Neuerscheinung 

Bettina Knauer / Peter Krause (Hgg.)

Von der Zukunft einer unmöglichen Kunst

21 Perspektiven zum Musiktheater


2006, ISBN 3-89528-542-0,
220 Seiten, kart. EUR 34,-
 

Die Klagegesänge über eine Krise der Musiktheaterlandschaft durchziehen seit Jahren die Feuilletons. Ein Paradigmenwechsel tut Not, er setzt jedoch eine Änderung der Perspektive voraus: Regisseure, Intendanten, Theater- und Musikwissenschaftler sowie Kulturökonomen wagen diesen neuen Blick und überwinden das Lamento: Der Band versammelt 21 Beiträge, in denen die Zukunftsfähigkeit der unmöglichen Kunst „Musiktheater“ auf den Prüfstein gestellt und eindrucksvoll bestätigt wird. Es werden Visionen für das Musiktheater entwickelt, die von den Bildungswegen ausgehen, über ästhetische Problemstellungen und eine Befragung des Begriffes „Regietheater“ zu kulturökonomischen Konzepten und schließlich zum eigentlichen Ziel des Musiktheaters, zum Publikum, führen. Kritisch und konstruktiv werden die relevanten Fragen zur gewandelten Legitimation, zu Strukturveränderungen und zur ästhetischer Neuorientierung gestellt und beantwortet. Sie verstehen sich als aktive Anregung eines Diskurses, der die künstlerische, politische und wirtschaftliche Besitzstandswahrung überwindet und die sinnlichste und schönste, die integrativste und berührendste aller Künste von Grund auf erneuert.

Inhalt:

  • Bettina Knauer / Peter Krause: Einleitung

  • Bildungswege
  • Peter Konwitschny
  • Kirsten Harms im Interview mit Julia Hübner: Vom Erfolg und vom Scheitern
  • Peter Michael Hamel: Über Frauen – Über Grenzen: Modell einer „musiktheaterpraxisbezogenen“ Ausbildung
  • Andreas Bode: Vom Ende zum Anfang
  • Jörn Arnecke: Gegenwart und Zukunftsmusik. Freie Variationen über ein unbekanntes Thema
  • Hermann Rauhe: Projektorientierung und Praxisbezug als prägendes Profil: Alleinstellungsmerkmale und Erfolgsprinzipien des Studiengangs Musiktheater-Regie

  • Ästhetik
  • Peter Ruzicka: Zweite Moderne und Musiktheater
  • Albrecht Puhlmann: Immer wieder das Neue im Alten suchen – muß das sein?
  • Nike Wagner: Oper: „Musik mit Bildern“?
  • Peter Petersen: Adriana Hölskys ‚Opern‘. Theatrale Musiksprache und vokal-instrumentales Theater
  • Heinz Josef Herbort: Was ist uns die Oper (noch) wert?
  • Werner Schulze-Reimpell: Primo il teatro! Die Erneuerung der Oper durch szenische Genauigkeit

  • Regietheater
  • Claus Unzen: Sprengung in die Postmoderne oder Opernregie im Wandel zur kreativen Kunst
  • Clemens Risi: „Keinen Wagner-Kult mehr. Sondern Theater, Theater, Theater“ – Der Ring des Nibelungen und das Regietheater
  • Matthias Nöther: Kein Bildungsbürger, nirgends. Vom Phantomschmerz der modernen Opernregie
  • Andreas Leisner: Se non puoi quello che vuoi, quello che puoi voglia!

  • Kulturökonomie
  • Peter Bendixen: Die Oper – ein sterbender Koloß?
  • Peter Krause: „So laßt uns denn die Opernhäuser sprengen“: Von einer neuen Gründerzeit des Musiktheaters im 21. Jahrhundert

  • Rezeption
  • Christoph Becher: „… dass Sie oft unrechtmäßig in die Opern-Literatur eingreifen“. Oper als Auseinandersetzung
  • Petra Schmidt-Decker: Triebe, Werte & Musiktheater
  • Bettina Knauer: Theater und ästhetische Bildung. Anmerkungen zur Krise eines Modells

  • Bio-Bibliographie

Bettina Knauer studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie, Christliche Archäologie und Kunstgeschichte. Nach Promotion und wissenschaftlicher Assistenzzeit arbeitet sie als freie Kultur- und Produktionsmanagerin und Dramaturgin und ist Lehrbeauftragte an Universitäten und Hochschulen.

Peter Krause studierte Musikwissenschaften, Betriebswirtschaft und Kulturmanagement und ist Koordinator am Studiengang Musiktheater-Regie der Theaterakademie Hamburg. Er ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Rudolf-Arnheim-Instituts für Kunst, Kultur und Kulturökonomie. Als Autor u.a. der Tageszeitung
Die Welt nimmt er zu kulturellen Fragen regelmäßig Stellung.

Aus der Kritik:
[...] Vielfalt der Herangehensweisen und der „laufende Perspektivenwechsel“ sind Programm. Einigkeit herrscht unter den 21 Autoren des Bandes zumeist nur darüber, dass man das Musiktheater in der Krise sieht. [...] das Buch [ist] vor allem Selbstrefektion von Kulturschaffenden auf die ästhetischen Grundlagen und institutionellen Rahmenbedingungen ihres Tuns. Im Zentrum der Diskussion stehen dabei die Begriffe der „Postmoderne“ und – sozusagen als deren Manifestation auf der Bühne – des „Regietheaters“. Und hier zeichnen sich auch deutlich zwei verschiedene Tendenzen der Argumentation ab: Jene, die Kunst als „Gegenöffentlichkeit“, als „Störung“ und „Einspruch“ über ihre kritische Funktion definiert, und jene, die von der Kunst im Allgemeinen und der Oper im Besonderen wieder verstärkt Qualitäten wie „Magie“, „Zauber“ oder „sinnlich-emotionale Überwältigung“ einklagt. [...]
In „concerti. Das Hamburger Klassikmagazin“ (November)