Neuerscheinung 

Elisa Müller-Adams / Caroline Bland (Hgg.)

Schwellenüberschreitungen

Politik in der Literatur von deutschsprachigen Frauen 1780-1918


2007, ISBN 978-3-89528-579-0,
293 Seiten, kart. EUR 39,80
 

Literatur von Frauen im ‚langen‘ 19. Jahrhundert wird häufig beschrieben als Schnittstelle zwischen der privaten und der öffentlichen Sphäre, zwischen dem apolitischen ‚häuslichen Bereich‘ und der Politik der ‚großen Welt‘. In der Forschung der letzten Jahre erscheint diese Grenze zunehmend durchlässig, und es sind vor allem diese ‚Schwellenüberschreitungen‘, womit sich die Autorinnen dieses Bandes auseinandersetzen. Aufgezeigt wird die Vielfältigkeit des weiblichen Blickes auf die Machtverhältnisse des ‚langen‘ 19. Jahrhunderts. Der erste Teil befasst sich mit den Geschlechterbeziehungen, da Versuche, die Machtstrukturen zu hinterfragen, oft mangels einer Beteiligung an dem poli­tischen Prozess im allerpersönlichsten Bereich stattfanden. Der zweite Teil widmet sich der Frage, inwieweit die Suche nach einer weiblichen, persönlichen Identität für schreibende Frauen eine Grenzüberschreitung darstellt. Die Beiträge des dritten Teils betrachten Überschreitungen der geographischen und nationalen Grenzen und fragen nach den Beschränkungen oder auch Chancen, die sich aus der Interkulturalität für ein kritisches, politisches Engagement mit den gesellschaftlichen Verhältnissen ergeben.

Schwellenüberschreitungen. Politik in der Literatur von Frauen 1780-1918 greift literatur-historische Forschungsergebnisse der letzten Jahre auf und ist damit wegweisend für die Forschung zur Durchlässigkeit der Grenze zwischen den öffentlichen und privaten Sphären. Diese Veröffentlichung erweitert unsere Sicht auf die vielfältigen Möglichkeiten, die von schreibenden Frauen ergriffen wurden, die Grenzen und Hindernisse zu überschreiten, die ihnen die Gesetze und Normen des 19 Jahrhunderts in den Weg stellten.“
Waltraud Maierhofer (University of Iowa)

Inhalt:

  • Elisa Müller-Adams und Caroline Bland: Einleitung


  • Schwellenüberschreitungen in der Geschlechterpolitik

  • Barbara Becker-Cantarino: „Die Leidenschaft ist der Schlüssel zur Welt“. Diskurse über weibliche Sexualität um 1800 aus der Sicht von Frauen

  • Julia Bertschik: Maskeraden. Zum Topos der Verkleidung in der Spätromantik, besonders bei Caroline de la Motte Fouqué (1775-1831)

  • Elin Nesje Vestli: „Ich verlobe mich freilich wol, – das hatte ich eben ganz vergessen“. Das Projekt Ehe im Lustspiel der Prinzessin Amalie von Sachsen

  • Nancy C. Richardson: Violence and the ‘New Woman’ at the Turn of the Century: Helene Böhlau’s Halbtier! (1899)

  • Isabelle Stauffer: Transgressive Inszenierungen von Geschlecht bei Annette Kolb und Franziska zu Reventlow


  • Schwellenüberschreitungen und Selbstbestimmung

  • Heike Steinhorst: Autobiographisches und fiktionales Schreiben von Frauen um 1800

  • Anna Richards: The motherless heroine in the late eighteenth and nineteenth-century women’s novel

  • Catherine Grimm: „Wie ist Natur so hold und gut, die mich am Busen hält“: Nature Philosophy and Feminine Subjectivity in the Epistolary Memoirs of Bettine von Arnim

  • Sabine Schmidt: Dichterin = Ausgestoßene. Weibliches Leben und Schreiben zwischen Vormärz und Deutschem Reich – das Beispiel Kathinka Zitz-Halein (1801-1877)

  • Katharina von Hammerstein: Ego-Dokumente als politische Stimmen zwischen Vormärz und 1918: Louise Aston, Hedwig Dohm, Franziska zu Reventlow


  • Schwellenüberschreitungen zwischen den Ländern

  • Karin Baumgartner: Wanderer between the Worlds, Wanderer between the Words: Crossing Borders as Aesthetic Approach in the Works of Helmina von Chézy (1783-1856)

  • Elisa Müller-Adams: „Ich fühlte immer, daß ich auf Glas stand“ – Fremdheit bei Amelie Bölte ..

  • Caroline Bland: Responses to World War One in the work of Lily Braun and Clara Viebig


  • Auswahlbibliographie

  • Zu den Autorinnen


Elisa Müller-Adams ist seit 2001 Dozentin am Department of Germanic Studies an der Universität Sheffield. Ihre Dissertation erschien 2003 unter dem Titel: „…daß die Frau zur Frau redete – Das Werk der Caroline de la Motte Fouqué als Beispiel weiblicher Literaturproduktion der frühen Restaurationszeit“.

Caroline Bland ist seit 1994 Lecturer für Germanistik, deutsche Geschichte und deutsche Sprache an der Universität Sheffield (UK). Sie leitet das „Centre for Gender Studies in Europe“ an dieser Universität und hat Artikel zu Clara Viebig, Lily Braun, Theodor Storm und Frauenbildung um 1900 veröffentlicht, sowie ein Buch herausgegeben (mit Máire Cross): Gender and Politics in the Age of Letter-Writing, 1750-2000, Aldershot: Ashgate, 2004.


Aus der Kritik:


[...] die Intentention des gesamten Bandes: Die Literatur von Autorinnen des 19. Jahrhunderts nimmt hinsichtlich politischer Fragestellungen einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert ein; dem Medium Literatur kann auch die liminale Funktion eines „Zwischen-Raums“ zukommen, in dem Grenzüberschreitungen verhandelt werden, die u.U. auch auf reale Lebenswelten zurückwirken können.
Franziska Bergmann in „Zeitschrift für Germanistik“ (2/2008)

[…] Given the fact that over twenty authors and a wide spectrum of genres – (auto-) biography, novels, comedies, ego documents, etc. – of the period from the French Revolution in 1789 to the end of World War 1 are discussed, the decision to maintain a coherent focus is laudable. Seldom have I encountered an edited volume with such consistently high-quality and readable contributions that invites scholars to (re)read the primary texts being discussed. This makes the work very accessible to a wide readership from advanced undergraduates to researchers in the field. For those just beginning their studies of and writing about women's literature in the nineteenth century, this collection offers a number of models for approaching this subject – contributions to theoretical discussions (Becker-Cantarino, Steinhorst), a focus an a single text (Richardson), a genre approach (Richards, von Hammerstein), a comparative approach (Stauffer, von Hammerstein, Bland), or a focus an a particular motif (Bertschik), etc. One can only hope that the companion volume on the significance of the literary market for literature by women in the nineteenth century is of equally high quality.
Helen G. Morris-Keitel in „Monatshefte“ (3/2008)