Neuerscheinung 

Wolfgang Bock

Medienpassagen

Der Film im Übergang in eine neue Medienkonstallation
Bild – Schrift – Cyberspace II

AISTHESIS Studienbuch 6


2006, ISBN 3-89528-577-3,
281 Seiten, 143 Abb., kart. EUR 21,80
 

Achtzehnhundertfünfundneunzig beginnt der analoge Film als neue Betrachtung der bewegten äußeren Wirklichkeit. Im heutigen digitalen Zeitalter werden Filmbilder tendenziell im Rahmen einer inneren Wirklichkeit des Mediums selbst betrachtet. Zwischen diesen beiden Ansichten liegen einhundert Jahre Filmgeschichte, Filmtechnik und Filmästhetik. Wolfgang Bock legt eine kulturwissenschaftliche Medienanalyse des Films von seinen photographischen Vorformen bis zur aktuellen digitalen Medienkonstellation vor. Er zeigt, dass man dabei nicht allein von einem gradlinig gedachten Fortschritt der optischen Medien ausgehen kann, sondern zugleich unabgegolten vorliegende Entwicklungen des Mediums wie das Panorama oder den Stummfilm ins Auge fassen muss. Diese wecken angesichts der neuen technischen Formen ein neues Interesse.
Das Projekt Bild, Schrift, Cyberspace versucht eine Rückschau auf die Medienkonstellation, eine Urgeschichte der Medien aus der Perspektive der Digitalisierung. Die historischen wie die aktuellen Medien erscheinen als Kombinationen aus den einzelnen Momenten Bild, der Schrift als Inschrift, Unterschrift oder Kommentar, der Ziffern als Grundeinheiten des binären Abbildungscodes. Der erste Band, als Bild, Schrift, Cyberspace. Grundkurs Medienwissen 2002 bei Aisthesis erschienen, untersucht die Medienentwicklung von den frühesten Anfängen bis zur Erfindung der Photographie. Der vorliegende zweite Teil reiht den Film in diese Entwicklungslogik ein.

Inhalt:

  • Vorwort

  • Einleitung: Ein Medium verschwindet
    Anfang und Ende des Films
  • Ein neues Wirklichkeitsparadigma
  • Umstülpung
  • Eine Verschiebung der Medienkonstellation
  • Disparation und Passage

  • 1. Kapitel: Alte und neue Virtualität
    Von Kraft und Kräften
  • Einschluss und Entfaltung
  • Photographie, Film, Virtualität
  • Die Gestaltung der Realität
  • Leitmedium und Konstruktion
  • Eine Krise der Bildmedien
  • Lob der Zwischenzeit

  • 2. Kapitel: Vor dem Film ist nach dem Film
  • „Das alles ist jetzt abgekürzt.“ Vom Panorama zum Filmlichtspiel
  • Illusion ohne Rahmen
  • Das Werk des Gaslichts. Panorama als kleine Übergangsform
  • Wider eine idealistische Ästhetik
  • Ambivalenz des Films

  • 3. Kapitel: Tendenzen und Möglichkeiten des frühen Films
  • „Eine Synthese des Lebens und der Bewegung.“ Neue Sehformen
  • Die Krise der Dokumentation und die Entwicklung des Spielfilms
  • Technische Neuerungen und nationale Filmindustrien .
  • Frühe Trustbildung

  • 4. Kapitel: Ablaufreihen und geronnene Zeit
    Film, Arbeit, Automation
  • Beobachten und Festhalten. Visualisierung in der Neuzeit
  • Von der Reihung zur Projektion.
  • Raumbewegung und Chronophotographie
  • Automation
  • Teilen und Zusammensetzen
  • Bewegungsgestalt und Ergonomie-Labor
  • Externes Bewegungsbewusstsein?
  • Bewegung in der modernen Malerei
  • Die neue Signatur der Dinge
  • Moderne Zeiten

