Neuerscheinung 

Erika Schellenberger-Diederich

Geopoetik

Studien zur Metaphorik des Gesteins in der Lyrik von Hölderlin bis Celan


2006, ISBN 3-89528-535-8,
376 Seiten, zahlr. Abb., kart. EUR 39,80
 

Ob im Bergwerk oder im Hochgebirge – seit Ende des 18. Jahrhunderts gibt es die poetische Tradition eines freundlichen Gespräches mit der Erde.
Der vorliegende Band bietet eine literatur- und wissenschaftsgeschichtliche Reise durch die Epochen und verweilt an Gelenkstellen veränderter Vorstellungen zur Erdgeschichte und zum Aufbau der Erde.
Die Analysen der Gesteinsmetaphorik bei Hölderlin, Novalis, E.T.A. Hoffmann, Droste-Hülshoff, Mörike, Stifter, Rilke, Bachmann und Celan münden in neue Interpretationen. Das erweiterte Verständnis der Werke von Dichtern unter den Einflüssen der frühen Geowissenschaftler bildet eine gemeinsame Schnittmenge, die mit Geopoetik eine treffende Bezeichnung gefunden hat.
„…als gäb’ es weil Stein ist noch Brüder…“ – Poesie und Geologie im Dialog mit der Erde.

Inhalt:

  • „…als gäb es, weil Stein ist, noch Brüder.“
    Vorbemerkung

  • Einleitung
  • Poetik und Wissenschaft
  • Metaphern
  • Metaphernfelder
  • Kulturgeschichtliche Aspekte
  • Vom Bewältigen, Beherrschen und Besingen der Alpen
  • …der mechanischen Erklärungsart ist nichts zu absurd.
    Antike Säulen als Steine des Anstoßes

  • Studie I: Wohl ist mir die Gestalt / Der Erd.
    Die Geopoetik Friedrich Hölderlins
  • Die alten / Geseze der Erd
    Hölderlin im geowissenschaftlichen Diskurs seiner Zeit
  • „…Geschmack an dem Studium der Geologie“
    Johann Gottfried Ebels als Reiseanleitung
  • „Es ist Sache der Philosophie.“
    Hans Conrad Escher von der Linth. Exkurs 1
  • Das Hochgebirge als „Werkstaette der Natur“
    Horace-Bénédicte de Saussures. Exkurs 2
  • …man muß eine Reise… benutzen, so gut man kann.
    Hölderlins poetischer Reiseführer
  • Lyrische Landkarten An Zimmern (1812) – Interpretation

  • Studie II: Der Fels […] ein eigenthümliches Du.
    Zur Bergwerksmetaphorik bei Novalis
  • Jetzt leb ich ganz in der ‚Technik‘
    Novalis und die Montanistik
  • Elend und Innovation – Der Bergbau zur Zeit von Novalis. Exkurs 1
  • Bergbau als Kunst
  • Beobachten, Beschreiben und Ordnen als geognostisch-poetische Methode – Novalis und Werner
  • „Veilchenblau oder violet“? Die blaue Blume
  • Neptunismus und Plutonismus
  • Gesang und Zitherspiel gehört zum Leben des Bergmanns
    Das erste Bergmannslied aus dem Roman Heinrich von Ofterdingen (1800). Interpretation Teil I
  • …im kühlen Hochzeitbett
    Bergwerk und Braut bei E.T.A. Hoffmann, Johann Peter Hebel und Achim von Arnim Exkurs 2
  • „… einen schön ausgebildeten 6 ¾ Pfund schweren Almandin aus der Gegend von Falun“. Der Karfunkel und sein Mythos. Exkurs 3
  • Interpretation Teil II

