Eva Funke

Bücher statt Prügel

Zur philanthropistischen Kinder- und Jugendliteratur


1988, ISBN 3-925670-16-5,
192 Seiten, kart. EUR 14,50
 

Kinder- und Jugendliteratur bietet die Möglichkeit, das Kind auch außerhalb der typischen Erziehungssituationen, wie sie in Schule und Familie gegeben sind, zu sozialisieren. Die philanthropistischen Pädagogen des 18. Jahrhunderts wollten, indem sie den Freizeitbereich "annektierten", nun auch die Schattenbereiche kindlicher Existenz kontrollieren. Von der literarischen Umsetzung des Ordnungssystems versprachen sie sich außerdem seine Verankerung im Unterbewußtsein des Kindes. Das erwies sich jedoch schon damals als problematisch, da gerade die Phantasie als wesentliches Wirkungsmoment fiktionaler Literatur zu einem Raum wird, in den sich das Kind vor Kontrolle zurückziehen kann. Die Arbeit bewegt sich auf dem Grenzgebiet zwischen Literaturwissenschaft, Sozialgeschichte und Pädagogik, in deren Vorgeschichte als akademische Disziplinen die Erziehungsbemühungen des 18. Jahrhunderts gehören. Im Zentrum steht Campes "Robinson der Jüngere"; aber auch andere Texte, u.a. von Chr. F. Weiße und theoretische Schriften, sind hinzugezogen. Die Traditionen gehen auf Rousseaus "Emile" und Lockes "Gedanken über Erziehung" zurück.

Inhalt:

  • I. Einleitung. Entstehungsbedingungen der Kinder- und Jugendliteratur

  • II. Die philanthropistische Erziehungstheorie
  • 1. Bildung des Menschen oder Erziehung zum Bürger
  • 1.1 Vollkommen für sich selbst und brauchbar für die Gesellschaft
  • 1.2 Genialität
  • 2. Berufserziehung
  • 2.1 Beginn der Berufserziehung
  • 2.2 Zeitökonomie
  • 3. Glückseligkeit

  • III. Die Phantasie in der Kinder- und Jugendliteratur
  • 1. Ausnutzung von Phantasie
  • 2. Reglementierung von Phantasie

  • IV. Didaktische Absicht und literarische Umsetzung
  • 1. Die didaktische Konzeption des "Robinson"
  • 2. Psychogramm eines bürgerlichen Musterhelden
  • 2.1 Zwischen Rebellion und Unterwerfung
  • 2.2 Die Insel als Erziehungsinstrument
  • 2.3 Die Insel, ein Panopticon
  • 2.4 Beherrschung innerer und äußerer Natur
  • 3. Die literarische Funktion der Insel
  • 4. Ausschweifungen der Phantasie

  • V. Sozialpolitische Komponenten in der Kinder - und Jugendliteratur
  • 1. Vermittlung von politischem Grundwissen
  • 2. Die Staatsverfassung im "Robinson"
  • 3. Der Beispielcharakter des Inselstaates
  • 4. Der utopische Staat in der "Entdeckung von Amerika"
  • 5. Campes "Pariser Briefe"
  • 6. Revolution als Motiv
  • 7. Gesellschaftskritik

  • VI. Typologie des Helden
  • 1. Kolumbus
  • 2. Kortes und Pizarro

  • VII. Familie und Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit
  • 1. Die Literaturrezeption in der Familie
  • 2. Die Einstellung zu Liebe und Ehe
  • 3. Konditionierung durch Liebe
  • 3.1 Qualität der Liebe
  • 4. Belohnung und Strafe
  • 5. Haus- und Schulerziehung

  • VIII. Das Bürgertum zwischen Adel und unteren Schichten
  • 1. Bürgertum und Adel
  • 2. Bürgertum und untere Schichten

  • IX. Schluß

  • Anmerkungen
  • Literaturverzeichnis

Eva Funke, geb. 1956, studierte an der Universität Bielefeld Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit an der Cornell University (USA) promovierte sie 1987 in Bielefeld mit der vorliegenden Untersuchung. Heute arbeitet sie als Lektorin in einem Kinder- und Jugendbuchverlag.