  • 5. Kapitel: Filmästhetik
    An der Grenzlinie der Filmform
  • I. Ein hybrides Medium
  • Bewegungsfreude, Massenkultur und Volkskunst
  • Panowsky und der Filmstil
  • II. Film als bewegtes Bild. Die Filmsprache entsteht
  • Themen, Formen, Techniken, Handlungstypen
  • Entwicklung und Rückschritt. Tonfilm und Stummfilm
  • III. Übers Theater hinaus
  • Stücke und Figuren
  • Präsenz und Dauer
  • Massenmischungen. Ein veränderter Wahrnehmungsraum
  • IV. Das Alte und das Neue am Film
  • Konstellation der Kräfte
  • Film als Emblematik

  • 6. Kapitel: Verbergen durch Zeigen
    Tendenzen zur falschen Rahmenlosigkeit
  • I. Rahmenbruch und Interaktivität.
  • Oder: „Wie denkst du darüber, Linda?“
  • II. Der vergitterte Blick und das offenbare Gestell.
  • Jonathan Demmes exemplarische Filmkritik in „Das Schweigen der Lämmer“
  • Eine Kritik des Films
  • Von Gittern, Käfigen und Gestellen
  • Stellen, zeigen und verbergen

  • 7. Kapitel: Film und historische Formation
    Der gefährdete Film
    Von der Unter- und Überschreitung des Films
  • Welt mit Kamera und Tendenz zur Phantasmagorie
  • Das Leben der Straße und die Mortifikation
  • Der Detektiv und der Splitter

  • 8. Kapitel: Denkbilder an der Schwelle
    Film und Roman zwischen Traum, Groteske und Realismus
  • I. In Erwartung des Films
  • Fluss des Lebens, Cut-ups und Kadrierung
  • Denken in Bildern
  • Erzähler und Erzähltes – Groteske figürliche Elemente im Roman
  • II. Nach dem Film
  • Traurige Allegorien an der Schwelle als Bilder einer medialen Antwortlosigkeit
  • Medienskepsis: Kommunikation und Erfahrungsverlust
  • Die Last des Großmuts. Charles Bovary als Sancho Pansa?

  • 9. Kapitel: Die Befreiung der Bilder?
    Letzte Theorien des Films
  • Rauchpausen: Film und Souveränität
  • Nicht-Kino und Stasis
  • Von Töpfen
  • Eine Ontologie des Films
  • Altes und Neues
  • Von Driften, Kippfiguren und Wendepunkten
  • Raum und Zeit
  • Wilde Effekte
  • Moderne als Postmoderne

  • 10. Kapitel: Bilderstrom und Spiegelwelten
    Deleuzes Freiheit des Bildes als Vorspiel der Digitalisierung
  • Eine wunderliche Taxinomie
  • Der Kunstgriff des Kinematographen. Vom Denkbild zum Kinobild
  • Bergsonistischer als Bergson
  • Mit der Lebensphilosophie in die Digitalisierung
  • Der Rahmen des Kinos als Zeit-Bild
  • Anfang und Ende des Films
  • Der schwebende Film

  • 11. Kapitel: Medienpassagen
    Der Film im Übergang in eine neue Medienkonstellation


  • Literaturnachweise
  • Abbildungsnachweise

Wolfgang Bock, Dr. phil., habilitierte sich 1996 an der Universität Bremen, wo er von 1990 bis 2001 in den Fächern Germanistik, Kulturwissenschaft, Kunst und Pädagogik unterrichtete. Von 2001-2007 war er Hochschuldozent für Theorie und Geschichte der Visuellen Kommunikation an der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar. Zur Zeit arbeitet er als DAAD-Gastprofessor an der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (UNIRIO), Brasilien. Publikationen über Neue Mythologie, Postmoderne, Rechtsradikalismus, Bildungstheorie und Neue Medien. Wolfgang Bock ist unter anderem Mitherausgeber der Zeitschrift für kritische Theorie.