Analysen und Erstdrucke Mit einer Schwarzenbach-Bibliographie
Inhalt:
Walter Fähnders ist apl. Prof. für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück. Bei Aisthesis hat er u.a. Autorinnen der Weimarer Republik (2003) und Berlin, Paris, Moskau. Reiseliteratur und die Metropolen (2005) mit herausgegeben. Aus der Kritik:
Walter Fähnders / Sabine Rohlf (Hgg.)
Annemarie Schwarzenbach
2005, ISBN 3-89528-452-1,
349 Seiten, mit Abb., kart. EUR 24,80

Die Schweizer Autorin Annemarie Schwarzenbach (1908-1942) hat in den letzten Jahren eine lebhafte Resonanz erfahren ihr vielfältiges Werk ist literaturwissenschaftlich aber noch zu erschließen. Der vorliegende Band bietet Analysen zu ihrem literarischen und journalistischen uvre, so zu ihren Romanen, Erzählungen, Reiseberichten und Feuilletons. Zwei Beiträge widmen sich dem vieldiskutierten Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrer Darstellung in dem Afghanistan-Film Reise nach Kafiristan (2001). Außerdem präsentiert der Band erstmals drei nachgelassene Erzählungen Schwarzenbachs und ihre Briefe an den Historiker Carl Jacob Burckhardt sowie ihre Korrespondenz mit der Journalistin Margret Boveri. Neben zahlreichen Fotografien enthält der Band zudem eine Bibliographie der Werke von Annemarie Schwarzenbach, in der über 400 Titel, darunter bisher unbekannte Arbeiten, nachgewiesen werden.
Mit Beiträgen von Tina D’Agostini, Fosco Dubini, Walter Fähnders, Silvia Henke, Helga Karrenbrock, Gesa Mayer, Dominique Laure Miermont, Roger Perret, Sabine Rohlf, Kerstin Schlieker, Alexis Schwarzenbach, Andreas Tobler und Gonçalo Vilas-Boas.
Sabine Rohlf ist Literaturwissenschaftlerin. Sie promovierte mit der Studie Exil als Praxis Heimatlosigkeit als Perspektive? Lektüre ausgewählter Exilromane von Frauen (2002) an der Humboldt-Universität zu Berlin.
[...] Beachtung verdient [der Band], [...] weil er die erste vollständige Schwarzenbach Bibliographie enthält und weil Andreas Tobler auf einem 70 Seiten umfassenden Sonderteil die Briefe Annemarie Schwarzenbachs an Carl Jacob Burckhardt und an Margret Boveri ediert und kommentiert hat. Da finden sich nun wirklich bemerkenswerte neue Aussagen, die manches in ein neues Licht stellen.
Charles Linsmayer in „Der kleine Bund“ (26.11.2005)
[...] die von [...] Sabine Rohl und Walter Fähnders herausgegebenen Aufsätze [rücken] Schwarzenbachs Texte in dem Mittelpunkt und beziehen sie auf die Literaturgeschichte, auf Geschlechter- und Reiseforschung. Ihr Buch bietet dazu neues Material: drei unveröffentlichte Erzählungen, die Korrespondenz mit Carl Jacob Burckhardt und Margret Boveri sowie eine Bibliographie.
In „Berliner Zeitung“ (05.12.05)
[
] Die Dichte und Vielfalt der Beiträge […] bewegen dazu, Annemarie Schwarzenbachs Texte weiter und wieder zu lesen. Darüber hinaus bietet der Band mit seiner ausführlichen Schwarzenbach-Bibliographie eine ausgezeichnete Grundlage zum Weiterforschen, zum Beispiel über die Fotografin Annemarie Schwarzenbach. Und schließlich dürfen wir die Schriftstellerin auch neu entdecken in ihrem steten Versuch, Möglichkeiten des Schreibens auszuloten, das sich ausschließlicher Rationalität verweigert (S. 51). [
]
Jolanda Bucher in „Invertito – Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten“ (7/2005)
Die Herausgeber wollen mit diesem Band aber nicht nur neue Analysen und Interpretationen von Texten bieten, sondern darüber hinaus auch solide Grundlagen für eine weitere literaturwissenschaftliche Beschäftigung schaffen, denn bei aller Wertschätzung und Aufmerksamkeit für Annemarie Schwarzenbach ist die Quellenlage bisher prekär geblieben: wichtige Nachlasstexte sind noch nicht ediert und die vorliegenden Editionen nicht alle zuverlässig. So wird neben dem Erstdruck dreier Texte, Beispiele ihres frühen wie späten Schreibens, eine erste, mit über 400 EinträgenVollständigkeit beanspruchende Bibliographie ihrer Schriften geboten. […] Eine Bibliografie der Sekundärliteratur beschließt einen Band, der mit einer gelungenen Mischung von Textgrundlagen und -analysen, einleuchtende Einschätzungen und vielfältige Anregungen gibt und die Basis für die weitere Forschung entscheidend gefestigt und erweitert hat.
