Neuerscheinung 

Frauke Bolln

Zwischen Beat Generation und ‚Ankunftsliteratur‘

Fritz Rudolf Fries’ Roman Der Weg nach Oobliadooh


2006, ISBN 3-89528-570-6,
193 Seiten, kart. EUR 38,-
 

Fritz Rudolf Fries hat mit Der Weg nach Oobliadooh 1966 einen Roman vorgelegt, der eine Sonderrolle in der DDR-Literatur einnimmt. Durch die Gegenüberstellung mit Jack Kerouacs On the Road einerseits und ausgewählten Beispielen der sog. ‚Ankunftsliteratur‘ – z.B. Christa Wolfs Der geteilte Himmel – andererseits, kann diese Sonderrolle als eine ästhetische und politische näher bestimmt werden. Ist die ‚Ankunftsliteratur‘ ideologisch vorgeprägt, so erweist sich Der Weg nach Oobliadooh als Text, in dem die Möglichkeiten und Grenzen der Freiheit des Individuums in einem totalitären Staat kritisch thematisiert werden.
Mit Jack Kerouac ist Fries durch die Leidenschaft für den Jazz verbunden. Indem Fries Jazz thematisiert und Jazz-Literatur – wie diejenige Kerouacs – rezipiert, spricht er sich für die Verwirklichung von Ausdrucksmöglichkeiten des Einzelnen durch die Musik aus, die in der DDR nicht erwünscht waren. Auch auf diese Weise ist es ihm möglich, kulturpolitische Weisungen zu unterlaufen.
Im Vergleich mit Texten der ‚Ankunftsliteratur‘ ist festzustellen, daß Der Weg nach Oobliadooh eine Beschäftigung mit dem offiziell gewünschten Referenzmodell des Bildungsromans ist. Fries rezipiert zwar dieses Modell, füllt es aber mit Kerouac’schen Inhalten und zeigt so, daß sich seine Protagonisten nicht in die sozialistische Gesellschaft eingliedern wollen. Auch dieses Unterlaufen des Bildungsroman-Modells kann demnach politisch verstanden werden. Mit seinem Roman Der Weg nach Oobliadooh gelingt Fries, was Gerhart Mayer als charakteristisch für den Anti-Bildungsroman einstuft, nämlich „ideologisch erstarrte zeitgenössische Leitbilder kritisch in Frage“ zu stellen.
Durch den Vergleich mit so unterschiedlichen Romanen und Erzählungen wie Der geteilte Himmel, Ankunft im Alltag, Beschreibung eines Sommers und On the Road erweist sich Der Weg nach Oobliadooh als Anti-Bildungsroman und als politischer Schlüsseltext für die DDR.

Inhalt:

  • I. Einleitung
  • I.1 Zur Forschungsliteratur über Fritz Rudolf Fries

  • II. Kulturpolitik: Der Bitterfelder Weg
  • II.1 Künstlerfiguren bei Brigitte Reimann und Fritz Rudolf Fries
  • II.2 Der historische Kontext der DDR der fünfziger und frühen sechziger Jahre in Der Weg nach Oobliadooh
  • II.2.1 Stalin als Thema in Der Weg nach Oobliadooh
  • II.2.2 Die Thematisierung des 17. Juni 1953 in Der Weg nach Oobliadooh und Beschreibung eines Sommers
  • II.2.3 Das Jahr 1956
  • II.2.4 Die Phase der Entstalinisierung
  • II.2.5 Der erste bemannte Raumflug als Thema in Der geteilte Himmel
  • II.2.6 Mauerbau und Republikflucht
  • II.2.6.1 Das Verlassen der Heimat
  • II.2.6.2 Grenzübertritt
  • II.2.6.3 Die Darstellung des ‚anderen‘ Deutschland
  • II.2.6.4 Rückkehr
  • II.3 Jazz als Thema in Der Weg nach Oobliadooh
  • II.3.1 Die Rolle des Jazz in der DDR als Thema in Der Weg nach Oobliadooh
  • II.3.2 Rock and Roll in der ‚Ankunftsliteratur‘
  • II.3.3 Darstellung und Bedeutung des Jazz in On the Road
  • II.3.4 Das Konzert: Fries, Kerouac und Reimann im Vergleich

  • III. Der Weg nach Oobliadooh: ein Bildungsroman?
  • III.1 Zur Begrifflichkeit von Bildungsroman und Entwicklungsroman
  • III.1.2 Der ‚Ankunftsroman‘ als Bildungsroman: Zum sozialistischen Bildungsroman
  • III.1.3 Der Bildungsroman als Thema in Der Weg nach Oobliadooh
  • Exkurs: Goethe
  • III.1.4 Bildungsroman und Autobiographie
  • III.1.5 Bildungsroman und Schelmenroman
  • III.2 Die Suche nach personaler Identität
  • III.2.1 Die Beschäftigung mit der Vätergeneration
  • III.2.1.1 Die Auseinandersetzung der Kinder mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Eltern
  • III.2.1.2 Die Thematik der Vaterlosigkeit in On the Road
  • III.2.2 Vorbilder und Mentoren
  • III.2.3 Die Suche nach dem Lebenspartner
  • III.2.4 Die Entscheidungssituation: Krise und Krankheit
  • III.2.4.1 Die Entscheidungssituation
  • III.2.4.2 Krankheit
  • III.2.4.2.1 Der vorgetäuschte Wahnsinn

  • IV. Schlußbemerkungen

  • V. Literaturverzeichnis
  • V.1 Siglen und Abkürzungen
  • V.2 Quellen
  • V.3 Forschungsliteratur

Frauke Bolln studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an den Universitäten Bonn und München. Sie ist zur Zeit wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität Bonn.