Neuerscheinung 

Karoline Hornik

Mythoman und Menschenfresser

Zum Mythos in Elias Canettis Dichterbild

Chironeia - Die unwürdigen Künste
Studien zur deutschen Literatur seit der frühen Moderne, Band 1


2006, 130 Seiten, kart. EUR 24,80
ISBN-10: 3-89528-573-0
ISBN-13: 978-3-89528-573-8
 

Dass für Elias Canetti Mythen einen hohen Stellenwert in Leben und Werk einnehmen, hat er oft betont. Der genaue Umriss des Begriffs blieb jedoch lange ungeklärt. Die vorliegende Studie verfolgt das Motiv des Mythos durch Canettis Werk – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Der Dichter umgeht die klassischen Mythen der Antike und entwickelt stattdessen einen höchst eigenständigen Begriff, der sich durchgängig in seinen poetischen, autobiographischen wie auch theoretischen Schriften findet. Mythos wird bei Canetti zum Medium für die ureigentlich-menschliche Fähigkeit der Verwandlung und damit zum Fluchtpunkt seines literarischen Strebens. Die Bedeutung des Mythos als zentrale Instanz im System Canetti wird so erstmals aufgedeckt, zugleich wird ein konsistenter Blick auf das heterogene Werk des Dichters ermöglicht.

Inhalt:

  • 1 Einleitung

  • 2 Mythos: Versuche einer Definition
  • 2.1 Ein „Gebilde von unsäglicher Allhaltigkeit“
  • 2.2 Assmannsche Systematisierung: sieben Mythos-Begriffe

  • 3 Canetti und die Mythenforschung

  • 4 Zur Komposition des Dichterwerdens in der Autobiographie
  • 4.1 Wahrheitssignale der autobiographischen Trilogie
  • 4.2 Fiktionale Erzählstrategien und Gestaltungsmerkmale
  • 4.2.1 Die (Lebens-)Themen Canettis
  • 4.2.2 Von der Einheit des Individuums
  • 4.2.3 Etappen eines Bildungswegs
  • 4.2.4 Gegen die Fragmentierung des Subjekts
  • 4.2.5 Das Individuum als Dichter

  • 5 Das Dichterbild Canettis – zwischen Literatur und Verwandlung, Mensch und Mythos
  • 5.1 Der innere Zusammenhang: Der Beruf des Dichters
  • 5.2 Bildungsweg I: Literatur, Verwandlung, Menschen
  • 5.2.1 Lektüreerfahrung als Lebenswelt
  • 5.2.2 Verwandlung in (literarische) Figuren
  • 5.2.3 Überleben im literarischen Werk
  • 5.3 Literarisches Erbe und/oder Mythos?
  • 5.4 Bildungsweg II: Mythos
  • 5.4.1 Annäherung an das ‚Fremde‘
  • 5.4.2 Das Gilgamesch-Epos
  • 5.4.3 Vereinzelte Einschübe, Abgrenzungen, Quellenfunde
  • 5.4.4 Rückbindung an die Vorzeit: Der Augenmythos

  • 6 Die autobiographische Trilogie als Lebensmythos?

  • Literaturverzeichnis
  • Dank

Karoline Hornik, geboren 1978, studierte Neuere deutsche Literatur, Religionswissenschaft und Informatik. Sie promoviert im Zentrum für Sprach- und Literaturwissenschaft der LMU München über Gustav Schwab.


Aus der Kritik:


[...] Vorl. Studie trifft einige wichtige Differenzierungen [...].
Kurt Bartsch in „Germanistik“ (2007, Heft 1-2)

[Karoline Hornik] nimmt sich [...] eines Themas an, dessen zentrale Bedeutung für Canetti zwar unbestritten ist – neben »Masse« und »Macht«, »Verwandlung«, »Tod« und »Überleben« gehört »Mythos« ohne Zweifel zu den Schlüsselbegriffen seines Denkens –, dessen genauere Erforschung jedoch noch ausstand. Schuld daran ist womöglich die schillernde Vieldeutigkeit des Begriffs »Mythos«, nicht nur bei Canetti selbst, sondern auch in der Alltagssprache und in der wissenschaftlichen Forschung. Die kleine Studie von Karoline Hornik sucht hier Abhilfe zu schaffen [...].
Susanne Lüdemann in „IASLonline“ (21.08.2008)
Vollständig nachzulesen unter: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2534