben mit postkolonialer Tinte: Ansätze und Einsätze ~ Weder Artikulation noch Anmaßung: Das Leben der Anderen ~ A Small Space ~ Telescopage von präkolonialer Vergangenheit und Gegenwart ~ Handlungsspielräume vor, während und nach den Kolonialzeiten ~ Doppelgänger-Paare ~ A Small Space No Third Space
Aus der Kritik:
[…] Sehr erhellend an der Lektüre der fünf in gut lesbarem Stil gehaltenen Essays ist es, dass sich Arich-Gerz nicht darauf beschränkt, lediglich namibiaspezifische Texte vor dem Hintergrund postkolonialer Theorie zu interpretieren. Auch die mittlerweile kanonischen Theoreme der postcolonial studies von Gayatri C. Spivak, Homi K. Bhabha oder Edward Said werden nicht absolut gesetzt, sondern vor dem Hintergrund des konkreten Falls Namibia einer Re-Lektüre unterzogen. Es entsteht eine doppelte Bewegung der Interpretation, in welcher sich nicht nur die literarischen Texte am Reflexionsstand der postkolonialen Theorie messen lassen müssen, sondern eben auch die Postulate der Theorie an ihrer Übertragbarkeit auf die konkrete historische Situation Namibias überprüft werden. […] Arich-Gerz [liefert] einen anregenden, fundierten, breit gefächerten und eigenständigen Beitrag […]. Die von ihm als Forschungsdesiderat eingeforderte ausführlichere Aufarbeitung der Postkolonialismen Namibias wäre auf diesem Reflexionsgrad - und vielleicht ja vom gleichen Autor - sicherlich ein Gewinn.
Christian Riedel in „literaturkritik.de“
Vollständig: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11842