Carola Hilmes / Dietrich Mathy (Hgg.)

Spielzüge des Zufalls

Zur Anatomie eines Symptoms


1994, ISBN 3-925670-93-9,
208 Seite, Abb., kart. EUR 17,50
 

Der Einzug des Zufälligen in die Werke der Kunst bildet ein zentrales Charakteristikum der Moderne. Die Vorstellung des schöpferischen Zufalls als einer Akausalität macht diesen Begriff zum Wesensmerkmal allen Spiels. »Spielen ist experimentieren mit dem Zufall.« (Novalis) Daran knüpfen die Künstler des 20. Jahrhunderts an, wenn sie für die Zufälligkeit des Materials und die Zufälligkeit ästhetischer Verfahren eintreten. Dennoch sind die Artefakte moderner Kunst nicht nur zufällig. Das einmal Zufällige ist in seinem ästhetischen Kontext übergegangen in die Notwendigkeit seines So-und-nicht-anders-Erscheinens für uns. Dieses Spannungsverhältnis läßt sich zeigen bei so unterschiedlichen Künstlern wie Mallarme, Duchamp oder Cage, Positionen, die sich theoretisch begreifen lassen mit Nietzsche, C.G. Jung oder auch der Chaostheorie.

Inhalt:

  • Vorwort

  • Hans Freier: Englisches Frühstück oder Hamlets Eier. Eine kurze Geschichte des Zufalls

  • I. Theorien des Zufalls

  • Dietrich Mathy: Die Notwendigkeit des Zufälligen. Zur Integration des Zufalls in die Sphäre des Ästhetischen

  • Hans Zitko: Die aufgehobene Offenbarung. Zum Begriff des Zufalls in der Philosophie Friedrich Nietzsches

  • Rosemarie Boenicke: »Materie mit latenter Psyche«. C.G. Jungs Begriff der Synchronizität

  • Jürgen Blasius: Freiheit und Erkenntnis im Modus der Wirklichkeit

  • Christoph Gossel: Zufall und Chaos: Alles eine Frage der Zeit

  • II. Gestalten des Zufalls

  • Albrecht Hotz: Der Künstler als »Medium für Zufall und Glück«

  • Petra Leutner: Zufall und Figuren der Steigerung bei Stephane Mallarme

  • Gerd Held: Flugzeugverschlingende Gärten. Duchamp, der Zufall und das Labyrinth

  • Carola Hilmes: Buchstabenrätsel. Unica Zürn und die Kunst der Anagramme

  • Michael Kokoschka: »Der Weg der Seele des Tänzers«. Überlegungen zum Zufall in Jackson Pollocks Drippings

  • Dirk Vanderbeke: Cosmic Pool Balls. Zur Koinzidenz von Zufall und Gesetzmäßigkeit bei Thomas Pynchon

  • Dorit Lecke: »It ends by being melodic«. Der Zufall als Kompositionsmethode bei John Cage

  • Choice & Chance oder: Alles Zufall. John Cage und Harald Lüders im Gespräch

  • Verzeichnis der Abbildungen

  • Die Autoren

Carola Hilmes, geb. 1956, ist Literaturwissenschaftlerin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Buchveröffentlichung: »Die Femme fatale. Ein Weiblichkeitstypus der nachromantischen Literatur« (Stuttgart 1990). Sie arbeitet zur Zeit über Probleme moderner Autobiographien.

Dietrich Mathy, geb. 1943, vertritt die Professur für Literaturtheorie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Buchveröffentlichungen: »Poesie und Chaos. Zur anarchistischen Komponente der frühromantischen Ästhetik« (München 1984); »Von der Metaphysik zur Ästhetik oder Das Exil der Philosophie. Untersuchungen zum Prozeß der ästhetischen Moderne« (Hamburg 1994). Er arbeitet zur Zeit an einer größeren Abhandlung zum Zeitbegriff.