Nikolaus Gatter

"Gift, geradezu Gift für das unwissende Publicum"

Der diaristische Nachlaß von Karl August Varnhagen von Ense und die Polemik gegen Ludmilla Assings Editionen (1860-1880)


1996, ISBN 3-89528-149-2,
504 Seiten, kart. EUR 40,-
 

Hans Magnus Enzensberger hat den »Rufmord an Varnhagen« - dem Gatten Rahels, Freund Goethes und Heines, Bettina von Arnims und Alexander von Humboldts - als »das seltene Beispiel eines perfekten literarischen Verbrechens« bezeichnet. Nachdem der im Zweiten Weltkrieg verschollene Nachlaß 1977 in Kraków wiederentdeckt wurde, galt es, den Tathergang minutiös aufzuklären. Geschichtsschreibung und Universitätsgermanistik der wilhelminischen Ära ließen Varnhagen in Vergessenheit geraten, weil seine Nichte die mißliebigen, von 1834/35 bis 1858 reichenden Tagesblätter drucken ließ - zuerst im Kontext des Humboldt-Varnhagenschen Briefwechsels, dem eine Auswahl in 14 Bänden folgte. Ludmilla Assing löste damit einen politisch-literarischen Skandal aus, wurde steckbrieflich verfolgt und zu Haftstrafen verurteilt. Die 'Sammlung Varnhagen' mit Briefen von und an mehr als 9000 Personen konnte sie vor dem Zugriff der Behörden ins italienische Exil retten. Diese Sammlung wird - in Abgrenzung zur herkömmlichen, der traditionellen Polemik verhafteten Varnhagen-Forschung - als 'Werk' untersucht, dessen Organon und chronikalisches Zentrum die Diaristik bildet. Ihre Editions- und Wirkungsgeschichte greift erstmals auf Prozeßakten, Tageszeitungen und die Verlagskorrespondenz mit F. A. Brockhaus zurück. Der Anhang bietet eine Bibliographie mit ca. 1200 Nachweisen aus der in- und ausländischen Presse zu den Publikationen Aus dem Nachlaß Varnhagen's von Ense.

Inhalt:

  • Einleitung
  • 1. Wenn die Geschichte um eine Ecke geht
  • 2. Gattungsprobleme
  • 3. Chronologie der Publikation
  • 4. Neuere Editionsversuche
  • 5. Varnhagens Diaristik in der Forschung
  • 6. Zusammenfassung

  • I. Briefe Alexander von Humboldts an Varnhagen von Ense
  • 1. Biographie oder Sammelkasten«?
  • 2. Zur Auswahl der Briefe
  • 3. Diaristische Zitate
  • 4. Wahrheitsgehalt und Appellstruktur
  • 5. Zur Textgestalt der Druckfassung. Verzeichnis der Auflagenvarianten
  • 6. »Milderungen und Weglassungen«
  • 7. Bearbeitung der Diaristik
  • 8. »Familienrücksichten«
  • 9. Beratung und Rechtshilfe
  • 10. Skandal, Vereinnahmung und Idealisierung

  • II. Varnhagens Sammlung
  • 1. Struktur und Motive
  • 2. Zum Begriff des Lebens
  • 3. Rahel- und Goethe-Kult?
  • 4. Rahels, Varnhagens und Ludmilla Assings Testamente
  • 5. Die Verwaltung der Bestände nach Varnhagens Tod

  • III. Tagebücher und Blätter aus der preußischen Geschichte
  • 1. Zum Redaktionskonzept
  • 2. »Gedankenstriche«
  • 3. Verbot und Wirkung
  • 4. Engagement und »Doppelnatur«
  • 5. Persönlichkeitsliteratur und »Wirklichkeits-Dichtung«

  • Anhang
  • Die Sammlung Varnhagen in der zeitgenössischen Publizistik
  • Bibliographie zur Wirkungsgeschichte (1859/60-1880)
  • A. Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense
  • Ausgaben, Teildrucke und Übersetzungen (selbständige Publikationen) - Auszüge und Übersetzungen (Periodika) - Pressemeldungen - Rezensionen - Leitartikel - Erklärungen, Dementis, Amtliches - Feuilletons und Polemiken - Satiren, Parodien, Gereimtes - Charakteristiken und Memoiren - Sonstiges
  • B. Tagebücher
  • Ausgaben (selbständige Publikationen) - Auszüge und Übersetzungen (Periodika) - Pressemeldungen - Rezensionen - Leitartikel - Erklärungen, Dementis, Amtliches - Feuilletons und Polemiken - Satiren, Parodien, Gereimtes - Charakteristiken und Memoiren - Sonstiges
  • C. Blätter aus der preußischen Geschichte
  • Ausgabe - Auszüge (Periodika) - Pressemeldungen - Rezensionen - Charakteristiken und Memoiren
  • D. Der übrige Nachlaß und seine Veröffentlichung
  • Editionen Ludmilla Assings - Sonstiges über den Nachlaß und Ludmilla Assing: Allgemeines - Denkwürdigkeiten-Nachlaßbände - Briefe des jungen Börne - Gentz-Tagebücher - Briefwechsel Varnhagen-Oelsner - Briefe Stägemann und Briefe Chamisso - Custine-Briefe - Biographische Porträts - Ausgewählte Schriften - Briefe von der Universität in die Heimath - Rahel-Editionen - Pückler-Nachlaß - Editionen anderer Herausgeber
  • E. Anzeigenwerbung
  • Register zur Bibliographie
  • Register der Periodika - Namenregister
  • Literaturverzeichnis
  • 1. Ungedruckte Quellen
  • 2. Gedruckte Quellen
  • Publikationen aus der und ergänzend zur Sammlung Varnhagen - Weitere gedruckte Quellen
  • 3. Periodika
  • 4. Forschungsliteratur
  • Spezielles zu Rahel, Varnhagen, Ludmilla Assing und der Sammlung Varnhagen - Allgemeines
  • Abkürzungs- und Siglenverzeichnis

Nikolaus Gatter, geb. 1955, Dr. phil., lebt als Publizist, Übersetzer und Musikjournalist in Köln. Er ist Lehrbeauftragter am Germanistischen Seminar der Universität Bonn, wo er 1988-1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war.