Ein geschichtsphilosophischer Versuch Werkauswahl in sechs Bänden Band 2
Inhalt:
Georg Lukács – Werkauswahl in Einzelbänden
Georg Lukács
Die Theorie des Romans
über die Formen der großen Epik
Hrsg. von Frank Benseler und Rüdiger Dannemann
2009, ISBN 978-3-89528-641-4,
150 Seiten, kart. EUR 14,50

Georg Lukács schrieb »Die Theorie des Romans« 1914/15 – zur gleichen Zeit, als Rosa Luxemburg ihre Spartakusbriefe, Lenin in Zürich sein Imperialismusbuch, Spengler den »Untergang des Abendlandes«, Ernst Bloch seinen »Geist der Utopie« verfasste. Es ist das letzte große Werk, das Lukács vor seiner Wendung zum Marxismus schuf. Als es 1920 in Berlin erschien, war sein Verfasser schon aus Ungarn geflüchtet, waren die Tage der Regierung Béla Kun – der er als Kultusminister angehörte – bereits gezählt. Dieses schmale Buch, das aus dem Fragment gebliebenen grandiosen Versuch einer Dostojewski-Monographie entstanden ist, hat den Ruhm seines Autors begründet. Es ist »ein Werk des Übergangs, seinem Gegenstand gemäß noch dem bürgerlichen Ästhetizismus der Heidelberger Jahre verhaftet, doch in seiner Thetik schon härter, schroffer und das Ziel des künftigen methodischen Wegs scharf ins Visier nehmend. Hier findet sich der Ansatz zu einer großangelegten, spekulativ weitergeführten Überlegung, der wenig Gleichwertiges an die Seite gestellt werden kann.« (Horst Althaus). Max Weber, Thomas Mann, Robert Musil, Ernst Bloch, Benedetto Croce, Walter Benjamin, Th. W. Adorno, Paul Honigsheim, später Lucien Goldmann, Peter Bürger u.a. zeigten sich nachhaltig beeindruckt.
Die Struktur des Griechentums • Sein geschichtsphilosophischer Entwicklungsgang • Das Christentum
Allgemeine Prinzipien • Die Tragödie • Die epischen Formen
Vers und Prosa als Ausdrucksmittel • Gegebene und aufgegebene Totalität • Die Welt der objektiven Gebilde • Der Heldentypus
Sein abstrakter Grundzug und die Gefahren, die daraus entstehen • Das Prozeßartige seines Wesens • Die Ironie als Formprinzip • Die kontingente Struktur der Romanwelt und die biographische Form • Die Darstellbarkeit der Romanwelt und die Mittel ihrer Darstellung • Der innere Umfang des Romans
Die Gesinnung des Romans • Das Dämonische • Die geschichtsphilosophische Stelle des Romans • Die Ironie als Mystik
Die beiden Haupttypen • Don Quixote • Seine Beziehung zur Ritterepik • Die Nachfolge des Don Quixote: a) die Tragödie des abstrakten Idealismus; b) der moderne humoristische Roman und seine Problematik • Balzac • Pontoppidans »Hans im Glück«
Das Problem der Desillusionsromantik und seine Bedeutung für die Form des Romans Jacobsens und Gontscharows Lösungsversuche Die »Education sentimentale« und das Problem der Zeit im Roman Rückblick auf das Zeitproblem im Roman des abstrakten Idealismus
Das Problem • Die Idee der gesellschaftlichen Gemeinschaft und die Formen ihrer Gestaltung • Die Welt des Erziehungsromans und die Romantisierung der Wirklichkeit • Novalis • Goethes Versuch der Lösung und das Transzendieren des Romans zur Epopöe
Die gestaltete Polemik gegen die Konvention • Tolstojs Naturbegriff und seine problematischen Folgen für die Form des Romans • Tolstojs doppelte Stellung in der Geschichtsphilosophie der epischen Formen: Ausblick auf Dostojewskij
Hrsg. von Frank Benseler und Rüdiger Dannemann
• Bd. 1 Die Seele und die Formen
• Bd. 2 Die Theorie des Romans
• Bd. 3 Geschichte und Klassenbewußtsein
• Bd. 4 Die Zerstörung der Vernunft
• Bd. 5 Die Eigenart des Ästhetischen
• Bd. 6 Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins
Aus der Kritik:
[...] [Lukács'] Buch über den historischen Roman war eine Pionierleistung, die auch heute noch mit Gewinn gelesen werden kann. Neben Bachtin kann Lukács als einer der großen Literaturkritiker angesehen werden, die nachhaltig auf die Kulturtheorie des 20. Jahrhunderts gewirkt haben. [...] Der Argumentationsgang Lukács' muß hier nicht rekapituliert werden, da seine Schrift als ein zentraler Text der Moderne zu kennzeichnen ist. [...] Daß diese zentrale Schrift eines wichtigen, wenn auch heute weniger präsenten Literaturkritikers wieder im Druck verfügbar ist, kann nur begrüßt werden. Literaturwissenschaftler aller Philologien, die sich mit dem Problem der Epik und/oder der Moderne befassen, sollten den Text auf ihrem Regal stehen haben.
Till Kinzel in „Informationsmittel für Bibliotheken“ (Juni 2010)