Carsten Würmann in „Zeitschrift für Germanistik XVI“ (3/2006)
Annemarie Schwarzenbach neu gelesen
Abstract
Der von Walter Fähnders und Sabine Rohlf herausgegebene
Band ist ein anregender und für die zukünftige
Forschung richtungsweisender Beitrag zur wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit dem Werk Annemarie Schwarzenbachs.
Die einzelnen Beiträge eröffnen Perspektiven
aus literaturgeschichtlicher, kulturwissenschaftlicher
und gendertheoretischer Sicht, die weit über
die bisher dominante biographische Lesart der Texte
Schwarzenbachs hinausgehen. Der Band umfasst darüber
hinaus die erstmalige Edition einer Reihe von Erzählungen,
Briefen und Fotografien sowie eine umfangreiche
Bibliographie des Werks und der Forschung zu Annemarie
Schwarzenbach.
Neue Perspektiven
auf eine wiederentdeckte Autorin
Das Werk der Schweizer Schriftstellerin, Reisereporterin
und Fotografin Annemarie Schwarzenbach (1908-1942) ist seit
Ende der 1980er Jahren zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher
Forschung geworden, ihre literarischen Texte wurden neu aufgelegt
bzw. erstmals publiziert und ihr Nachlass teilweise ediert.
Mit dem von ihnen herausgegebenen Band haben sich Walter Fähnders
und Sabine Rohlf zum Ziel gesetzt, diesen Prozess der Wiederentdeckung
der zur "Ikone unangepasster Weiblichkeit" (S. 13)
gewordenen Autorin weiter voranzutreiben, ihm aber gleichzeitig
eine neue Richtung zu geben: War die Forschung zu Annemarie
Schwarzenbach bisher v. a. biographisch orientiert, sei es
nun an der Zeit, ihr Werk in literaturhistorische, kulturwissenschaftliche
und gendertheoretische Zusammenhänge einzuordnen.
Diesem Anliegen wird in den zehn Einzelbeiträgen des
Bandes in unterschiedlicher Weise Rechnung getragen. Dabei
greifen die jeweiligen Autorinnen und Autoren auf eine große
Bandbreite von Material zurück: Nicht nur die Romane
und Erzählungen Schwarzenbachs, auch ihre Reiseberichte,
feuilletonistischen und literaturwissenschaftlichen Texte,
ihre (z. T. noch unveröffentlichten) Briefe und Fotografien
werden zum Gegenstand der Analysen.
Der Band ist sich gleichzeitig als Beitrag zur Verbesserung
der noch immer mangelhaften editorischen Aufarbeitung des
Werks von Schwarzenbach konzipiert. Im Anhang werden erstmalig
die drei Texte "Paris III", "Yelinda"
und "Das Namenlose" abgedruckt, außerdem finden
sich hier die erste Publikation der Briefe Schwarzenbachs
an ihren akademischen Lehrer Carl Jacob Burckhardt und ihre
Korrespondenz mit der Journalistin Margret Boveri (beide editiert,
kommentiert und mit einer Einleitung versehen von Andreas
Tobler). Darüber hinaus wurden eine Reihe von bisher
z. T. unveröffentlichten Abbildungen und Fotografien
aufgenommen. Einen wichtigen Fortschritt in der Beschäftigung
mit dem Werk Schwarzenbachs markieren zudem die über
400 Einträge umfassende Bibliographie der Schriften Annemarie
Schwarzenbachs sowie die Bibliographie der bisherigen Forschung
am Ende des Bandes.