  • Studie III a: Ich Petrefakt. Annette von Droste-Hülshoffs lyrisch-„sammelnde Detailforschung“
  • Bertuchs Naturgeschichte; lest Ihr das?
    Geologische Bilder für Kinder
  • „Die Beförderung der Erdkunde…“
    Friedrich Justin Bertuchs Geographisches Institut. Exkurs 1
  • Vom Walroß im korallenen Wald.
    Der Einfluss Bertuchs
  • „…an des Glimmers reinen Scheiben.“
    Naturwahrnehmung und Perspektive
  • „…dürre Sandwege, Steingruben und Heidestrecken.“
    Christoph Bernhard Schlüters christliche Geometaphorik
  • Ein Findling im zerfallnen Weltenbau.
    Die Mergelgrube (1842) – Interpretation
  • …sich verborgen bei mir die Liebe findt.
    Findlingspoetologie

  • Studie III b: Petrefaktensammler und Pechbrenner.
    Zur Metaphorik des Gesteins organischen Ursprungs am Beispiel von Mörike und Stifter
  • Zierlichkeiten aus den versteinerten Gärten des alten Neptunus
    Eduard Mörike zwischen Ironie und Demut
  • …allerlei Steine und Erddinge
    Magische Verwandlungen in Adalbert Stifters Die Pechbrenner (Granit)

  • Studie IV: Und du fühlst dich unter Steinen / die hören
    Rainer Maria Rilke und die Metaphorik der Stein-Bildhauerei
  • Das Meer ist die Historie dieses Landes.
    Rilkes geologische Wahrnehmungen als Kunstkritiker
  • Von marmorn wuchtender Materie des erdgebundenen Steins
    Rilke und Rodin
  • Die Auslage des Fischhändlers (1925) – Interpretation
  • Die Parke II (1907) – Interpretation

  • Studie V: …wie man zum Stein spricht, wie / du…
    Die Geopoetik Paul Celans
  • Nichts, / nichts ist verloren
    Geodynamik als trostspendendes Prinzip
  • Bruder Ossip – Die Erde dröhnt von Metaphern
    Paul Celan und Ossip Mandelstam
  • Orte… auf einer Kinder-Landkarte
    Die Geopoetologie in Der Meridian (1960)
  • „Die Erdkruste strebt einem Zustand der Ausgeglichenheit zu“ – Geotektonische Einflüsse von Franz Lotze (1955) und Roland Brinkmann (1956). Exkurs
  • Ingeborg Bachmanns Karfunkelfee. Exkurs
  • … die feinste der Spindeln. // Vor euch tut sie das Werk.
    Zuversicht
    (1959) – Interpretation

  • Das Gedicht als Monument
  • Literatur
  • Zu den Abbildungen

Erika Schellenberger-Diederich, Dr. phil., Publizistin. Sie arbeitet als Lehrerin und Dozentin in Marburg und an der Universität Gießen.


Aus der Kritik:


[...] Insgesamt ist Schellenberger-Diederichs Arbeit eine hervorragende und unbedingt zu empfehlende Lektüre, die das Gesamtbild der besprochenen AutoInnen erweitert.
Hans-Peter Schulz in „metaphorik.de“ (13 / Dezember 2007)
Vollständig nachzulesen unter: www.metaphorik.de/13

[...] In ihren Text-Analysen stellt [die Verf.] interessante werkimmanente Bezüge her und rekonstruiert den kultur- und wissenschaftshistorischen Entstehungszusammenhang. Überhaupt gehört es zu den besonderen Stärken der Arbeit, daß die Verf. aufzeigt, welchen großen Einfluß die Fachsprachen der Naturwissenschaftler auf die Ästhetisierung und Poetisierung der Erde genommen haben. [...]
Joachim Seng in „Germanistik“ (2007 / Heft 3-4)

[...] Für weiterführende Erkundungen, sei es in die Breite oder Tiefe der literarischen Gesteinswelten, bietet die Studie eine Fülle von exemplarischen Interpretationen und anregende Hinweisen. Sie leistet ebenso einen Beitrag zu einem naturkundlich inspirierten Kanon herausragender Gedichte, die das Faszinosum geologischer Gegenstände und Forschungen in subjektiven Annäherungen erlebbar werden lassen.
Alexander Honold in „Monatshefte“ (3, 2009)