Kulturhistorisch orientierte Erklärungsansätze
für den Mutter-Tochter-Konflikt
Alexis Schwarzenbach nimmt in seinem Aufsatz das vieldiskutierte
Verhältnis zwischen Annemarie Schwarzenbach und ihrer
Mutter Renée Schwarzenbach-Wille in den Blick. Im Rückgriff
auf neues Quellenmaterial kritisiert er u. a. sowohl die in
der Forschung dominanten "politisch-klassenspezifischen
Erklärungsversuche[]" (S. 37) für den Mutter-Tochter-Konflikt
als auch solche Erklärungsmuster, die die Gründe
für die Auseinandersetzungen in der Ablehnung von Annemaries
Homosexualität durch ihre Familie sehen. Vielmehr spielten
die "unterschiedlichen Selbsteinschätzungen in Sachen
Homosexualität" (S. 42) von Mutter und Tochter –
geprägt durch die in ihrer Jugend jeweils spezifischen
Konzepte von Homosexualität – eine entscheidende
Rolle. Der Autor nimmt Bezug auf die sich wandelnden gesellschaftlichen
Wahrnehmungen weiblicher Sexualität, verweist aber letztlich
auf ein psychologisches Erklärungsmuster, wenn er "den
unvollendet gebliebene[n] Abnabelungsprozess" (S. 43)
für die Konflikte zwischen Mutter und Tochter verantwortlich
macht.
Queere Lektüren und literarhistorische Einbettung
Innovative Perspektiven auf die literarischen Texte eröffnet
Gesa Mayers Interpretation von Schwarzenbachs erstem Roman
Freunde um Bernhard (1931). In Rekurs auf
Judith Butler arbeitet sie Motive des Textes heraus, die auf
zentrale Aspekte der heutigen Queer Theory verweisen: Nicht
nur seien im Roman deutliche Zweifel am Konzept eines autonomen
und kohärenten Subjekts auszumachen, vielmehr lasse sich
der Text auch als Kritik an der binären (heterosexuellen)
Geschlechterordnung lesen – so z. B. in der Darstellung
lesbischen Begehrens und in der Figurengestaltung des Romans,
in der häufig nicht nur eine eindeutige Zuweisung des
Geschlechts ausbleibe, sondern auch die Kohärenz von
Sex und Gender wiederholt in Frage gestellt werde. Sie unterzieht
den Roman einer überzeugenden "queeren" Lektüre,
ohne Annemarie Schwarzenbach damit als "queere Autorin"
(S. 77) vereinnahmen zu wollen.
Auch Sabine Rohlf verweist auf die Besonderheiten der dargestellten
nicht-heterosexuellen Begehrensmuster in Schwarzenbachs Texten.
Konfrontiert mit einem Homosexualitätskonzept, in dem
weibliche wie männliche Homosexualität als "Identitätskategorie"
entworfen und "je nach Standpunkt als naturgegeben oder
krankhaft essentialisiert" (S. 96) wurde, ließen
sich die Figuren in Schwarzenbachs literarischen Texten gerade
nicht auf eine "lesbische Identität" festschreiben.
In der Darstellung von Homosexualität greife der Roman
Flucht nach oben (1999 ersch.) darüber
hinaus auf die Strategie der Codierung zurück. In ihrer
Analyse verschiebt Rohlf den Roman überzeugend "von
einem biographischen in einen literaturhistorischen Lektürehorizont"
(S. 80). Den besonderen Status von Flucht nach oben
führt sie auf die Heterogenität der intertextuellen
Bezüge zurück, bei denen u. a. Motive aus dem Genre
des Heimat- und Hotelromans auf "Bildwelten neusachlicher
Modernität" (S. 84) träfen.
An einer literaturgeschichtlichen Einbettung der Dichterauffassung
Schwarzenbachs ist es Walter Fähnders gelegen. Er untersucht
verschiedene Texte im Hinblick auf ihre Positionierung innerhalb
heterogener Diskurse über Sprachkrise und Sprachkritik
der Jahrhundertwende. Schwarzenbach verschreibe sich weder
dem zeitgenössischen Sachlichkeits-Diskurs noch der "Seherpose"
(S. 50) ihres Vorbilds Stefan George, sondern folge einem
bis zu ihren ersten Schreibversuchen zurück verfolgbaren
Schreibverständnis, in dem das Unbewusste und Intuitive
einen zentralen Stellenwert habe, das aber keineswegs in "antimodernen
Irrationalismus" (S. 52) münde.
Fremdheitserfahrung als Selbstreflexion in den Reiseberichten
Schwarzenbachs
Auch Silvia Henkes Beitrag ist ein Versuch, das Werk Schwarzenbachs
aus "der biographischen Klammer" (S. 19) zu lösen
– sie nimmt stattdessen eine auf ästhetische Aspekte
konzentrierte Perspektive ein. Die Instabilität des insbesondere
in den Reiseberichten Schwarzenbachs entworfenen Erzählsubjekts
will Henke nicht auf die psychische Verfassung der Autorin
zurückgeführt wissen, sondern schlägt vor,
Schwarzenbachs Schreibweise als spezifische Form im Umgang
mit Fremdheitserfahrung zu verstehen. In Henkes Deutung verweigern
sich die Reisetexte der Tradition der europäischen Reiseliteratur,
indem sie die Fremde gerade nicht mit Sinn aufladen –
und das Erzählsubjekt in einen Zustand der Entfremdung
gerät, der als Alteritätserfahrung gedeutet werden
könne.
Die Reiseberichte stehen auch in den Beiträgen von Tina
D'Agostini und Kerstin Schlieker im Vordergrund. D'Agostini
analysiert das Schattenmotiv in Schwarzenbachs Texten als
Metapher für eine Erkenntniskrise bzw. einen Utopieverlust
und arbeitet aufschlussreiche intertextuelle Bezüge zu
Adelbert von Chamissos Peter Schlehmils wundersame
Geschichte (1913) heraus. Vor dem Hintergrund der
anthropologischen Frauenreiseforschung argumentiert Schlieker,
dass die ersten Asienreisen Schwarzenbachs weniger als durch
ein ethnographisches Interesse motivierte Konfrontationen
mit dem Fremden zu verstehen seien, sondern dass "das
Reisen und Schreiben" für Schwarzenbach vielmehr
als "existenzielle Kategorie der Selbsterfahrung"
(S. 183) fungiere. Insbesondere ihre spezifische Erzählhaltung,
ihr Schreibstil und die Art der Realitätserfassung zeigten
"einen über die damalige Zeit hinausweisenden Umgang
mit kultureller Fremdheit" (S. 185). In diese Richtung
argumentiert auch Gonçalo Vilas-Boas in seiner Untersuchung
der Reisefeuilletons, die in den Jahren 1941-42 entstanden
sind.
Den für die Reiseberichte Schwarzenbachs charakteristischen
Schreibstil der "unmittelbare[n] Anschauung" (S.
109) macht Helga Karrenbock auch in der Textsammlung Falkenkäfig
aus, die sie als poetologische Selbstreflexion Annemarie Schwarzenbachs
liest. Die Frage, warum Falkenkäfig
zu Lebzeiten Schwarzenbachs keinen Verlag finden konnte, beantwortet
Karrenbock mit einem Verweis auf die neuere Exilforschung:
Zwar bedienten sich die Texte keiner "manifesten linken
antifaschistischen Rhetorik" (S. 111), doch liege ihre
implizite politische Dimension in der "nomadischen"
(S. 112) Position der Erzählerin, die als Beispiel für
"narrative Inszenierungen von Heimatlosigkeit und Exil"
gewertet werden könnte. (S. 111, Helga Karrenbrock zitiert
hier nach Sabine Rohlf: Exil als Praxis – Heimatlosigkeit
als Perspektive? Lektüre ausgewählter Exilromane
von Frauen. München: text + kritik, 2002, S. 13)
Das Schlusslicht der Beiträge bildet Fosco Dubinis Reflexion
der Transformation Schwarzenbachs von einer Ikone hin zu einer
Kunstfigur anhand seines Berichtes über die Entstehung
des von ihm produzierten Films über Annemarie Schwarzenbachs
Reise nach Afghanistan im Jahre 1938/39, die sie zusammen
mit Ella Maillart unternommen hat.
Fazit
Der vorliegende Band bereichert die Schwarzenbach-Forschung
nicht nur durch eine Fülle von bisher unveröffentlichtem
Material, sondern wirft auch ein neues Licht auf zentrale
Motive wie das der Homosexualität und der Heimatlosigkeit.
Bleibt zu wünschen, dass die innovativen Impulse der
dokumentierten Beiträge in der zukünftigen literaturwissenschaftlichen
und editorischen Erschließung des Werks von Annemarie
Schwarzenbach noch weiter ausgebaut werden.
Nina Gülcher in „querelles-net.de“ (20/2006)
Als (Reise-)Schriftstellerin und Journalistin hat Annemarie Schwarzenbach (1908-42) ihr Leben schreibend zuwege gebracht. „Wirklich, ich lebe nur wenn ich schreibe.“ Dieses Motto der Schweizer Autorin übernehmen Rohlf und Fähnders für ihren Sammelband, dessen Analysen weniger von der Biographie, als vielmehr vom Wort Schwarzenbachs ausgehen. Anhand einzelner Werke, Textsorten oder Motive werden intertextuelle Verbindungen, literarische Vorbilder und historische Kontexte reflektiert. Diese Mehrstimmigkeit entspricht Schwarzenbachs Vielschichtigkeit, und mit dem Erstdruck von Erzählungen und Briefen erklingt auch die Stimme der Autorin selbst. Treffend meint Fosco Dubini, dass „das Fragment vielleicht doch die Form ist, die Annemarie Schwarzenbach am besten entsprechen würde“. Ihr Leben und Schreiben gegen die Idee normativer (geschlechtlicher) Identität macht sie gerade für die gender- und queertheoretische Rezeption interessant. Die Romanfiguren in Freunde um Bernhard (1931) sind in Gesa Mayers alternativer Lesart „ein ziemlich queerer Beitrag zur Destabilisierung der Heterosexualität privilegierenden Zweigeschlechtlichkeit“. So eröffnen die Beiträge Politisches auch im Poetischen und lassen uns Schwarzenbachs Texte in ihrem stetem „Versuch, Möglichkeiten des Schreibens auszuloten“ neu entdecken.
Jolanda Bucher in „WeiberDiwan“ (Frühjahr 2006)
[...] Ein Meilenstein war der von Walter Fähnders und Sabine Rohlf herausgegebene Band Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke (Aisthesis Verlag, 2005), der ihr uvre in einem literatur- und kulturhistorischen Kontext verortet. Dabei zeigt sich, dass Annemarie Schwarzenbachs Modernität nicht nur in ihrer äusseren Erscheinung und ihrem libertären Lebenswandel gründet, sondern auch in einem Schreiben, das in seiner ebenso leidenschaftlichen wie selbstzerstörerischen Kompromisslosigkeit mit tradierten Formen bricht und die zeitgenössischen Literaturvorstellungen bewusst unterläuft einem Schreiben, das, so Fähnders, »auf radikale Weise jene Krisenerfahrungen und Identitätsstörungen reflektiert, die für die Moderne insgesamt und für die Dreissiger- und Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts ganz besonders kennzeichnend sind.« [...]
Bettina Augustin in „Der Bund“ (17.05.08)
Der vollständige Artikel: http://www.espace.ch/artikel_521158.html
[...] Einen wichtigen Schritt in Richtung einer intensiveren, weil textorientierten Beschäftigung mit dem Werk der Dichterin stellt ein bereits 2005 von Walter Fähnders und Sabine Rohlf herausgegebener Sammelband dar, der neben Analysen und Erstdrucken auch die erste Bibliografie zu den Schriften von beziehungsweise über Annemarie Schwarzenbach enthält. Den ersten Teil bilden dabei die Beiträge, die zum einen die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung und die literarischen Anfänge der jungen Frau diskutieren, zum anderen Texte wie „Freunde um Bernhard“, „Flucht nach oben“ und „Der Falkenkäfig“ analysieren und ferner Reisetexte über Asien, Afrika und Portugal näher beleuchten. [...]
Bahrang Samsami in „literaturkritik.de“ (Oktober 2008)
Vollständig unter: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12400